Stel­len­zu­la­ge für flie­gen­des Per­so­nal bei der Bun­des­po­li­zei

Sons­ti­ge stän­di­ge Luft­fahr­zeug­be­sat­zungs­an­ge­hö­ri­ge im Sin­ne der Nr. 6 Abs. 1 Satz 1 Buchst. c der Vor­be­mer­kun­gen zu den Besol­dungs­ord­nun­gen A und B sind Sol­da­ten oder Beam­te, die wie der Luft­fahr­zeug­füh­rer zur Stan­dard­be­sat­zung eines Luft­fahr­zeugs gehö­ren.

Stel­len­zu­la­ge für flie­gen­des Per­so­nal bei der Bun­des­po­li­zei

Gegen­stand des hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Revi­si­ons­ver­fah­rens war die Fra­ge, ob dem Klä­ger, der in Hub­schrau­bern der Bun­des­po­li­zei als Wär­me­bild- und Sys­tem­ope­ra­tor ein­ge­setzt wird, die Zula­ge für flie­gen­des Per­so­nal zusteht. Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen [1] hat der Kla­ge des Beam­ten statt­ge­ge­ben. Dem­ge­gen­über ist in der Beru­fungs­in­stanz der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Mün­chen davon aus­ge­gan­gen, dass der Klä­ger kei­nen Anspruch auf die Zula­ge hat [2]. Zur Begrün­dung hat der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof u.a. dar­auf abge­stellt, dass die Tätig­keit des Klä­gers im Hin­blick auf die Ver­ant­wor­tung für den Betrieb des Luft­fahr­zeugs und sei­ne Besat­zung nicht mit der des Pilo­ten oder des Bord­warts ver­gleich­bar sei. Damit stel­le die Tätig­keit des Klä­gers kei­ne her­aus­ge­ho­be­ne Funk­ti­on im Sin­ne von § 42 Abs. 1 Satz 1 BBesG dar. Dies woll­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in die­ser All­ge­mein­heit jedoch nicht bestä­ti­gen:

Nach Nr. 6 Abs. 1 Satz 1 Buchst. c der Vor­be­mer­kun­gen zu den Bun­des­be­sol­dungs­ord­nun­gen A und B (Anla­ge I zum Bun­des­be­sol­dungs­ge­setz) [3] erhal­ten Sol­da­ten und Beam­te der Besol­dungs­grup­pen A 5 bis A 16 als sons­ti­ge stän­di­ge Luft­fahr­zeug­be­sat­zungs­an­ge­hö­ri­ge eine Stel­len­zu­la­ge nach Anla­ge IX, wenn sie ent­spre­chend ver­wen­det wer­den. Mit Nr. 6 Abs. 1 Satz 1 Buchst. c der Vor­be­mer­kun­gen unver­ein­bar ist die Auf­fas­sung, sons­ti­ge stän­di­ge Luft­fahr­zeug­be­sat­zungs­an­ge­hö­ri­ge sei­en nur sol­che Per­so­nen, die eine ähn­li­che oder zumin­dest ver­gleich­bar auf­wän­di­ge Aus­bil­dung wie ein Luft­fahr­zeug­füh­rer oder Waf­fen­sys­tem­of­fi­zier durch­lau­fen hät­ten. Durch die Stel­len­zu­la­ge nach Nr. 6 der Vor­be­mer­kun­gen sol­len viel­mehr die hohen Anfor­de­run­gen, die beson­de­ren phy­si­schen und psy­chi­schen Belas­tun­gen sowie die erhöh­ten Gefah­ren abge­gol­ten wer­den, denen Sol­da­ten oder Beam­te als flie­gen­des Per­so­nal bei der Ver­rich­tung ihres Diens­tes aus­ge­setzt sind [4]. Nach der Sys­te­ma­tik des Besol­dungs­rechts kön­nen sol­che Dau­er­er­schwer­nis­se gleich­blei­ben­der Art durch eine Stel­len­zu­la­ge abge­gol­ten wer­den [5].

