Schmer­zens­geld für die Vor­ver­ur­tei­lung eines Beam­ten

Vor dem Land­ge­richt Frank­furt am Main war jetzt die Schmer­zens­geld­kla­ge eines Poli­zei­be­am­ten gegen das Land Hes­sen wegen Ver­let­zung der Für­sor­ge­pflicht erfolg­reich. Das Land­ge­richt Frank­furt hat das Land Hes­sen zur Zah­lung eines Schmer­zens­gel­des in Höhe von 8.000,– € an einen Poli­zei­be­am­ten wegen Ver­let­zung der beam­ten­recht­li­chen Für­sor­ge­pflicht ver­ur­teilt, weil die dama­li­ge Vize­prä­si­den­tin des Poli­zei­prä­si­di­ums Frank­furt im Rah­men eines gegen ihn geführ­ten Dis­zi­pli­nar- und Ermitt­lungs­ver­fah­rens den Klä­ger im Rah­men einer Dienst­be­spre­chung vor­ver­ur­teilt hat.

Schmer­zens­geld für die Vor­ver­ur­tei­lung eines Beam­ten

Das Land­ge­richt sah es nach dem Ergeb­nis der Beweis­auf­nah­me als erwie­sen an, dass die dama­li­gen Poli­zei­vi­ze­prä­si­den­tin – nach­dem ein Dis­zi­pli­nar- und ein Ermitt­lungs­ver­fah­ren wegen des Ver­dachts diver­ser Straf­ta­ten gegen den Klä­ger ein­ge­lei­tet wor­den war – in einer Bespre­chung mit den Mit­ar­bei­tern des Kom­mis­sa­ri­ats, deren Lei­ter der Klä­ger war, fol­gen­des erklärt hat: Der Klä­ger sei in kri­mi­nel­le Machen­schaf­ten ver­strickt und wer­de nicht mehr auf die Dienst­stel­le zurück­keh­ren. Hier­für wer­de sie per­sön­lich sor­gen. Die Beam­ten soll­ten sich von ihm fern­hal­ten und kei­nen Kon­takt mit ihm auf­neh­men. Das Dis­zi­pli­nar- und das Straf­ver­fah­ren wur­den im Jahr 2010 ein­ge­stellt.

Die dar­ge­stell­ten Äuße­run­gen der Poli­zei­vi­ze­prä­si­den­tin las­sen die erfor­der­li­che Rück­sicht­nah­me auf die berech­tig­ten Inter­es­sen des Klä­gers ver­mis­sen und ver­letz­ten sei­nen Anspruch auf sozia­le Aner­ken­nung gegen­über sei­nen Kol­le­gen und Mit­ar­bei­tern. Der Klä­ger wur­de durch die Erklä­run­gen der Poli­zei­vi­ze­prä­si­den­tin stig­ma­ti­siert und sein Anse­hen erheb­lich beschä­digt, so das Land­ge­richt in den Ent­schei­dungs­grün­den, die Äuße­run­gen ent­hiel­ten eine Vor­ver­ur­tei­lung des Klä­gers und ver­stie­ßen inso­weit gegen die Unschulds­ver­mu­tung.

Das Land­ge­richt hat den Grad der Per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zung als so schwer­wie­gend ange­se­hen, dass die Zubil­li­gung eines Schmer­zen­gel­des gerecht­fer­tigt ist. Es hat hier­bei ins­be­son­de­re berück­sich­tigt, dass für die Poli­zei­vi­ze­prä­si­den­tin kein Anlass für der­art weit­ge­hen­de Aus­sa­gen bestand. Wei­ter­hin ist die Per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zung auch des­halb als beson­ders schwer­wie­gend zu qua­li­fi­zie­ren, weil die Vor­wür­fe wäh­rend der gesam­ten Dau­er des Ver­fah­rens unver­än­dert im Raum stan­den und die Äuße­run­gen erheb­lich dif­fa­mie­ren­den Cha­rak­ter hat­ten.

Die Höhe des Schmer­zen­geld hat das Land­ge­richt auf 8.000 € geschätzt. Eine höhe­re Schmer­zens­geld­zah­lung (der Klä­ger hat­te 30.000 € gefor­dert) hat das Land­ge­richt Frank­furt abge­lehnt, da die wei­te­ren behaup­te­ten Ein­grif­fe in das Per­sön­lich­keits­recht des Klä­gers nicht vor­la­gen. Ins­be­son­de­re in Inter­view­äu­ße­run­gen des Poli­zei­prä­si­den­ten hat die Kam­mer ledig­lich eine sach­li­che Infor­ma­ti­on der Öffent­lich­keit gese­hen, die eine Vor­ver­ur­tei­lung des Klä­gers nicht ent­hielt.

Land­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 7. März 2011 – 2 – 04 O 584/​09