Straf­ge­richt­li­che Ver­ur­tei­lung – und Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men

Hat ein Beam­ter ein Dienst­ver­ge­hen began­gen und ist dafür straf­ge­richt­lich ver­ur­teilt wor­den, hat er nicht für den­sel­ben Sach­ver­halt mit einer Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me zu rech­nen. Eine zusätz­li­che Dis­zi­pli­nie­rung ist nur dann mög­lich, wenn sie zur Pflich­ten­mah­nung erfor­der­lich ist.

Straf­ge­richt­li­che Ver­ur­tei­lung – und Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier in dem hier vor­lie­gen­den Fall eine Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung des Lan­des Rhein­land-Pfalz gegen eine Poli­zei­kom­mis­sa­rin auf­ge­ho­ben. Die Beam­tin hat­te spä­ter ver­öf­fent­lich­te per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten Drit­ter im Poli­zei­da­ten­sys­tem POLIS ohne dienst­li­chen Anlass abge­fragt und wei­ter­ge­ge­ben und war des­halb straf­ge­richt­lich zu einer Geld­stra­fe ver­ur­teilt wor­den. Das Land ver­häng­te zudem die Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me einer Kür­zung der Dienst­be­zü­ge. Dage­gen hat sich die Poli­zei­kom­mis­sa­rin vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt gewehrt.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Trier habe die Klä­ge­rin zwar mit ihrem Ver­hal­ten ein Dienst­ver­ge­hen began­gen. Wegen der straf­ge­richt­li­chen Ver­ur­tei­lung blei­be das Dienst­ver­ge­hen jedoch ohne dis­zi­pli­nar­recht­li­che Kon­se­quenz: Die ein­schlä­gi­ge Vor­schrift im Lan­des­dis­zi­pli­nar­ge­setz ver­bie­te die Ver­hän­gung einer Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me, wenn der­sel­be Lebens­sach­ver­halt bereits Gegen­stand einer straf­ge­richt­li­chen Ver­ur­tei­lung gewe­sen sei. Die unbe­fug­te Daten­ab­fra­ge und die nach­fol­gen­de Wei­ter­ga­be an Drit­te stell­ten sich im zu ent­schei­den­den Fall als ein­heit­li­cher Lebens­sach­ver­halt in die­sem Sin­ne dar. Ent­ge­gen der vom Land ver­tre­te­nen Auf­fas­sung kön­ne man die­sen ein­heit­li­chen Sach­ver­halt auch nicht des­halb auf­spal­ten, weil die Klä­ge­rin die unbe­fug­te Daten­ab­fra­ge nur zum Teil selbst durch­ge­führt und zum ande­ren Teil Kol­le­gen hier­für ein­ge­setzt habe. Woll­te man in dem Ein­satz der Kol­le­gen als gut­gläu­bi­ge Werk­zeu­ge einen getrenn­ten Lebens­sach­ver­halt sehen, wür­de dies zu einer unna­tür­li­chen Auf­spal­tung eines zusam­men­ge­hö­ren­den Gesche­hens füh­ren.

Im Fal­le der Klä­ge­rin sei eine zusätz­li­che Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me auch nicht zur Pflich­ten­mah­nung erfor­der­lich. Viel­mehr habe sie erkenn­bar das lan­ge Straf­ver­fah­ren, die gegen sie ver­häng­te Geld­stra­fe, den Lauf des über­lan­gen Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens, ihre Sus­pen­die­rung und nicht zuletzt die Außen­wir­kung ihres Fehl­ver­hal­tens, der­art erzie­he­risch auf sich ein­wir­ken las­sen, dass mit wei­te­ren Ver­feh­lun­gen in Zukunft nicht zu rech­nen sei.

Ver­wal­tungs­gricht Trier, Urteil vom 22. Sep­tem­ber 2015 – 3 K 66/​15.TR