Teil­nah­me an der Per­so­nal­ver­samm­lung beim Job-Cen­ter

Für das Recht auf Teil­nah­me an der Per­so­nal­ver­samm­lung ist neben der Be­schäf­tig­ten­ei­gen­schaft nach § 4 BPers­VG die Dienst­stel­len­zu­ge­hö­rig­keit er­for­der­lich. Be­schäf­tig­te der Bun­des­agen­tur für Arbeit, denen Tä­tig­kei­ten beim Job-Cen­­ter zu­ge­wie­sen wer­den, ver­lie­ren ihr Recht auf Teil­nah­me an der Per­so­nal­ver­samm­lung ihrer bis­he­ri­gen Dienst­stel­le spä­tes­tens nach Ma­ßga­be der Fris­ten­re­ge­lung in § 13 Abs. 2 Satz 1, 3 und 4 BPers­VG.

Teil­nah­me an der Per­so­nal­ver­samm­lung beim Job-Cen­ter

Vor­aus­set­zung: Ein­glie­de­rung in die Dienst­stel­le

Nach § 48 Satz 1 BPersVG besteht die Per­so­nal­ver­samm­lung aus den Beschäf­tig­ten der Dienst­stel­le. Bereits dem Wort­laut der Vor­schrift lässt sich ein­deu­tig ent­neh­men, dass für das Teil­nah­me­recht neben der Beschäf­tig­ten­ei­gen­schaft nach § 4 BPersVG die Dienst­stel­len­zu­ge­hö­rig­keit erfor­der­lich ist. Dienst­stel­len­zu­ge­hö­rig ist der Beschäf­tig­te, der in die Dienst­stel­le ein­ge­glie­dert ist. Dies ist der Fall, wenn er dort nach Wei­sun­gen des Dienst­stel­len­lei­ters an der Erfül­lung öffent­li­cher Auf­ga­ben mit­wirkt [1].

Das Recht der Beschäf­tig­ten auf Teil­nah­me an der Per­so­nal­ver­samm­lung besteht ohne Rück­sicht auf ihre Wahl­be­rech­ti­gung zur Per­so­nal­ver­tre­tung [2]. Dem­ge­mäß sind jugend­li­che Beschäf­tig­te der Dienst­stel­le, die wegen ihrer Min­der­jäh­rig­keit noch nicht über das Wahl­recht zum Per­so­nal­rat ver­fü­gen (§ 13 Abs. 1 Satz 1, § 57 BPersVG), zur Teil­nah­me an der Per­so­nal­ver­samm­lung berech­tigt. Eine abwei­chen­de Auf­fas­sung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt im ange­foch­te­nen Beschluss nicht ver­tre­ten.

Frei­lich ergibt sich aus der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, dass die Fris­ten­re­ge­lun­gen in § 13 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 Satz 1, 3 und 4 BPersVG zum Ver­lust des Wahl­rechts in der alten Dienst­stel­le im Fal­le der Beur­lau­bung ohne Bezü­ge, der Abord­nung und der Zuwei­sung zugleich prä­zi­se bestim­men, wann die Aus­glie­de­rung aus der alten Dienst­stel­le statt­fin­det [3]. Dem­ge­mäß schei­det ein Beschäf­tig­ter aus der alten Dienst­stel­le aus, wenn sei­ne Zuwei­sung län­ger als drei Mona­te gedau­ert hat und nicht fest­steht, dass er bin­nen wei­te­rer sechs Mona­te in die alte Dienst­stel­le zurück­keh­ren wird (§ 13 Abs. 1 Satz 1, 3 und 4 BPersVG). Fol­ge­rich­tig ver­liert er in die­sem Zeit­punkt das Recht, an der Per­so­nal­ver­samm­lung sei­ner alten Dienst­stel­le teil­zu­neh­men.

