Ver­set­zung eines Fach­hoch­schul­kanz­lers

Auch Inha­ber spe­zi­el­ler funk­ti­ons­be­zo­ge­ner Ämter wie der Kanz­ler einer Fach­hoch­schu­le dürf­ten bei Vor­lie­gen dienst­li­cher Grün­de in ande­re Ämter ver­setzt wer­den. Dabei kommt es nicht dar­auf an, wer für die Umstän­de und sei­ne Fol­gen, die zu den dienst­li­chen Grün­den geführt haben, den ent­schei­den­den Anteil trägt.

Ver­set­zung eines Fach­hoch­schul­kanz­lers

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen die Ver­set­zung des Kanz­lers der Fach­hoch­schu­le Gel­sen­kir­chen bestä­tigt. Der Klä­ger war als Kanz­ler der Fach­hoch­schu­le Gel­sen­kir­chen u.a. deren Beauf­trag­ter des Haus­halts. Nach­dem es an der Fach­hoch­schu­le zu dem als „Inku­ba­tor-Skan­dal“ bekannt gewor­de­nen, von ande­ren Funk­ti­ons­trä­gern began­ge­nen, Sub­ven­ti­ons­be­trug gekom­men war, war auch gegen den Klä­ger ein Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet wor­den. In dem Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren wur­de ihm ein Ver­weis erteilt mit der Begrün­dung, er habe bei der Ver­ga­be der Sub­ven­tio­nen sei­ne Pflich­ten als Beauf­trag­ter des Haus­halts ver­letzt. Dar­auf­hin wur­de er mit Ein­ver­ständ­nis der Bezirks­re­gie­rung und des Innen­mi­nis­te­ri­ums an die in der Nähe sei­nes Wohn­or­tes befind­li­che Bezirks­re­gie­rung Det­mold ver­setzt. Zur Begrün­dung wur­de aus­ge­führt, der Fach­hoch­schu­le müs­se ein unbe­las­te­ter Neu­be­ginn ermög­licht wer­den. Nach dem Ergeb­nis des Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens ste­he fest, dass der Klä­ger, der in der Öffent­lich­keit mit dem „Inku­ba­tor-Skan­dal“ in Ver­bin­dung gebracht wer­de, sei­ne Pflich­ten ver­letzt habe. Zudem habe es Span­nun­gen im Ver­hält­nis zu der neu­en Hoch­schul­lei­tung und zu sei­nen engs­ten Kol­le­gen gege­ben.

Wäh­rend des Kla­ge­ver­fah­rens ist die Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung gericht­lich auf­ge­ho­ben wor­den mit der Begrün­dung, dass dem Klä­ger kei­ne schuld­haf­te Ver­feh­lung vor­ge­wor­fen wer­den kön­ne. Unter Bezug­nah­me hier­auf hat der Klä­ger gel­tend gemacht, da er für die Gescheh­nis­se nicht ver­ant­wort­lich sei und auch nicht dazu bei­getra­gen habe, dass er in der Öffent­lich­keit mit dem Skan­dal in Ver­bin­dung gebracht wer­de, dür­fe er auch nicht ver­setzt wer­den.

Die Ver­set­zung ist nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Gel­sen­kir­chen durch die ange­führ­ten dienst­li­chen Grün­de gerecht­fer­tigt gewe­sen. Auch Inha­ber spe­zi­el­ler funk­ti­ons­be­zo­ge­ner Ämter wie der Kanz­ler einer Fach­hoch­schu­le dür­fen bei Vor­lie­gen dienst­li­cher Grün­de in ande­re Ämter ver­setzt wer­den. Es kommt nicht dar­auf an, wer für die Umstän­de des „Inku­ba­tor-Skan­dals“ und sei­ne Fol­gen den ent­schei­den­den Anteil trägt. In der sei­ner­zei­ti­gen Situa­ti­on durf­ten die für einen unbe­las­te­ten Neu­an­fang der Fach­hoch­schu­le erfor­der­li­chen Maß­nah­men getrof­fen wer­den.

Die zwi­schen­zeit­li­chen Ent­schei­dun­gen der Dis­zi­pli­nar­ge­rich­te hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen bei sei­ner Ent­schei­dung nicht berück­sich­tigt, da es nach dem anzu­wen­den­den recht­li­chen Maß­stab allein auf die Ver­hält­nis­se im Zeit­punkt der Ver­set­zungs­ent­schei­dung ankommt.

Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen, Urteil vom 17. Febru­ar 2012 – 12 K 351/​09