Teil­nah­me von Or­ches­ter­mu­si­kern an Per­so­nal­ver­samm­lun­gen

§ 49 Abs. 1 Pers­VG RP for­dert nicht, die Teil­nah­me von Or­ches­ter­mu­si­kern an Per­so­nal­ver­samm­lun­gen als Dienst im Sin­ne von § 12 Abs. 1 Ta­rif­ver­trag für die Mu­si­ker in Kul­tur­or­ches­tern vom 31. Ok­to­ber 2009 (TVK) an­zu­rech­nen.

Teil­nah­me von Or­ches­ter­mu­si­kern an Per­so­nal­ver­samm­lun­gen

Gemäß § 49 Abs. 1 Satz 1 Pers­VG RP fin­den Per­so­nal­ver­samm­lun­gen wäh­rend der Arbeits­zeit statt, soweit nicht zwin­gen­de dienst­li­che Ver­hält­nis­se eine ande­re Rege­lung erfor­dern. Zur Anre­chen­bar­keit der Ver­samm­lungs­teil­nah­me als Dienst im Sin­ne von § 12 Abs. 1 TVK ist der Vor­schrift unmit­tel­bar nichts zu ent­neh­men. Die­se Fra­ge stellt sich vor dem Hin­ter­grund der Beson­der­hei­ten, die für die Arbeits­ver­hält­nis­se von Orches­ter­mu­si­kern auf­grund des TVK gel­ten. Danach rich­tet sich die indi­vi­du­el­le Arbeits­ver­pflich­tung der Musi­ker, soweit im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang von Inter­es­se, zum einen auf die in § 12 Abs. 1 TVK als Dienst bezeich­ne­te Mit­wir­kung bei Auf­füh­run­gen und Pro­ben sowie zum ande­ren auf die hier hier­für not­wen­di­ge, im TVK nicht eigens gere­gel­te häus­li­che Vor­be­rei­tung. Wäh­rend die Diens­te durch den Arbeit­ge­ber fest­ge­legt wer­den, der hier­bei die in § 12 Abs. 2 und 3 TVK bestimm­ten Ober­gren­zen zu beach­ten hat, legt der Musi­ker die Zeit für die häus­li­che Vor­be­rei­tung selbst fest 1.

Die begehr­te Klä­rung läuft vor die­sem Hin­ter­grund auf die Fra­ge hin­aus, ob unter das Merk­mal der „Arbeits­zeit“ im Sin­ne von § 49 Abs. 1 Satz 1 Pers­VG nur eine der bei­den Kate­go­ri­en – näm­lich der Dienst im Sin­ne von § 12 Abs. 1 TVK – zu fas­sen ist, was beja­hen­den­falls zu der Kon­se­quenz füh­ren wür­de, dass die Ver­samm­lungs­teil­nah­me nicht auf Kos­ten der häus­li­chen Vor­be­rei­tungs­zeit gin­ge, son­dern wegen der Ober­gren­zen in § 12 Abs. 2 und 3 TVK die zuläs­si­ge Höchst­zahl der Auf­füh­run­gen und Pro­ben min­dern wür­de; eben hier­in läge die vom Antrag­stel­ler ins Auge gefass­te Anrech­nung.

Eine ver­gleich­ba­re Fall­ge­stal­tung lag dem Beschluss des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 25. Juni 1984 2 zugrun­de. Zu ent­schei­den war dort, ob gemäß der par­al­le­len Vor­schrift des § 47 NWPers­VG Per­so­nal­ver­samm­lun­gen von Leh­rern wäh­rend der für den Vor­mit­tags­un­ter­richt ver­an­schlag­ten Zeit statt wäh­rend der unter­richts­frei­en Arbeits­zeit abge­hal­ten wer­den dür­fen. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat zur Klä­rung die­ser Fra­ge den in § 2 Abs. 1 NWPers­VG nie­der­ge­leg­ten Grund­satz der ver­trau­ens­vol­len Zusam­men­ar­beit zwi­schen Dienst­stel­le und Per­so­nal­ver­tre­tung her­an­ge­zo­gen, der auch im Pers­VG RP und dort gleich­falls in § 2 Abs. 1 nor­miert ist. Die­sem Grund­satz hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­nom­men, einer­seits sei die Erfül­lung der der Dienst­stel­le oblie­gen­den Auf­ga­ben der­art sicher­zu­stel­len, dass die­se ihrem öffent­li­chen Auf­trag so gut wie mög­lich gerecht wer­den kön­ne, und ande­rer­seits – gleich­ran­gig hier­mit – sei das Wohl der Beschäf­tig­ten zu wah­ren und soweit wie mög­lich zu för­dern 3. Auch im vor­lie­gen­den Fall ist die Ent­schei­dung an die­sen Maß­stä­ben aus­zu­rich­ten und kon­se­quen­ter­wei­se § 49 Abs. 1 Satz 1 Pers­VG RP anhand einer Abwä­gung der kol­li­die­ren­den Belan­ge von Dienst­stel­le und Beschäf­tig­ten mit dem Ziel ihres mög­lichst scho­nen­den Aus­gleichs aus­zu­le­gen.

