Trup­pen­ärzt­li­che Ver­sor­gung

für die Ansprü­che der Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten auf Heil­für­sor­ge in Form der unent­gelt­li­chen trup­pen­ärzt­li­chen Ver­sor­gung besteht nach einem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts kei­ne aus­rei­chen­de gesetz­li­che Grund­la­ge. Die bis­he­ri­ge Pra­xis, den Leis­tungs­um­fang der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung durch Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten zu bestim­men, ist ver­fas­sungs­wid­rig.

Trup­pen­ärzt­li­che Ver­sor­gung

Im hier ent­schie­de­nen Streit­fall begehrt die Klä­ge­rin, eine Sol­da­tin auf Zeit, die Kos­ten­über­nah­me für ärzt­li­che Maß­nah­men der künst­li­chen Befruch­tung (hier der homo­lo­gen In-vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on). Dabei wer­den der Frau Eizel­len aus dem Eier­stock ent­nom­men und außer­halb des Mut­ter­leibs mit dem Samen des Ehe­manns befruch­tet. Der Dienst­herr lehn­te die Erstat­tung der Kos­ten mit der Begrün­dung ab, die künst­li­che Befruch­tung sei durch die All­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten von den Leis­tun­gen der trup­pen­ärzt­li­chen Ver­sor­gung aus­ge­nom­men. Zudem die­ne sie nicht der Erhal­tung oder Wie­der­her­stel­lung der Dienst- und Ein­satz­fä­hig­keit.

Mit ihrer nach erfolg­lo­sem Vor­ver­fah­ren erho­be­nen Kla­ge hat­te die Klä­ge­rin in den Vor­in­stan­zen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Sig­ma­rin­gen und dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim Erfolg [1]. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die­se Urtei­le bestä­tigt:

Der ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­satz vom Vor­be­halt des Geset­zes erfor­dert, dass der par­la­men­ta­ri­sche Gesetz­ge­ber auch im Bereich der trup­pen­ärzt­li­chen Ver­sor­gung die tra­gen­den Struk­tur­prin­zi­pi­en und den Umfang der Heil­für­sor­ge sowie etwai­ge Ein­schrän­kun­gen selbst regelt. Es genügt nicht, dass die Ver­wal­tung im Wesent­li­chen selbst den Umfang der Leis­tun­gen, die zur Gesund­heits­ver­sor­gung erbracht wer­den, durch rein inter­ne Vor­schrif­ten bestimmt. Dies hat­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bereits in sei­ner grund­sätz­li­chen Ent­schei­dung vom 17. Juni 2004 [2] zum Bei­hil­fe­recht der Beam­ten fest­ge­stellt. Für die Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten hat die Aus­ge­stal­tung der Heil­für­sor­ge eine eben­so her­aus­ra­gen­de Bedeu­tung wie die Bei­hil­fe­vor­schrif­ten für die Beam­ten. Bei­de Rege­lungs­wer­ke wei­sen zwar Unter­schie­de auf, prä­gen aber jeweils Art und Umfang der vom Dienst­herrn gewähr­ten medi­zi­ni­schen Für­sor­ge. Die Erhal­tung der phy­si­schen und psy­chi­schen Inte­gri­tät der Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten ist ein Schutz­gut von hohem Rang.

Trotz des ver­fas­sungs­recht­li­chen Man­gels gel­ten die Bestim­mun­gen über die trup­pen­ärzt­li­che Ver­sor­gung bis zu der not­wen­di­gen Nor­mie­rung durch den Gesetz­ge­ber grund­sätz­lich über­gangs­wei­se wei­ter. Damit ist gewähr­leis­tet, dass die Leis­tun­gen nach einem ein­heit­li­chen Hand­lungs­pro­gramm erbracht wer­den. In der Über­gangs­zeit, die wegen der objek­ti­ven Erkenn­bar­keit der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit ab Mit­te 2004 begann, darf die Ver­wal­tung das bis­he­ri­ge Sys­tem der trup­pen­ärzt­li­chen Ver­sor­gung kon­kre­ti­sie­ren und vor­han­de­ne Spiel­räu­me nut­zen, aber – anders als der Gesetz­ge­ber – grund­sätz­lich kei­ne neu­en Leis­tungs­aus­schlüs­se schaf­fen. Des­halb sind die neu­en Ein­schrän­kun­gen in den All­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten, die Maß­nah­men der künst­li­chen Befruch­tung aus­schlie­ßen, nicht über­gangs­wei­se anzu­wen­den.

Die Kos­ten für eine homo­lo­ge In-vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on sind, wie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bereits in einer Ent­schei­dung aus dem Jah­re 2003 [3] fest­ge­stellt hat, als Heil­be­hand­lung regel­mä­ßig erstat­tungs­fä­hig.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 10. Okto­ber 2013 – 5 C 29.12

  1. VG Sig­ma­rin­gen, Urteil vom 31.01.2012 – 3 K 3895/​10; VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 02.08.2012 – 2 S 786/​12[]
  2. BVerwG, Urteil vom 17.06.2004 – 2 C 50.02[]
  3. BVerwG, Urteil vom 27.11.2003 – 2 C 38.02[]