Die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung kann sich zur Begrün­dung nicht auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zur Mit­be­stim­mung in Ange­le­gen­hei­ten frü­he­rer Dienst­stel­len­an­ge­hö­ri­ger beru­fen. Danach kann die Betei­li­gung des Per­so­nal­rats in Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten auch dann ein­grei­fen, wenn von per­so­nel­len Maß­nah­men „ehe­ma­li­ge“ Dienst­stel­len­an­ge­hö­ri­ge betrof­fen sind. Sol­ches ist anzu­neh­men, wenn die Bin­dun­gen zur Dienst­stel­le fort­be­stehen und der Schutz­zweck der Betei­li­gung das Tätig­wer­den des Per­so­nal­rats erfor­dert [4]. In der vor­lie­gen­den Fall­ge­stal­tung geht es jedoch nicht um das Betei­li­gungs­recht des Per­so­nal­rats, son­dern um das akti­ve Teil­ha­be­recht der Beschäf­tig­ten selbst in Gestalt des Rechts auf Teil­nah­me an der Per­so­nal­ver­samm­lung. Dafür aber ist nach § 48 Satz 1 BPersVG die Dienst­stel­len­zu­ge­hö­rig­keit erfor­der­lich.

Zuwei­sung zum Job-Cen­ter

Nach § 44d Abs. 4 SGB II übt der Geschäfts­füh­rer des Job-Cen­ters über die Beam­ten und Arbeit­neh­mer, denen dort Tätig­kei­ten zuge­wie­sen wor­den sind (§ 44g Abs. 1 und 2 SGB II), die dienst‑, per­so­nal- und arbeits­recht­li­chen Befug­nis­se der Bun­des­agen­tur und die Dienst­vor­ge­setz­ten- und Vor­ge­setz­ten­funk­ti­on aus; davon aus­ge­nom­men sind ledig­lich die Befug­nis­se zur Begrün­dung und Been­di­gung der Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se. Der Geschäfts­füh­rer ist Dienst­stel­len­lei­ter im Sin­ne von § 7 Satz 1 BPersVG (§ 44d Abs. 5 SGB II). Mit dem Wirk­sam­wer­den der Zuwei­sung wirkt der Beschäf­tig­te beim Job-Cen­ter nach Wei­sung ihres Geschäfts­füh­rers an der Erfül­lung öffent­li­cher Auf­ga­ben in Gestalt der Durch­füh­rung der Grund­si­che­rung der Arbeits­su­chen­den mit (§ 44b Abs. 1 Satz 1 SGB II). Damit sind die grund­le­gen­den Vor­aus­set­zun­gen für die Ein­glie­de­rung des Beschäf­tig­ten ins Job-Cen­ter und für die Aus­glie­de­rung aus der bis­he­ri­gen Dienst­stel­le der Bun­des­agen­tur gege­ben. Dem­ge­mäß erhal­ten die Beschäf­tig­ten mit die­sem Zeit­punkt das akti­ve und pas­si­ve Wahl­recht zum Per­so­nal­rat des Job-Cen­ters (§ 44h Abs. 2 SGB II).

Nach dem bis­he­ri­gen Stand der Recht­spre­chung ist aller­dings noch nicht hin­rei­chend geklärt, ob die Beschäf­tig­ten der Bun­des­agen­tur mit dem Wirk­sam­wer­den der Zuwei­sung zugleich aus ihrer bis­he­ri­gen Dienst­stel­le aus­schei­den – so das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt im ange­foch­te­nen Beschluss [5] – oder ob dies erst nach Maß­ga­be der Fris­ten­re­ge­lung in § 13 Abs. 2 BPersVG geschieht [6]. Die Fra­ge ist hier nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich. Auch wenn man § 13 Abs. 2 BPersVG anwen­det, so steht doch fest, dass die Zuwei­sung jeden­falls nach Maß­ga­be der dort vor­ge­se­he­nen Fris­ten­re­ge­lun­gen zum Aus­schei­den aus den Dienst­stel­len der Bun­des­agen­tur führt und damit zugleich das Teil­nah­me­recht für die Per­so­nal­ver­samm­lung erlischt. Damit war der strei­ti­ge Antrag nach den Grund­sät­zen zum Glo­bal­an­trag ins­ge­samt abzu­leh­nen [7].

