Ver­fas­sungs­wid­ri­ge Rich­ter­be­sol­dung in Bran­den­burg?

Die Rich­ter­be­sol­dung – kon­kret der Besol­dungs­ord­nung R2 mit Amts­zu­la­ge – der Jah­re 2004 bis 2013 in Bran­den­burg war nach Ansicht des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg ver­fas­sungs­wid­rig.

Ver­fas­sungs­wid­ri­ge Rich­ter­be­sol­dung in Bran­den­burg?

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat daher im Rah­men einer kon­kre­ten Nor­men­kon­trol­le dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Fra­ge zur Ent­schei­dung vor­ge­legt, ob das für das Land Bran­den­burg maß­geb­li­che Besol­dungs­recht mit Art. 33 Abs. 5 GG unver­ein­bar ist, soweit es die Besol­dungs­grup­pe R 2 mit Amts­zu­la­ge in den Kalen­der­jah­ren 2004 bis 2013 betrifft. In dem zugrun­de­lie­gen­den Beru­fungs­ver­fah­ren bean­stan­det der Klä­ger, ein frü­he­rer Direk­tor eines Amts­ge­richts, die Höhe der ihm in die­sem Zeit­raum gezahl­ten Rich­ter­be­sol­dung.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg sind die im strei­ti­gen Zeit­raum gel­ten­den gesetz­li­chen Rege­lun­gen über die Rich­ter­be­sol­dung im Land Bran­den­burg für die Besol­dungs­grup­pe R2 mit Amts­zu­la­ge ver­fas­sungs­wid­rig, weil die Besol­dung mit dem sich aus Art. 33 Abs. 5 GG erge­ben­den Grund­satz der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on nicht ver­ein­bar ist. Bei sei­ner Über­prü­fung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt auf die Kri­te­ri­en abge­stellt, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in zwei im letz­ten Jahr ergan­ge­nen Ent­schei­dun­gen zur Rich­ter- und Beam­ten­be­sol­dung in ande­ren Bun­des­län­dern kon­kre­ti­siert hat­te. Danach ist die im Jahr 2004 ein­ge­tre­te­ne Besol­dungs­kür­zung durch die deut­li­che Redu­zie­rung der Son­der­zah­lung, des sog. Weih­nachts­gel­des, ver­fas­sungs­wid­rig. Die vom Lan­des­ge­setz­ge­ber ange­führ­ten finan­zi­el­len Erwä­gun­gen kön­nen für sich genom­men den Ein­schnitt nicht recht­fer­ti­gen. Für die Jah­re 2005 bis 2013 wird die Annah­me einer ver­fas­sungs­wid­rig zu nied­ri­gen Besol­dung durch deut­li­che Dif­fe­ren­zen zwi­schen der Besol­dungs­ent­wick­lung einer­seits und der Ent­wick­lung der Tarif­löh­ne, des Nomi­nal­lohn­in­dex und des Ver­brau­cher­preis­in­dex ande­rer­seits indi­ziert und im Rah­men einer Gesamt­ab­wä­gung durch wei­te­re Kri­te­ri­en erhär­tet. Da das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nicht selbst über die Gül­tig­keit der maß­geb­li­chen Besol­dungs­ge­set­ze ent­schei­den kann, hat er das Ver­fah­ren aus­ge­setzt, um die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ein­zu­ho­len.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 2. Juni 2016 – OVG 4 B 1.09