Stel­len­he­bung – und die ver­sor­gungs­recht­li­che War­te­frist

Die ver­sor­gungs­recht­li­che „War­te­frist“, nach der die Dienst­be­zü­ge des höher­wer­ti­gen Amtes nur dann für die Fest­set­zung der Ver­sor­gungs­be­zü­ge her­an­ge­zo­gen wer­den, wenn der Beam­te die Dienst­be­zü­ge die­ses (oder eines min­des­tens gleich­wer­ti­gen) Amtes vor dem Ein­tritt in den Ruhe­stand min­des­tens zwei Jah­re erhal­ten hat, gilt auch, wenn die Ver­ga­be des höher­wer­ti­gen Amtes auf eine gesetz­lich ange­ord­ne­te Stel­len­he­bung zurück­geht.

Stel­len­he­bung – und die ver­sor­gungs­recht­li­che War­te­frist

In dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Fall wur­de Wahl­be­am­tin im Jahr 2003 für acht Jah­re zur Bür­ger­meis­te­rin einer Gemein­de in Bran­den­burg gewählt. Sie wur­de dem­entspre­chend in ein Beam­ten­ver­hält­nis auf Zeit beru­fen und in eine Plan­stel­le der Besol­dungs­grup­pe A 15 ein­ge­wie­sen. Nach einer Ände­rung der Ein­stu­fungs­ver­ord­nung wur­de sie zum Janu­ar 2010 in eine Plan­stel­le der Besol­dungs­grup­pe B 2 ein­ge­wie­sen. Da die Wahl­be­am­tin in der fol­gen­den Wahl nicht wie­der­ge­wählt wur­de, trat sie mit Wir­kung vom 17. Dezem­ber 2011 in den Ruhe­stand. Bei der Fest­set­zung des Ruhe­ge­halts leg­te die Ver­sor­gungs­be­hör­de nur die Bezü­ge aus einem Amt der Besol­dungs­grup­pe A 15 zugrun­de, weil hin­sicht­lich der Dienst­be­zü­ge aus der Besol­dungs­grup­pe B 2 die Min­dest­ver­weil­dau­er von zwei Jah­ren nicht erfüllt sei.

Der Wider­spruch der Ex-Bür­ger­meis­te­rin ist eben­so erfolg­los geblie­ben wie die Kla­ge vor den Ver­wal­tungs­ge­richt Pots­dam 1 und die Beru­fung vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg 2. Und das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun auch ihre Revi­si­on zurück­ge­wie­sen:

Das sta­tus­recht­li­che Amt eines Beam­ten wird durch die Amts­be­zeich­nung, das die­sem vom Besol­dungs­ge­setz­ge­ber zuge­wie­se­ne End­grund­ge­halt und die Lauf­bahn­zu­ge­hö­rig­keit bestimmt. Durch die Ein­wei­sung in die Plan­stel­le der Besol­dungs­grup­pe B 2 ist der Wahl­be­am­tin daher ein ande­res Amt ver­lie­hen wor­den. Die Dienst­be­zü­ge die­ses Amts hat die Wahl­be­am­tin nicht min­des­tens zwei Jah­re erhal­ten. Eine Aus­nah­me des Anwen­dungs­be­reichs für kom­mu­na­le Wahl­be­am­te sieht das maß­geb­li­che Lan­des­recht nicht vor.

Eine Ein­schrän­kung von der ver­sor­gungs­recht­li­chen War­te­frist­re­ge­lung im Wege der Aus­le­gung ist auch für die­je­ni­gen Fäl­le nicht gebo­ten, in denen die Ver­ga­be des höher­wer­ti­gen Amtes auf eine gesetz­lich ange­ord­ne­te Stel­len­he­bung zurück­geht. Zwar kann damit eine indi­vi­du­el­le „Gefäl­lig­keits­be­för­de­rung“ aus­ge­schlos­sen wer­den. Mit der War­te­frist­re­ge­lung hat der Gesetz­ge­ber indes auch das Ziel ver­folgt, die „Pen­si­ons­wirk­sam­keit“ einer Beför­de­rung erst dann anzu­neh­men, wenn ein zeit­li­ches Min­dest­maß an Dienst­leis­tung im dem zuletzt beklei­de­ten Amt erbracht wor­den ist.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 6. April 2017 – 2 C 13.16

  1. VG Pots­dam, Urteil vom 08.10.2014 – 2 K 877/​13[]
  2. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 21.04.2016 – 4 B 39.14[]