Die­ser Zweck der Stel­len­zu­la­ge Nr. 6 Abs. 1 Satz 1 der Vor­be­mer­kun­gen ergibt sich auch aus ihrer Ent­ste­hungs­ge­schich­te. Vor­läu­fer der jet­zi­gen Nr. 6 war die durch das Zwei­te Gesetz zur Ände­rung des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes vom 26. August 1966 [6] ein­ge­füg­te Nr. 4 der Vor­be­mer­kun­gen. Danach erhiel­ten Sol­da­ten und Beam­te als Flug­zeug­füh­rer mit der Erlaub­nis zum Füh­ren von Strahl­flug­zeu­gen und bei ent­spre­chen­der Ver­wen­dung eine Stel­len­zu­la­ge. Beweg­grund für die Ein­füh­rung die­ser Zula­ge war die Ein­schät­zung, dass die von den Füh­rern von Strahl­flug­zeu­gen auch im Ver­gleich zu Füh­rern von Pro­pel­ler­flug­zeu­gen gefor­der­ten beson­de­ren phy­si­schen und psy­chi­schen Leis­tun­gen die aller übri­gen Sol­da­ten glei­cher Dienst­gra­de und die ent­spre­chen­den Beam­ten wesent­lich über­stie­gen und durch die Besol­dung nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt sei­en [7].

Durch das Ers­te Besol­dungs­ver­ein­heit­li­chungs- und Neu­re­ge­lungs­ge­setz vom 18. März 1971 [8] wur­de die Stel­len­zu­la­ge auf Füh­rer von sons­ti­gen Luft­fahr­zeu­gen sowie auf stän­di­ge Luft­fahr­zeug­be­sat­zungs­an­ge­hö­ri­ge erstreckt. Hin­ter­grund war der Vor­schlag Nr. 116 im „Weiß­buch 1970 zur Lage der Bun­des­wehr“, im Hin­blick auf die mit der Ver­wen­dung ver­bun­de­nen phy­si­schen und psy­chi­schen Belas­tun­gen den Kreis der Bezugs­be­rech­tig­ten der Flie­ger­zu­la­ge zu erwei­tern und eine ruhe­ge­halt­fä­hi­ge Stel­len­zu­la­ge für Hub­schrau­ber­pi­lo­ten, ent­spre­chend belas­te­te sons­ti­ge Flug­zeug­füh­rer und Besat­zungs­an­ge­hö­ri­ge zu schaf­fen [9]. Durch das Gesetz zur Ände­rung des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes vom 22. Dezem­ber 1977 [10] wur­de die Stel­len­zu­la­ge für Luft­fahr­zeug­füh­rer und Kampf­be­ob­ach­ter von ein- und zwei­sit­zi­gen strahl­ge­trie­be­nen Kampf- und Schul­flug­zeu­gen erhöht. Dies wur­de eben­falls damit begrün­det, dass die tech­ni­sche Ent­wick­lung und das Flie­gen sol­cher Flug­zeu­ge sowie der Kampf­auf­trag im Lau­fe der letz­ten Jah­re zu höhe­ren Leis­tungs­an­for­de­run­gen und damit zu Funk­ti­ons­stei­ge­run­gen bei den Kampf­be­sat­zun­gen geführt hät­ten [11].

Bun­des­recht ver­letzt das Beru­fungs­ur­teil fer­ner durch die Annah­me, dem Klä­ger ste­he die Zula­ge Nr. 6 Abs. 1 Satz 1 Buchst. c der Vor­be­mer­kun­gen selbst dann nicht zu, wenn er dem Grun­de nach als sons­ti­ger stän­di­ger Luft­fahr­zeug­be­sat­zungs­an­ge­hö­ri­ger anzu­se­hen sein soll­te. Die Tätig­keit des Klä­gers als Wär­me­bild- und Peil­sys­tem­ope­ra­tor prä­ge nicht sei­nen Dienst­pos­ten, weil mehr als 20 % sei­ner Jah­res­ar­beits­zeit auf nicht­zu­la­ge­be­rech­ti­gen­de Tätig­kei­ten ent­fie­len.