Dies führt zu dem vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt gebil­lig­ten Ergeb­nis, dass die Beein­träch­ti­gung des Spiel­be­triebs des Orches­ters durch einen mög­li­chen Pro­ben­aus­fall regel­mä­ßig schwe­rer wie­ge als die zusätz­li­che Belas­tung, die dem Musi­ker dadurch ent­ste­he, dass sich – bei Nicht­an­rech­nung der Teil­nah­me an Per­so­nal­ver­samm­lun­gen als Dienst – der zeit­li­che Rah­men sei­ner häus­li­chen Vor­be­rei­tungs­zeit ver­en­ge; daher wer­de den bei­der­sei­ti­gen Belan­gen in der Regel dann hin­rei­chend Rech­nung getra­gen, wenn die Per­so­nal­ver­samm­lun­gen regel­mä­ßig in der pro­ben­frei­en Arbeits­zeit abge­hal­ten wür­den. Die­se Abwä­gung ent­spricht in der Struk­tur ihrer Durch­füh­rung wie in ihrem Ergeb­nis der­je­ni­gen, die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­nem oben genann­ten Beschluss vom 25. Juni 1984 vor­ge­nom­men hat. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt war dort zu dem Schluss gelangt, dass die Beein­träch­ti­gung des Schul­be­triebs durch ein Abhal­ten von Per­so­nal­ver­samm­lun­gen auf Kos­ten der vor­mit­täg­li­chen Unter­richts­zeit grund­sätz­lich schwe­rer wie­ge als die Beein­träch­ti­gung von Leh­rern durch Beschnei­dung ihrer unter­richts­frei­en Nach­mit­tags­zeit 4.

Die­ses Ergeb­nis ist an die Bedin­gung geknüpft, dass der Dienst­herr Stö­run­gen des Orches­ter­be­triebs hin­zu­neh­men habe, die dadurch ent­ste­hen könn­ten, dass sich infol­ge der ver­samm­lungs­be­ding­ten Ein­engung der häus­li­chen Vor­be­rei­tungs­zeit mög­li­cher­wei­se die Vor­be­rei­tung der Musi­ker auf den kom­men­den Dienst ver­schlech­te­re. Dies ent­spricht der § 49 Abs. 1 Satz 1 Pers­VG RP zugrun­de lie­gen­den gesetz­li­chen Wer­tung, der­zu­fol­ge Ein­schrän­kun­gen der Auf­ga­ben­er­fül­lung, wie sie zwangs­läu­fig durch das Abhal­ten von Per­so­nal­ver­samm­lun­gen wäh­rend der Arbeits­zeit ein­tre­ten, von der Dienst­stel­le grund­sätz­lich akzep­tiert wer­den müs­sen 5. Die Dienst­stel­le darf vom Orches­ter­mit­glied nicht ver­lan­gen, ver­samm­lungs­be­ding­te Vor­be­rei­tungs­ver­säum­nis­se dadurch wie­der aus­zu­glei­chen, dass die häus­li­che Vor­be­rei­tungs­zeit über das ansons­ten übli­che Maß hin­aus ver­län­gert wird. Es wider­sprä­che der inso­weit ein­deu­ti­gen Inten­ti­on des Gesetz­ge­bers, wenn Ver­samm­lungs­teil­nah­men mit Frei­zeit­ein­bu­ßen erkauft wer­den müss­ten. Die­se Inten­ti­on kommt auch in der Rege­lung des § 49 Abs. 1 Satz 3 Pers­VG RP zum Aus­druck, der für die Teil­nah­me an Dienst­ver­samm­lun­gen außer­halb der Arbeits­zeit die Gewäh­rung ent­spre­chen­der Dienst­be­frei­ung vor­schreibt 6.

Sinn und Zweck von § 49 Abs. 1 Pers­VG RP gebie­ten kei­ne abwei­chen­de Betrach­tung.

