Über­tra­gung des höher­wer­ti­gen Amtes – und die zur Ver­fü­gung ste­hen­den Haus­halts­mit­tel

Die haus­halts­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Über­tra­gung des höher­wer­ti­gen Amtes im Sin­ne von § 46 Abs. 1 BBesG a.F. sind erfüllt, wenn der Beför­de­rung des Beam­ten kein haus­halts­recht­li­ches Hin­der­nis ent­ge­gen­steht. Maß­geb­lich hier­für sind die Vor­ga­ben des jewei­li­gen Haus­halts­ti­tels des Haus­halts­plans, nicht dage­gen die ledig­lich dar­auf auf­bau­en­den Ent­schei­dun­gen der Exe­ku­ti­ve, die die Plan­stel­len den ein­zel­nen vom Haus­halts­ti­tel erfass­ten Behör­den zuwei­sen [1].

Über­tra­gung des höher­wer­ti­gen Amtes – und die zur Ver­fü­gung ste­hen­den Haus­halts­mit­tel

Danach ist der Dienst­herr nur ermäch­tigt, nicht aber ver­pflich­tet, die vom Haus­halts­ge­setz­ge­ber zur Ver­fü­gung gestell­ten Plan­stel­len in Anspruch zu neh­men. Soweit der Dienst­herr Plan­stel­len nicht besetzt, ste­hen die ent­spre­chen­den Haus­halts­mit­tel für die Zah­lung einer Zula­ge nach § 46 BBesG a.F. an Beam­te zur Ver­fü­gung, die seit län­ge­rer Zeit höher­wer­ti­ge Funk­ti­ons­äm­ter aus­üben [2].

Über­steigt die Anzahl der Anspruchs­be­rech­tig­ten die Anzahl der besetz­ba­ren Plan­stel­len der ent­spre­chen­den Wer­tig­keit kann der sich aus § 46 Abs. 2 BBesG erge­ben­de Dif­fe­renz­be­trag zwi­schen dem Grund­ge­halt der Besol­dungs­stu­fe des Beam­ten und dem Grund­ge­halt der Besol­dungs­stu­fe, die der Wer­tig­keit des wahr­ge­nom­me­nen Funk­ti­ons­am­tes ent­spricht, nur antei­lig gezahlt wer­den.

Die Anreiz- und Hono­rie­rungs­funk­ti­on der Zula­ge nach § 46 BBesG a.F. kann nur mit einer antei­li­gen Zula­ge für alle Anspruchs­be­rech­tig­ten, nicht hin­ge­gen mit einer vol­len Zula­ge für einen Teil der Anspruchs­be­rech­tig­ten erreicht wer­den. Maß­geb­lich für die­se Berech­nung sind stets die Ver­hält­nis­se in dem Monat, für den die Zula­ge berech­net wird [3].

Im hier ent­schie­de­nen Fall konn­te für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt offen blei­ben, ob die zunächst auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge zur defi­zi­tä­ren Haus­halts­be­mes­sung über­haupt ent­schei­dungs­er­heb­lich ist. Das könn­te sie nur sein, wenn nach den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts eine „plan­mä­ßi­ge und vor­sätz­lich zu gerin­ge Haus­halts­be­mes­sung“ vor­lä­ge. Hier­an fehlt es. Zudem wäre eine sol­che Fest­stel­lung im Hin­blick auf den auch im BVerwG, Urteil vom 25.09.2014 – 2 C 16.13[4] beton­ten Gestal­tungs­spiel­raum des Haus­halts­ge­setz­ge­bers pro­ble­ma­tisch. Jeden­falls wäre es dem Dienst­herrn auch dann nicht ver­wehrt, sich dar­auf zu beru­fen, dass für eine Erfül­lung der Ansprü­che kei­ne hin­rei­chen­den Haus­halts­mit­tel zur Ver­fü­gung ste­hen. Dies ergibt sich zum einen dar­aus, dass im BVerwG, Urteil vom 25.09.2014 – 2 C 16.13[5] abschlie­ßend geklärt ist, dass in Fäl­len der Topf­wirt­schaft nur eine antei­li­ge Erfül­lung der Ansprü­che gemäß § 46 BBesG a.F. im Rah­men der vor­han­de­nen Haus­halts­mit­tel in Betracht kommt. Zum ande­ren hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­nem Urteil vom 13.12 2018 – 2 C 52.17[6] ent­schie­den, dass das gesetz­li­che Erfor­der­nis der lauf­bahn­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Zula­ge nach § 46 Abs. 1 Satz 1 BBesG a.F. auch dann nicht ent­behr­lich ist, wenn der Dienst­herr sys­te­ma­tisch (d.h. in einer Viel­zahl von Fäl­len) Beam­ten Auf­ga­ben höher­wer­ti­ger Ämter über­trägt, für die sie nicht beför­de­rungs­reif sind, um bereit­ge­stell­te Haus­halts­mit­tel ein­zu­spa­ren. Dies ist auch dann der Fall, wenn der Dienst­herr dem Beam­ten die Auf­ga­ben höher­wer­ti­ger Ämter über einen lan­gen Zeit­raum über­tra­gen hat. So wie ein Ver­hal­ten des Dienst­herrn gesetz­li­che Tat­be­stands­set­zun­gen nicht ent­behr­lich machen kann, kann es auch die Beach­tung haus­halts­recht­li­cher Vor­ga­ben nicht ent­behr­lich machen.

