Ver­selb­stän­di­gung eines Dienst­stel­len­teils – die Feu­er­wehr als Dienst­stel­le

Für eine Ver­selb­stän­di­gung (hier: nach § 8 Abs. 2 MBGSH) ist nicht erfor­der­lich, dass der Lei­ter des Dienst­stel­len­teils über ein Mini­mum per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­cher Befug­nis­se ver­fügt.

Ver­selb­stän­di­gung eines Dienst­stel­len­teils – die Feu­er­wehr als Dienst­stel­le

Der Bil­dung von Per­so­nal­rä­ten nach § 1 Abs. 1, § 8 Abs. 1 Satz 1 MBGSH liegt der mate­ri­el­le Dienst­stel­len­be­griff zugrun­de. Danach ver­langt die Dienst­stel­len­ei­gen­schaft, dass der Lei­ter der Ein­rich­tung eine nach Art und Umfang hin­rei­chen­de Kom­pe­tenz zur Ent­schei­dung in betei­li­gungs­pflich­ti­gen Ange­le­gen­hei­ten hat 1. Lie­gen die­se Vor­aus­set­zun­gen vor, so ist eine Dienst­stel­le nach § 8 Abs. 1 Satz 1 MBGSH gege­ben, in wel­cher von Geset­zes wegen ein Per­so­nal­rat zu bil­den ist. In die­sem Fall ist eine Ver­selb­stän­di­gung nach § 8 Abs. 2 MBGSH weder nötig noch mög­lich.

Dar­aus ergibt sich, dass die Ver­selb­stän­di­gung von Neben­stel­len und Dienst­stel­len­tei­len nach § 8 Abs. 2 MBGSH nicht von Vor­aus­set­zun­gen abhän­gig sein kann, wie sie für eine Dienst­stel­le nach § 8 Abs. 1 Satz 1 MBGSH erfüllt sein müs­sen. Für § 8 Abs. 2 Satz 1 Alt. 1 MBGSH – räum­lich wei­te Ent­fer­nung von der Haupt­dienst­stel­le – ist in der Senats­recht­spre­chung bereits geklärt, dass der Lei­ter der Außen­stel­le nicht über ein Mini­mum per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­cher Befug­nis­se ver­fü­gen muss 2. Dass für § 8 Abs. 2 Satz 1 Alt. 2 MBGSH – Eigen­stän­dig­keit des Dienst­stel­len­teils durch Auf­ga­ben­be­reich und Orga­ni­sa­ti­on – nichts ande­res gilt, folgt ein­deu­tig aus sys­te­ma­ti­schen und teleo­lo­gi­schen Über­le­gun­gen.

Kommt es in einer Gemein­de zur Ver­selb­stän­di­gung eines Dienst­stel­len­teils und daher zur Errich­tung eines zwei­ten ört­li­chen Per­so­nal­rats, so ist ein Gesamt­per­so­nal­rat zu bil­den (§ 45 Abs. 1 MBGSH). Die­ser ist nur zustän­dig für die Behand­lung von Ange­le­gen­hei­ten, die meh­re­re in ihm zusam­men­ge­fass­te Dienst­stel­len betref­fen und die nicht durch die ein­zel­nen Per­so­nal­rä­te inner­halb ihres Geschäfts­be­reichs gere­gelt wer­den kön­nen (§ 61 Abs. 1 Satz 1 MBGSH). Die Ange­le­gen­heit muss daher dienst­stel­len­über­grei­fen­de Wir­kung haben. Dage­gen ver­bleibt es bei der Zustän­dig­keit des ört­li­chen Per­so­nal­rats, wenn von der beab­sich­tig­ten Maß­nah­me aus­schließ­lich die Beschäf­tig­ten einer Dienst­stel­le betrof­fen wer­den 3. Dar­an ändert sich selbst dann nichts, wenn zwar eine dienst­stel­len­über­grei­fen­de Rege­lung beab­sich­tigt ist, ein sach­lich zwin­gen­des Erfor­der­nis dafür aber nicht besteht 4.

Die Rege­lung in § 61 Abs. 1 MBGSH folgt nicht dem Part­ner­schafts­grund­satz, wonach ein bei der ent­schei­dungs­be­fug­ten Dienst­stel­le gebil­de­ter Per­so­nal­rat zur Betei­li­gung beru­fen ist, son­dern dem Prin­zip vom sach­lich-räum­li­chen Wir­kungs­be­reich 5. Will der Lei­ter der Gesamt­dienst­stel­le daher eine Maß­nah­me tref­fen, wel­che aus­schließ­lich die Beschäf­tig­ten der ver­selb­stän­dig­ten Dienst­stel­le betrifft, so hat er den dor­ti­gen Per­so­nal­rat zu betei­li­gen. Aus des­sen Sicht ist es belang­los, ob der Lei­ter der Gesamt­dienst­stel­le oder der Lei­ter des ver­selb­stän­dig­ten Dienst­stel­len­teils ent­schei­dungs­be­fugt ist. Zu betei­li­gen ist er im einen wie im ande­ren Fall. Über­dies ist er – eben­so wie der ört­li­che Per­so­nal­rat bei der Haupt­dienst­stel­le – zur Betei­li­gung beru­fen, wenn der Lei­ter der Gesamt­dienst­stel­le ohne sach­lich zwin­gen­des Erfor­der­nis eine dienst­stel­len­über­grei­fen­de Rege­lung trifft. Der Sinn der Rege­lung in § 8 Abs. 2 MBGSH, eine Per­so­nal­ver­tre­tung für die spe­zi­el­len Belan­ge des Dienst­stel­len­teils bil­den zu kön­nen, wird daher unab­hän­gig davon erreicht, ob der Lei­ter des Dienst­stel­len­teils eige­ne per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­lich rele­van­te Kom­pe­ten­zen hat.