Die­se Vor­ge­hens­wei­se ist mit der Bestim­mung der zula­ge­be­rech­ti­gen­den Funk­tio­nen durch den Gesetz­ge­ber in der Anla­ge I zum Bun­des­be­sol­dungs­ge­setz unver­ein­bar. Die Zula­ge für Sol­da­ten und Beam­te als flie­gen­des Per­so­nal ist eine Stel­len­zu­la­ge, deren Zah­lung gemäß § 42 BBesG auf her­aus­ge­ho­be­ne Funk­tio­nen (Absatz 1) und auf die Dau­er ihrer Wahr­neh­mung beschränkt ist (Absatz 3 Satz 1). Her­aus­ge­ho­ben im Sin­ne die­ser Vor­schrift sind die­se Funk­tio­nen wegen der für ihre Wahr­neh­mung zusätz­lich zu erfül­len­den Anfor­de­run­gen, die von der all­ge­mei­nen Ämterbe­wer­tung nicht erfasst wer­den [12]. Wel­che Funk­tio­nen im Sin­ne des § 42 Abs. 1 BBesG her­aus­ge­ho­ben sind, hat der Gesetz­ge­ber in den ein­zel­nen Zula­ge­vor­schrif­ten nor­ma­tiv ent­schie­den [13].

Durch die Stel­len­zu­la­ge Nr. 6 Abs. 1 Satz 1 der Vor­be­mer­kun­gen wer­den die hohen Anfor­de­run­gen, die beson­de­ren phy­si­schen und psy­chi­schen Belas­tun­gen sowie die erhöh­ten Gefah­ren abge­gol­ten, denen Sol­da­ten oder Beam­te als flie­gen­des Per­so­nal bei der Ver­rich­tung ihres Diens­tes aus­ge­setzt sind. Die­ser Zweck ist auch für die Bestim­mung des Begriffs „sons­ti­ge stän­di­ge Luft­fahr­zeug­be­sat­zungs­an­ge­hö­ri­ge“ maß­geb­lich. Es muss sich um ein sons­ti­ges Mit­glied der Besat­zung eines Luft­fahr­zeugs han­deln, das infol­ge sei­ner Ver­wen­dung den mit einem Ein­satz in einem Luft­fahr­zeug ver­bun­de­nen Dau­er­er­schwer­nis­sen gleich­blei­ben­der Art grund­sätz­lich in dem­sel­ben Maß aus­ge­setzt ist wie es für die in Nr. 6 Abs. 1 Satz 1 Buchst. a und b genann­ten Funk­tio­nen typisch ist. Der Betref­fen­de muss wie der Pilot des Luft­fahr­zeugs, der Waf­fen­sys­tem­of­fi­zier eines zwei­sit­zi­gen stahl­ge­trie­be­nen Kampf- oder Schul­flug­zeugs oder der in einem Hub­schrau­ber ein­ge­setz­te Luft­fahr­zeu­g­ope­ra­ti­ons­of­fi­zier zur Stan­dard­be­sat­zung eines Luft­fahr­zeug­typs gehö­ren und des­halb regel­mä­ßig im Luft­fahr­zeug zum Ein­satz kom­men. Es reicht nicht aus, wenn der Sol­dat oder Beam­te ledig­lich von Fall zu Fall bei bestimm­ten Ein­satz­kon­stel­la­tio­nen her­an­ge­zo­gen wird. Erfüllt der Beam­te die Vor­aus­set­zun­gen die­ser gesetz­li­chen Rege­lung, so steht ihm die Zula­ge zu.

Der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, der das auf­grund sei­ner Rechts­an­sicht die­ser Fra­ge nicht nach­ge­hen muss­te, wird nun­mehr auf­klä­ren müs­sen, ob der Klä­ger auf sei­nem Dienst­pos­ten zur Stan­dard­be­sat­zung eines Hub­schrau­bers gehört. Inso­weit trifft die Beklag­te zumin­dest eine Dar­le­gungs­last, weil es sich bei der gene­rel­len Fest­le­gung der Besat­zung der Hub­schrau­ber um Umstän­de han­delt, die aus­schließ­lich in ihrem Ver­ant­wor­tungs- und Ver­fü­gungs­be­reich lie­gen [14].

