Son­der­ur­laub eines Sol­da­ten – oder lie­ber doch Erho­lungs­ur­laub?

Auf die Gewäh­rung eines Son­der­ur­laubs nach § 28 Abs. 3 SG i.V.m. § 7 Satz 1 Nr. 3 SUr­lV besteht kein Rechts­an­spruch; sei­ne Ertei­lung steht viel­mehr – wenn dienst­li­che Grün­de nicht ent­ge­gen­ste­hen – im pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen des zustän­di­gen Vor­ge­setz­ten, der gehal­ten ist, im Rah­men sei­ner Ermes­sens­ent­schei­dung die Belan­ge des antrag­stel­len­den Sol­da­ten mit den dienst­li­chen Inter­es­sen abzu­wä­gen [1] und nament­lich das Ver­fas­sungs­ge­bot der Gleich­be­hand­lung gleich­ge­la­ger­ter Fäl­le (Art. 3 Abs. 1 GG), das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung (Art. 3 Abs. 2 und 3 GG) und die Für­sor­ge­pflicht (§ 10 Abs. 3 SG) zu beach­ten.

Son­der­ur­laub eines Sol­da­ten – oder lie­ber doch Erho­lungs­ur­laub?

Die gericht­li­che Kon­trol­le einer der­ar­ti­gen Ermes­sens­ent­schei­dung hat sich dar­auf zu beschrän­ken zu prü­fen, ob der Vor­ge­setz­te den Antrag­stel­ler mit der Ableh­nung des von ihm ange­streb­ten Son­der­ur­laubs durch Über­schrei­ten oder Miss­brauch dienst­li­cher Befug­nis­se in sei­nen Rech­ten ver­letzt hat (§ 17 Abs. 3 Satz 2 WBO), d.h., ob er dabei die gesetz­li­chen Gren­zen des ihm inso­weit ein­ge­räum­ten Ermes­sens über­schrit­ten oder von die­sem Ermes­sen in einer dem Zweck der Ermäch­ti­gung nicht ent­spre­chen­den Wei­se Gebrauch gemacht hat [2].

§ 28 Abs. 1 SG gewährt dem Sol­da­ten einen Rechts­an­spruch auf einen all­jähr­li­chen Erho­lungs­ur­laub unter Fort­ge­wäh­rung sei­ner Bezü­ge [3]. Nach § 28 Abs. 2 SG darf der Erho­lungs­ur­laub nur ver­sagt wer­den, soweit und solan­ge zwin­gen­de dienst­li­che Erfor­der­nis­se der Urlaubser­tei­lung ent­ge­gen­ste­hen. „Dienst­li­che Erfor­der­nis­se“ im Sin­ne des § 28 Abs. 2 SG sind aus­schließ­lich in sol­chen Grün­den zu sehen, wel­che die Dienst­leis­tung des Sol­da­ten – gera­de wäh­rend des für den Urlaub in Aus­sicht genom­me­nen Zeit­raums – erfor­dern [4]. „Zwin­gend“ sind dienst­li­che Erfor­der­nis­se nur dann, wenn die der Urlaubs­ge­wäh­rung ent­ge­gen­ste­hen­den Hin­der­nis­se von sol­chem Gewicht sind, dass ande­ren­falls unauf­schieb­ba­re Dienst­auf­ga­ben nicht ord­nungs­ge­mäß erfüllt wer­den kön­nen; dabei ist auch zu prü­fen, ob rea­li­sier­ba­re Alter­na­ti­ven zur Urlaubs­ver­sa­gung prak­tisch zur Ver­fü­gung ste­hen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 22. Juni 2005 – 1 WB 1.05

  1. Scherer/​Alff, SG, 7. Aufl., § 28 RNr. 3[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 24.02.2005 – 1 WB 19.04[]
  3. Vogel­ge­sang in: GKÖD, Teil 5 a, 2005, Yk § 28 SG, RNr. 5; Scherer/​Alff, a.a.O., § 28, RNr. 1[]
  4. vgl. Scherer/​Alff, a.a.O.[]