Ver­fah­rens­feh­ler im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren

Wird der Per­so­nal­rat an einem behörd­li­chen Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren gegen einen Beam­ten ohne die nach Lan­des­recht aus­nahms­wei­se erfor­der­li­che Zustim­mung des Beam­ten betei­ligt, so hin­dert dies die Ver­hän­gung einer Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me nicht in jedem Fall, wie jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schied.

Ver­fah­rens­feh­ler im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren

Gegen den beklag­ten Beam­ten hat­te der Dienst­herr ein Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren u.a. wegen des Besit­zes von kin­der­por­no­gra­fi­schem Mate­ri­al ein­ge­lei­tet. Nach schles­wig-hol­stei­ni­schem Lan­des­recht ist vor der Erhe­bung der Dis­zi­pli­nark­la­ge der Per­so­nal­rat zu betei­li­gen; nur wenn über die beab­sich­tig­te Maß­nah­me hin­aus schutz­wür­di­ge Inter­es­sen des Beam­ten berührt sind, darf das Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren erst nach vor­he­ri­ger Zustim­mung des Beam­ten statt­fin­den. Die­se Zustim­mung hat­te der Beam­te nicht erteilt; den­noch war der Per­so­nal­rat betei­ligt wor­den und hat­te der Erhe­bung der Dis­zi­pli­nark­la­ge zuge­stimmt.

Das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ver­wal­tungs­ge­richt hat­te wegen die­ses Ver­fah­rens­feh­lers – Ver­stoß gegen § 51 Abs. 5 des schles­wig-hol­stei­ni­schen Geset­zes über die Mit­be­stim­mung der Per­so­nal­rä­te – die Dis­zi­pli­nark­la­ge abge­wie­sen 1. Das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Sache an das Ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen 2. Es sei zwei­fel­haft, so das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Schles­wig, ob über­haupt ein Ver­fah­rens­feh­ler anzu­neh­men sei; auch kön­ne sich der Beam­te auf den Ver­fah­rens­feh­ler nicht beru­fen, weil er sich im Ver­fah­ren nicht ein­deu­tig geäu­ßert habe.

Dem ist das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nun nur teil­wei­se gefolgt. Die Betei­li­gung des Per­so­nal­rats trotz feh­len­der Zustim­mung des Beam­ten stellt einen Feh­ler des Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens dar. Der Feh­ler ist jedoch nach den tat­säch­li­chen und recht­li­chen Umstän­den des vor­lie­gen­den Ein­zel­fal­les als unwe­sent­lich ein­zu­stu­fen. Es ist aus­zu­schlie­ßen, dass sich die rechts­wid­ri­ge Per­so­nal­rats­zu­stim­mung auf die Ent­schei­dung über die Erhe­bung der Dis­zi­pli­nark­la­ge aus­ge­wirkt hat. Die Ver­hän­gung einer Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me kommt des­halb in Betracht. Hier­über muss nun das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ver­wal­tungs­ge­richt ent­schei­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 24. Juni 2010 – 2 C 15.09

  1. VG Schles­wig, Urteil vom 21.05.2007 – 17 A 7/​06[]
  2. OVG Schles­wig, Urteil vom 16.05.2008 – 14 LB 4/​07[]