Der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat danach zu klä­ren, wel­che Besat­zun­gen die Beklag­te für die ver­schie­de­nen bei den Flie­ger­staf­feln der Bun­des­po­li­zei ein­ge­setz­ten Hub­schrau­ber­ty­pen vor­ge­se­hen hat. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Beklag­te die Regel- oder Stan­dard­be­sat­zung der Hub­schrau­ber je nach Ein­satz­be­reich (Fahn­dungs- und Über­wa­chungs­ein­sät­ze, Not­fall- oder Kata­stro­phen­ein­sät­ze oder Schu­lungs­flü­ge) in Anwei­sun­gen oder Erlas­sen gene­rell gere­gelt hat. Auf­zu­klä­ren ist fer­ner, ob die Beklag­te die Vor­ga­ben für die Besat­zung der Hub­schrau­ber infol­ge der Neu­fas­sung der „Stel­len-/ Funk­ti­ons­aus­schrei­bung 14/​2008“ durch das Bun­des­po­li­zei­prä­si­di­um im Juli 2008, die nach der Dar­stel­lung des Klä­gers zur Aus­wei­tung sei­ner Funk­tio­nen wäh­rend des Hub­schrau­ber­ein­sat­zes geführt hat, geän­dert hat. Soll­te es kei­ne gene­rel­len Vor­ga­ben durch behörd­li­che Erlas­se geben, so ist zu klä­ren, wie oft der auf einem der Flie­ger­staf­fel zuge­ord­ne­ten Dienst­pos­ten ver­wen­de­te Klä­ger tat­säch­lich an Hub­schrau­ber­ein­sät­zen teil­ge­nom­men hat. Das Beru­fungs­ge­richt wird im Hin­blick auf Art. 3 Abs. 1 GG auch auf­zu­klä­ren haben, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Beklag­te die Zula­ge Nr. 6 Abs. 1 Satz 1 Buchst. c der Vor­be­mer­kun­gen im Bereich der Bun­des­wehr z.B. sons­ti­gen Besat­zungs­an­ge­hö­ri­gen von Ret­tungs­hub­schrau­bern der Luft­waf­fe und der Mari­ne­flie­ger gewährt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 28. Okto­ber 2010 -2 C 29.09

  1. VG Mün­chen, Urteil vom 27.02.2007 – M 5 K 05.3132[]
  2. BayVGH, Urteil vom 06.04.2009 – 14 BV 07.1263[]
  3. in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 06.08.2002, BGBl I S. 3020[]
  4. BVerwG, Urteil vom 12.06.1984 – 6 C 94.83, Buch­holz 235 § 42 BBesG Nr. 6 S. 17[]
  5. BVerwG, Urtei­le vom 03.01.1990 – 6 C 11.87, Buch­holz 240 § 47 BBesG Nr. 6 S. 8 f.; vom 23.04.1998 – 2 C 1.97, Buch­holz 240.1 Nr. 20 S. 32; und vom 08.06.2000 – 2 C 24.99, Buch­holz 240.1 Nr. 25 S. 7[]
  6. BGBl I S. 526[]
  7. Ent­wurf für ein Zwei­tes Gesetz zur Ände­rung des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes, BT-Drs. V/​688, S. 3; sowie Schrift­li­cher Bericht des Innen­aus­schus­ses, BT-Drs. V/​765, S. 1 f.[]
  8. BGBl I S. 208[]
  9. Schrift­li­cher Bericht des Innen­aus­schus­ses über den von der Bun­des­re­gie­rung ein­ge­brach­ten Ent­wurf eines Ers­ten Geset­zes zur Ver­ein­heit­li­chung des Besol­dungs­rechts in Bund und Län­dern, zu BT-Drs. VI/​1885, S. 9[]
  10. BGBl I S. 3103[]
  11. Ent­wurf eines Geset­zes zur Ände­rung des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes, BT-Drs. 8/​1027, S. 4[]
  12. BVerwG, Urteil 27.11.2003 – 2 C 55.02, Buch­holz 240.1 BBe­sO Nr. 28[]
  13. BVerwG, Urteil vom 26.03.2009 – 2 C 1.08, Buch­holz 240.1 BBe­sO Nr. 32 Rn. 11[]
  14. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 29.06.1999 – 9 C 36.98, Buch­holz 11 Art. 16a GG Nr. 12 S. 20; und vom 20.01.2000 – 2 C 13.99, Buch­holz 237.7 § 15 NWLBG Nr. 4 S. 3 m.w.N.[]