Der Annah­me, dass Beschäf­tig­te der Bun­des­agen­tur mit der Zuwei­sung von Tätig­kei­ten beim Job-Cen­ter aus ihrer bis­he­ri­gen Dienst­stel­le mit Wir­kung auch für ihr Teil­nah­me­recht an der Per­so­nal­ver­samm­lung aus­ge­glie­dert wer­den, steht nicht ent­ge­gen, dass die Befug­nis­se zur Begrün­dung und Been­di­gung der Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se bei der Bun­des­agen­tur ver­blie­ben sind (§ 44d Abs. 4 SGB II) und dass die Beschäf­tig­ten damit zusam­men­hän­gen­de Fra­gen in Per­so­nal­ver­samm­lun­gen the­ma­ti­sie­ren kön­nen müs­sen. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat zutref­fend dar­auf hin­ge­wie­sen, dass § 51 Satz 2 BPersVG es erlaubt, die­se Fra­gen in der Per­so­nal­ver­samm­lung des Job-Cen­ters zu behan­deln. Der dor­ti­ge Per­so­nal­rat kann den Geschäfts­füh­rer zur Per­so­nal­ver­samm­lung ein­la­den mit der Fol­ge, dass die­ser den Beschäf­tig­ten zu per­so­nal­recht­li­chen Ent­schei­dun­gen in der Kom­pe­tenz der Bun­des­agen­tur als Gesprächs­part­ner zur Ver­fü­gung steht (§ 52 Abs. 2 BPersVG i.V.m. § 44 Abs. 6 SGB II). Schließ­lich hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt auf die Teil­nah­me­mög­lich­keit von Mit­glie­dern der Per­so­nal­rä­te bei der Bun­des­agen­tur hin­ge­wie­sen, die bei Ent­schei­dun­gen zur Begrün­dung und Been­di­gung von Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­sen zur Betei­li­gung beru­fen sind (§ 44h Abs. 5 SGB II). Eine sol­che Teil­nah­me­mög­lich­keit steht mit der vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zitier­ten Senats­recht­spre­chung zur Ein­la­dung von dienst­stel­len­frem­den Aus­kunfts­per­so­nen sowie mit dem Sinn und Zweck der Teil­nah­me von Mit­glie­dern der Stu­fen­ver­tre­tung und des Gesamt­per­so­nal­rats nach § 52 Abs. 1 Satz 3 BPersVG im Ein­klang. Die ana­lo­ge Anwen­dung der letzt­ge­nann­ten Bestim­mung, wel­che die Teil­nah­me kom­pe­ten­ter Gesprächs­part­ner aus dem Bereich zustän­di­ger Per­so­nal­ver­tre­tun­gen sicher­stel­len will, drängt sich auf [8].

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 20. Novem­ber 2012 – 6 PB 14.12

  1. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 14.12.2009 – 6 P 16.08, BVerw­GE 135, 384 = Buch­holz 250 § 13 BPersVG Nr. 4 Rn. 11; und vom 03.11.2011 – 6 P 14.10, Buch­holz 251.91 § 68 Sächs­PersVG Nr. 1 Rn. 13[]
  2. vgl. Loren­zen, in: Lorenzen/​Etzel/​Gerhold/​Schlatmann/​Rehak/​Faber, § 48 Rn. 5a; Kröll, in: Altvater/​Baden/​Kröll/​Lemcke/​Peiseler, Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz, 7. Aufl.2011, § 48 Rn. 3; Ilbertz/​Widmaier, Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz, 12. Aufl.2012, § 48 Rn. 2 und 13; Fischer/​Goeres/​Gronimus, in: GKÖD Band V, K § 48 Rn. 9; Weber, in: Richardi/​Dörner/​Weber, Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht, 3. Aufl.2008, § 48 Rn. 14[]
  3. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 15.05.2002 – 6 P 8.01, BVerw­GE 116, 242, 249 = Buch­holz 250 § 29 BPersVG Nr. 4 S. 6 sowie vom 03.11.2011 a.a.O. Rn. 14[]
  4. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 15.11.2006 – 6 P 1.06, BVerw­GE 127, 142 = Buch­holz 250 § 76 BPersVG Nr. 40 Rn. 24; und vom 10.01.2008 – 6 P 5.07, Buch­holz 252.4 § 88 Hmb­PersVG Nr. 3 Rn. 13[]
  5. eben­so zum Wahl­recht: Nds. OVG, Beschluss vom 18.03.2011 – 17 MP 1/​11[]
  6. vgl. OVG NRW, Beschlüs­se vom 20.06.2011 – 16 B 271/​11.PVB; vom 05.09.2012 – 20 A 1903/​11.PVB; und vom 27.09.2012 – 20 A 510/​12.PVB[]
  7. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 12.11.2009 – 6 PB 17.09, Buch­holz 251.92 § 42 SAPersVG Nr. 1 Rn. 21; und vom 16.04.2012 – 6 P 1.11, m.w.N.[]
  8. vgl. BVerwG, Beschluss vom 30.07.2010 – 6 P 11.09, Buch­holz 250 § 52 BPersVG Nr. 1 Rn. 16 f.[]