Tat­sa­chen­kennt­nis für eine dienst­li­che Beur­tei­lung

Das Urteil über Leis­tung, Befä­hi­gung und fach­li­che Eig­nung eines Beam­ten bzw. Rich­ters darf nicht auf eine nur par­ti­ell oder bruch­stück­haft vor­han­de­ne Tat­sa­chen­kennt­nis gestützt wer­den. Viel­mehr muss die Ermitt­lung des Sach­ver­halts, auf den ein höchst­per­sön­li­ches Wert­ur­teil gestützt wer­den soll, umfas­send ange­legt sein und darf zugäng­li­che und greif­ba­re Erkennt­nis­quel­len nicht von vorn­her­ein aus­spa­ren.

Tat­sa­chen­kennt­nis für eine dienst­li­che Beur­tei­lung

Eine Aus­wahl­ent­schei­dung ist allein auf der Grund­la­ge der Bewer­tung der Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­chen Leis­tung der Bewer­ber zu tref­fen (Art. 33 Abs. 2 GG, § 9 BeamtStG i. V. m. § 2 Abs. 1 NRiG [1]) und unter­liegt nur einer ein­ge­schränk­ten rich­ter­li­chen Kon­trol­le dahin­ge­hend, ob die Ver­wal­tung den anzu­wen­den­den Rechts­be­griff oder den gesetz­li­chen Rah­men, in dem sie sich frei bewe­gen kann, ver­kannt hat, ob sie von einem unrich­ti­gen Sach­ver­halt aus­ge­gan­gen ist, all­ge­mein­gül­ti­ge Wert­maß­stä­be nicht beach­tet, sach­frem­de Erwä­gun­gen ange­stellt oder gegen Ver­fah­rens­vor­schrif­ten oder mit höher­ran­gi­gem Recht ver­ein­ba­re Richt­li­ni­en ver­sto­ßen hat [2]. Erweist sich anhand die­ses Maß­sta­bes die Aus­wahl­ent­schei­dung nach der im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren gebo­te­nen sum­ma­ri­schen Prü­fung der Sach- und Rechts­la­ge als feh­ler­haft und lässt sich nicht aus­schlie­ßen, dass der Antrag­stel­ler bei einer erneu­ten Aus­wahl­ent­schei­dung des Antrags­geg­ners aus­ge­wählt wer­den wird [3], hat der Antrag auf Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes Erfolg.

Die Beach­tung des gesetz­li­chen Rah­mens gebie­tet es, bei Anwen­dung des Art. 33 Abs. 2 GG und des § 9 BeamtStG i. V. m. § 2 Abs. 1 NRiG die den Bewer­bern erteil­ten dienst­li­chen Beur­tei­lun­gen in ers­ter Linie zu berück­sich­ti­gen. Hier­bei kommt der letz­ten dienst­li­chen Beur­tei­lung regel­mä­ßig beson­de­re Bedeu­tung zu, weil für die zu tref­fen­de Ent­schei­dung hin­sicht­lich von Leis­tung, Befä­hi­gung und Eig­nung auf den aktu­el­len Stand abzu­stel­len ist ((vgl.: BVerwG, Urteil vom 27.02.2003 – 2 C 16.02, IÖD 203, 170; Nds. OVG, Beschlüs­se vom 07.04.1998 – 5 M 1950/​98, Nds. Rpfl. 1998, 238; und vom 23.03.2007 – 5 ME 279/​06, jeweils m.w.N.). Aus die­ser Recht­spre­chung und den ein­gangs zitier­ten Grund­sät­zen ergibt sich auch, dass eine Aus­wahl­ent­schei­dung im Hin­blick auf die ihr zugrun­de geleg­te dienst­li­che Beur­tei­lung nur dann als rechts­wid­rig ange­se­hen wer­den kann, wenn sich die zugrun­de lie­gen­de dienst­li­che Beur­tei­lung bereits in die­sem Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes als rechts­wid­rig erweist.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 15. Sep­tem­ber 2010 – 5 ME 181/​10

  1. i. d. F. des Art. 1 des Geset­zes zur Neu­fas­sung des Nie­der­säch­si­schen Rich­ter­ge­set­zes und zur Ände­rung des nie­der­säch­si­schen Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes vom 21.1.2010 – Nds. GVBl. S. 16[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 30.01.2003 – 2 A 1.02, Buch­holz 232 § 8 BBG Nr. 5; Nds. OVG, Beschluss vom 26.08.2003 – 5 ME 162/​03, NVwZ-RR 2004, 197; Beschluss vom 18.04.2007 – 5 ME 270/​06, jeweils m. w. N.[]
  3. sie­he dazu BVerfG, Beschluss vom 24.09.2002 – 2 BvR 857/​02, NVwZ 2003, 200, 201; Nds. OVG, Beschluss vom 24.02.2010 – 5 ME 16/​10[]