Stich­tags­re­ge­lung bei Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten

Für Kin­der, die vor dem 1. Janu­ar 1992 gebo­re­ne wur­den, kön­nen Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten nur nur für die ers­ten sechs Lebens­mo­na­te des Kin­des erkannt wer­den. Wer­den Adop­tiv­kin­der erst nach der Voll­endung des sechs­ten Lebens­mo­nats in den Haus­halt der Adop­tiv­el­tern auf­ge­nom­men, ent­fällt jeg­li­che Anrech­nung.

Stich­tags­re­ge­lung bei Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten

Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt die Kla­ge einer inzwi­schen pen­sio­nier­ten Lan­des­be­am­tin abge­wie­sen, mit der die­se die Aner­ken­nung von Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten bei der Berech­nung ihrer Ver­sor­gungs­be­zü­ge begehrt. Die Klä­ge­rin hat­te in den sieb­zi­ger Jah­ren drei Kin­der adop­tiert. Nach der Auf­nah­me des zwei­ten Adop­tiv­kin­des in ihren Haus­halt ließ sie sich unter Weg­fall der Dienst­be­zü­ge beur­lau­ben.

Anläss­lich der Pen­sio­nie­rung der Klä­ge­rin setz­te das beklag­te Land die Ver­sor­gungs­be­zü­ge fest und ver­sag­te die Aner­ken­nung von Erzie­hungs­zei­ten für die drei Kin­der. Die Klä­ge­rin ist der Ansicht, dass die Berech­nung der anzu­er­ken­nen­den Erzie­hungs­zei­ten bei Adop­tiv­kin­dern mit deren Auf­nah­me in den Haus­halt und nicht mit der Geburt begin­ne.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on folg­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt nicht: Das gel­ten­de Recht ermög­li­che die Aner­ken­nung von Erzie­hungs­zei­ten für vor dem 1. Janu­ar 1992 gebo­re­ne Kin­der nur für die ers­ten sechs Lebens­mo­na­te des Kin­des; dies gel­te unab­hän­gig davon, ob es sich um leib­li­che oder adop­tier­te Kin­der han­de­le. Da die Klä­ge­rin die Kin­der – bis auf einen sepa­rat zu beur­tei­len­den Zeit­raum – aber erst nach der Voll­endung des sechs­ten Lebens­mo­nats in ihren Haus­halt auf­ge­nom­men habe, sei­en die gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen nicht erfüllt.

Ledig­lich für nach dem Stich­tag gebo­re­ne Kin­der wür­den Erzie­hungs­leis­tun­gen bei der Berech­nung der beam­ten­recht­li­chen Ver­sor­gungs­leis­tun­gen – wie auch in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung – wei­ter­ge­hend berück­sich­tigt. Die­se Stich­tags­re­ge­lung kön­ne durch das Gericht nicht bean­stan­det wer­den. Dem Gesetz­ge­ber kom­me nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts die Befug­nis zu, Stich­tags­re­ge­lun­gen zu tref­fen, die zu unter­schied­lich hohen Ver­sor­gungs­leis­tun­gen oder ande­ren staat­li­chen Leis­tun­gen füh­ren könn­ten.

Eine Rechts­pflicht des Gesetz­ge­bers, Erzie­hungs­zei­ten für vor dem Stich­tag gebo­re­ne Kin­der umfas­sen­der als gegen­wär­tig zu berück­sich­ti­gen, sei aus der Ver­fas­sung nicht ableit­bar. Zwar hät­te der Gesetz­ge­ber durch­aus eine ande­re Rege­lung tref­fen kön­nen. Auf­grund des bestehen­den gesetz­ge­be­ri­schen Spiel­raums dür­fe das Ver­wal­t­uns­ge­richt aber nicht eige­ne Gestal­tungs­vor­stel­lun­gen oder die­je­ni­gen der Klä­ge­rin an des­sen Stel­le set­zen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt, Urteil vom 27. Juni 2011 – 1 K 1115/​10.NW