Frei­lich ver­langt § 8 Abs. 2 Satz 1 Alt. 2 MBGSH für die Ver­selb­stän­di­gung, dass der frag­li­che Dienst­stel­len­teil durch Auf­ga­ben­be­reich und Orga­ni­sa­ti­on eigen­stän­dig ist. Eine gene­rel­le Klä­rung die­ses Erfor­der­nis­ses ist im vor­lie­gen­den Fall nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich. Dass es jeden­falls für die Berufs­feu­er­wehr einer kreis­frei­en Stadt in Schles­wig-Hol­stein gege­ben ist, drängt sich gera­de­zu auf.

Ein eigen­stän­di­ger Auf­ga­ben­be­reich liegt vor, wenn der Dienst­stel­len­teil Auf­ga­ben wahr­nimmt, die deut­lich von den sons­ti­gen Auf­ga­ben der Dienst­stel­le abwei­chen 6. Dass die­se Vor­aus­set­zung bei der Berufs­feu­er­wehr einer Stadt gege­ben ist, kann nicht zwei­fel­haft sein. Die­se hat als öffent­li­che Feu­er­wehr vor allem die Auf­ga­be, Brän­de zu bekämp­fen und Men­schen und Sachen vor Brand­schä­den zu schüt­zen – abweh­ren­der Brand­schutz – sowie bei Not- und Unglücks­fäl­len Hil­fe zu leis­ten – tech­ni­sche Hil­fe – (§ 1 Nr. 1 und 2, §§ 2, 5 Abs. 1, § 6 Abs. 1, § 7 Abs. 1 Satz 1 BrSchG 7). Die Bewäl­ti­gung die­ser Auf­ga­ben wird in Form von Ein­sät­zen wahr­ge­nom­men (§ 19 ff. BrSchG). Mit ihren Ein­sät­zen in Brand- und Unglücks­fäl­len unter­schei­det sich die Feu­er­wehr deut­lich von der Art und Wei­se, wie sonst in einer Stadt­ver­wal­tung Auf­ga­ben wahr­ge­nom­men wer­den.

Die Beson­der­heit der Auf­ga­ben­er­fül­lung durch die Feu­er­wehr in Gestalt von Ein­sät­zen bedingt die feu­er­wehr­spe­zi­fi­sche Orga­ni­sa­ti­on der Ein­sät­ze. Dem ent­spre­chend sieht § 42 Abs. 2 Nr. 4 BrSchG vor, dass das Innen­mi­nis­te­ri­um Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten für die Glie­de­rung der Feu­er­weh­ren erlässt. Inso­fern wur­de die Feu­er­wehr-Dienst­vor­schrift 100 (FwDV 100) in Schles­wig-Hol­stein über­nom­men und ihre Gel­tung bis zum 31.12.2017 fort­ge­schrie­ben 8. Die FwDV 100 regelt im Ein­zel­nen mit ihren Bestim­mun­gen zu Ein­satz­lei­tung, Befehls­stel­le, Füh­rungs­ebe­nen und Füh­rungs­stu­fen die Füh­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on der Feu­er­wehr im Ein­satz. Hin­sicht­lich der orga­ni­sa­to­ri­schen Beson­der­heit der Berufs­feu­er­wehr hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ergän­zend zutref­fend auf die Bestim­mun­gen in § 7 Abs. 2 Satz 2 und Abs. 3 Satz 1 BrSchG hin­ge­wie­sen, wonach die Lei­tung der Berufs­feu­er­wehr für die Ein­satz­be­reit­schaft der Feu­er­wehr im Stadt­ge­biet ver­ant­wort­lich ist und die Ange­hö­ri­gen der Berufs­feu­er­wehr im Ein­satz­dienst ande­re Ein­rich­tun­gen der Stadt weder lei­ten noch dar­in beschäf­tigt wer­den dür­fen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 3. Juli 2013 – 6 PB 15.13

  1. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 29.03.2001 – 6 P 7.00, Buch­holz 250 § 6 BPers­VG Nr. 15 S. 7 f., vom 26.11.2008 – 6 P 7.08, BVerw­GE 132, 276 = Buch­holz 250 § 86 BPers­VG Nr. 6 Rn. 32 und vom 17.07.2010 – 6 PB 6.10, Buch­holz 251.95 § 61 MBGSH Nr. 1 Rn.20[]
  2. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 29.03.2001 a.a.O. S. 8 f., vom 26.11.2008 a.a.O. Rn. 33 und vom 13.09.2010 – 6 P 14.09, Buch­holz 251.92 § 71 SAPers­VG Nr. 2 Rn. 14[]
  3. vgl. BVerwG, Beschluss vom 05.10.2011 – 6 P 6.10, Buch­holz 251.95 § 61 MBGSH Nr. 3 Rn. 11[]
  4. vgl. BVerwG, Beschluss vom 05.10.2011 a.a.O. Rn. 12 ff.[]
  5. vgl. BVerwG, Beschluss vom 13.09.2010 a.a.O. Rn. 17 f.[]
  6. vgl. Dona­lies/Hüb­ner-Ber­ger, Mit­be­stim­mungs­ge­setz Schles­wig-Hol­stein, § 8 Rn.02.5[]
  7. Gesetz über den Brand­schutz und die Hil­fe­leis­tun­gen der Feu­er­weh­ren – Brand­schutz­ge­setz – vom 10.02.1996, GVOBl S.200, zuletzt geän­dert durch Art. 9 des Geset­zes vom 17.12.2010, GVOBl S. 789[]
  8. Bekannt­ma­chung des Innen­mi­nis­te­ri­ums vom 16.11.2012, Amts­bl Schl.-H. S. 1278[]