Stap­ler­un­fall in Afgha­ni­stan

Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land kann von einem Berufs­sol­da­ten Scha­dens­er­satz ver­lan­gen, wenn er wäh­rend eines Ein­sat­zes in Afgha­ni­stan dadurch einen Unfall ver­ur­sacht, dass er mit einem Stap­ler unzu­rei­chend gesi­cher­te Ladung trans­por­tiert hat und die­se her­ab­ge­fal­len ist.

Stap­ler­un­fall in Afgha­ni­stan

In einem vom Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz ent­schie­de­nen Fall hat­te der Klä­ger, ein Haupt­feld­we­bel, inner­halb des Feld­la­gers in Mazar-e-Sharif einen Con­tai­ner mit einem Con­tai­ner­stap­ler über eine Stre­cke von meh­re­ren hun­dert Metern beför­dert. Wegen einer Beschä­di­gung war der Con­tai­ner mit einer Zelt­pla­ne abge­deckt, die mit acht jeweils etwa 20 kg schwe­ren Bun­des­wehr-Stahl­pa­let­ten beschwert war. Als die Pla­ne wäh­rend der Fahrt von einer Wind­böe erfasst wur­de, fie­len meh­re­re Palet­ten von dem Con­tai­ner her­ab und beschä­dig­ten den Stap­ler sowie ein wei­te­res Bun­des­wehr­fahr­zeug. Hier­durch ent­stand ein Sach­scha­den von ins­ge­samt 1.361,54 €. Die Beklag­te for­der­te dar­auf­hin vom Klä­ger Scha­dens­er­satz, weil die­ser den Scha­den durch unzu­rei­chen­de Siche­rung der Ladung grob fahr­läs­sig ver­ur­sacht habe.

Die hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge, mit der sich der Klä­ger unter ande­rem dar­auf beru­fen hat, er habe den fes­ten Sitz der Pla­ne und der dar­auf nach einem Regen fest­ge­saug­ten Palet­ten per­sön­lich durch Mus­kel­kraft über­prüft und zudem nicht mit dem plötz­li­chen Auf­kom­men einer Wind­böe rech­nen müs­sen, blieb erfolg­los. Nach dem Sol­da­ten­ge­setz habe ein Sol­dat, der vor­sätz­lich oder grob fahr­läs­sig die ihm oblie­gen­den dienst­li­chen Pflich­ten ver­let­ze, dem Dienst­herrn den dar­aus ent­stan­de­nen Scha­den zu erset­zen. Vor­lie­gend habe der Klä­ger gegen die in den ein­schlä­gi­gen Dienst­vor­schrif­ten der Bun­des­wehr aus­drück­lich für anwend­bar erklär­te berufs­ge­nos­sen­schaft­li­che Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrift für soge­nann­te „Flur­för­der­zeu­ge“ ver­sto­ßen, wonach der­ar­ti­ge Fahr­zeu­ge so zu bela­den sei­en, dass die trans­por­tier­te Last nicht her­ab­fal­len kön­ne. Dabei habe der Klä­ger auch grob fahr­läs­sig gehan­delt. Jedem Füh­rer eines Gabel­stap­lers müs­se die Mög­lich­keit eines Los­rüt­telns und Her­ab­fallens nicht befes­tig­ter Tei­le der Ladung wäh­rend der Fahrt durch die Vibra­tio­nen des motor­be­trie­be­nen Fahr­zeu­ges ohne wei­te­res ein­leuch­ten. Der Klä­ger habe sich also, hät­te er auch nur die ein­fachs­ten, ganz nahe lie­gen­den Über­le­gun­gen ange­stellt, bereits von daher nicht auf die von ihm vor Beginn der Fahrt über­prüf­te „Befes­ti­gung“ der Pla­ne und der Palet­ten durch die Saug­wir­kung des auf dem Con­tai­ner ste­hen­den Regen­was­sers und eine „Ver­kle­bung“ mit­tels feuch­ten San­des ver­las­sen kön­nen. Dem danach bestehen­den Scha­dens­er­satz­an­spruch kön­ne der Klä­ger schließ­lich auch nicht die Vor­schrif­ten des Pflicht­ver­si­che­rungs­ge­set­zes ent­ge­gen hal­ten, wonach der Hal­ter eines Kraft­fahr­zeu­ges grund­sätz­lich ver­pflich­tet sei, zur Deckung der durch den Gebrauch des Fahr­zeugs ver­ur­sach­ten Schä­den eine Haft­pflicht­ver­si­che­rung abzu­schlie­ßen. Die­se Ver­pflich­tung gel­te näm­lich nur für den Betrieb von Fahr­zeu­gen auf öffent­li­chen Stra­ßen; hier­zu gehö­re der ledig­lich in Lie­gen­schaf­ten der Bun­des­wehr ein­ge­setz­te Con­tai­ner­stap­ler nicht.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 30. Novem­ber 2011 – 2 K 467/​11.KO