Auch die ange­spro­che­ne Ver­jäh­rung der gel­tend gemach­ten Besol­dungs­an­sprü­che ist nicht aus­ge­schlos­sen. Soweit – wie hier – kei­ne beson­de­ren Ver­jäh­rungs­re­ge­lun­gen vor­han­den sind, unter­lie­gen beam­ten­recht­li­che Besol­dungs­an­sprü­che grund­sätz­lich der Ver­jäh­rung nach den Rege­lun­gen des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs. In Erman­ge­lung einer spe­zi­el­len Rege­lung ist hier die all­ge­mei­ne drei­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist des § 195 BGB ein­schlä­gig. Gemäß § 199 Abs. 1 BGB beginnt die regel­mä­ßi­ge Ver­jäh­rungs­frist mit dem Schluss des Jah­res, in dem der Anspruch ent­stan­den ist und der Gläu­bi­ger von den den Anspruch begrün­den­den Umstän­den und der Per­son des Schuld­ners Kennt­nis erlangt oder ohne gro­be Fahr­läs­sig­keit erlan­gen müss­te. Nicht zu ver­lan­gen ist, dass der Gläu­bi­ger aus die­ser Kennt­nis bereits die rich­ti­gen Rechts­fol­ge­run­gen gezo­gen hat [7].

Schließ­lich ist für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt auch nicht klä­rungs­be­dürf­tig, dass bei der Ver­tei­lung der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Haus­halts­mit­tel ver­jähr­te Ansprü­che ande­rer Antrag­stel­ler unbe­rück­sich­tigt blei­ben. Im Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 25.09.2014 [8] ist das Ver­fah­ren zur antei­li­gen Erfül­lung der Ansprü­che abschlie­ßend beschrie­ben, ohne dass dabei zwi­schen ver­jähr­ten und nicht ver­jähr­ten Ansprü­chen unter­schie­den wor­den ist. Eine sol­che Unter­schei­dung wäre viel­fach auch schwer zu tref­fen, weil Ein­tritt und Umfang der Ver­jäh­rung im Ein­zel­nen frag­lich sein kön­nen. Damit wür­de der in Fäl­len der Topf­wirt­schaft mit der antei­li­gen Erfül­lung der Ansprü­che aus § 46 BBesG a.F. ohne­hin vor­han­de­ne hohe Ver­wal­tungs­auf­wand [9] wei­ter erhöht. Daher beschränkt sich die Zahl der Anspruchs­be­rech­tig­ten nicht auf die­je­ni­gen Beam­ten, die Schrit­te unter­nom­men haben, die zur Hem­mung der Ver­jäh­rung geführt haben.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 21. Novem­ber 2019 – 2 B 23.19

  1. BVerwG, Urteil vom 25.09.2014 – 2 C 16.13, BVerw­GE 150, 216 Rn. 13[]
  2. BVerwG, Urteil vom 25.09.2014 – 2 C 16.13, BVerw­GE 150, 216 Rn. 15[]
  3. BVerwG, Urteil vom 25.09.2014 – 2 C 16.13, BVerw­GE 150, 216 Rn. 21 f.[]
  4. BVerw­GE 150, 216 Rn. 13 bis 15[]
  5. BVerw­GE 150, 216 Rn. 18 bis 21[]
  6. NVwZ-RR 2019, 655 Rn. 24[]
  7. BVerwG, Urteil vom 26.07.2012 – 2 C 70.11, NVwZ 2012, 1472 Rn. 37 und Ansprü­che nach § 46 BBesG a.F. betref­fend aus­drück­lich BVerwG, Urteil vom 17.11.2017 – 2 A 3.17, Buch­holz 240 § 45 BBesG Nr. 4 Rn. 22[]
  8. BVerwG, Urteil vom 25.09.2014 – 2 C 16.13 – ((BVerw­GE 150, 216 Rn. 21 f.[]
  9. BVerwG, Urteil vom 15.09.2014 – 2 C 16.13, BVerw­GE 150, 216 Rn. 23[]