Indem die Norm eine für die Beschäf­tig­ten nach­teils­freie Teil­nah­me an Per­so­nal­ver­samm­lun­gen vor­sieht, ver­folgt sie augen­schein­lich das Ziel, einen ent­spre­chen­den Teil­nah­me­an­reiz zu set­zen. Dem liegt die Wer­tung zugrun­de, dass es wün­schens­wert sei, wenn die Beschäf­tig­ten den Tätig­keits­be­richt des Per­so­nal­rats (§ 48 Abs. 1 Satz 2 Pers­VG RP) und die Bericht­erstat­tung der Dienst­stel­len­lei­tung (§ 48 Abs. 2 Satz 1 Pers­VG RP) zur Kennt­nis neh­men und sich hier­durch wie auf ande­re Wei­se, bei­spiels­wei­se durch die Teil­nah­me an Aus­spra­chen wäh­rend der Ver­samm­lung, mit ihren kol­lek­ti­ven Ange­le­gen­hei­ten befas­sen. Dem­entspre­chend sind Ver­samm­lungs­ter­mi­ne zu ver­mei­den, die von Sei­ten der Beschäf­tig­ten als unzu­mut­ba­re Beläs­ti­gung emp­fun­den und sie daher von der Teil­nah­me abhal­ten wür­den 7. Hier­bei ist auf die im Ein­zel­fall bestehen­de Mög­lich­keit zu ver­wie­sen, Per­so­nal­ver­samm­lun­gen unmit­tel­bar im Anschluss an Pro­ben abzu­hal­ten, hier­für gege­be­nen­falls auch Pro­ben zu ver­kür­zen sowie bei der Pla­nung von Fol­ge­diens­ten den Zeit­punkt einer vor­he­ri­gen Per­so­nal­ver­samm­lung mit zu berück­sich­ti­gen. Ver­gleich­ba­re Über­le­gun­gen hat­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt auch in sei­nem Beschluss vom 25. Juni 1984 ange­stellt 8.

Der Gesichts­punkt der Anreiz­bil­dung darf aber nicht in der Wei­se ver­ab­so­lu­tiert wer­den, dass – was im vor­lie­gen­den Fall zur Anrech­nung der Per­so­nal­ver­samm­lung als Dienst im Sin­ne von § 12 Abs. 1 TVK füh­ren wür­de – die größt­mög­li­chen Anstren­gun­gen unter­nom­men wer­den müss­ten, um die Beschäf­tig­ten zur Ver­samm­lungs­teil­nah­me zu bewe­gen. Dies wider­sprä­che dem oben auf­ge­zeig­ten Aus­gangs­punkt der Normaus­le­gung, wonach eine Abwä­gung der Belan­ge von Beschäf­tig­ten und Dienst­stel­le mit dem Ziel ihres mög­lichst scho­nen­den Aus­gleichs vor­zu­neh­men ist. So wie die Dienst­stel­le bestimm­te ver­samm­lungs­be­ding­te Stö­run­gen der Auf­ga­ben­er­fül­lung hin­zu­neh­men hat, so darf an die Beschäf­tig­ten die Erwar­tung gerich­tet wer­den, ihre Ver­samm­lungs­teil­nah­me nicht aus­schließ­lich davon abhän­gig zu machen, ob eine nicht nur ange­mes­se­ne, son­dern in jeder Hin­sicht opti­ma­le Berück­sich­ti­gung ihrer pri­va­ten Belan­ge gewähr­leis­tet ist.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 13. März 2012 – 6 PB 23.11

  1. vgl. BVerwG, Beschluss vom 12.08.2002 – 6 P 17.01, Buch­holz 251.7 NWPers­VG Nr. 29 S. 34; BAG, Urteil vom 31.07.1986 – 6 AZR 146/​85[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 25.06.1984 – 6 P 2.83, BVerw­GE 69, 313 ff. = Buch­holz 238.37 § 47 NWPers­VG Nr. 1[]
  3. BVerwG, Beschluss vom 25.06.1984, BVerw­GE 69, 313, 315 = Buch­holz 238.37 § 47 NWPers­VG Nr. 1 S. 2[]
  4. BVerwG, a.a.O. S. 316 f. bzw. S. 3 f.[]
  5. vgl. BVerwG, Beschluss vom 25.06.1984, BVerw­GE 69, 313, 317 = Buch­holz 238.37 § 47 NWPers­VG Nr. 1 S. 4[]
  6. vgl. Fischer/​Goeres/​Gronimus in: GKÖD, Bd. V, Stand 2011, K § 50 Rn. 1, dort bezo­gen auf die par­al­le­le Vor­schrift in § 50 Abs. 1 BPers­VG[]
  7. vgl. BVerwG, Beschluss vom 25.06.1984, a.a.O. S. 317 f. bzw. S. 4 f.[]
  8. BVerw­GE 69, 313, 318 = Buch­holz 238.37 § 47 NWPers­VG Nr. 1 S. 5[]