Ver­set­zung in den Ruhe­stand – und der Zeit­punkt des Ein­tritts des Ver­sor­gungs­falls

Tritt ein Beam­ter mit dem Ende des Monats oder mit Ablauf des letz­ten Tages des Monats in den Ruhe­stand, so tritt der Ver­sor­gungs­fall zeit­gleich mit dem Beginn des Ruhe­stan­des am ers­ten Tag des fol­gen­den Monats ein, mit­hin nicht "vor" die­sem Tag.

Ver­set­zung in den Ruhe­stand – und der Zeit­punkt des Ein­tritts des Ver­sor­gungs­falls

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts beginnt der Ruhe­stand an dem Tag, der auf das Datum folgt, mit wel­chem der Beam­te in den Ruhe­stand ver­setzt wor­den ist. Erfolgt die Ver­set­zung in den Ruhe­stand mit dem Ende des Monats oder mit Ablauf des Monats­letz­ten – so gebräuch­li­che For­mu­lie­run­gen, so beginnt der Ruhe­stand am ers­ten Tag des fol­gen­den Monats 1.

Dass der Ver­sor­gungs­fall zeit­gleich mit dem Beginn des Ruhe­stands ein­tritt, olgt schon aus dem Begriff des Ver­sor­gungs­falls sowie aus dem sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang der maß­geb­li­chen ver­sor­gungs­recht­li­chen Vor­schrif­ten. Ein Ver­sor­gungs­fall kann erst dann ein­tre­ten, wenn dem Beam­ten Ver­sor­gungs­be­zü­ge zu gewäh­ren sind. Vor dem Ent­ste­hen des Anspruchs auf Ver­sor­gungs­be­zü­ge kann noch kein Ver­sor­gungs­fall ein­ge­tre­ten sein. Zu den Ver­sor­gungs­be­zü­gen gehört gemäß § 2 Nr. 1 BeamtVG (ent­spricht § 2 Nr. 1 SHBeamtVG) unter ande­rem das Ruhe­ge­halt. Der Anspruch auf das Ruhe­ge­halt ent­steht gemäß § 4 Abs. 2 BeamtVG (ent­spricht § 4 Abs. 2 SHBeamtVG) aber regel­mä­ßig erst mit dem Beginn des Ruhe­stands.

In einer älte­ren Ent­schei­dung, wel­che zu dem Inkraft­tre­ten des Deut­schen Beam­ten­ge­set­zes vom 26.01.1937 2 – DBG – am 1.07.1937 und dem Tat­be­stands­merk­mal des Ein­tritts in den Ruhe­stand "mit Ende des Monats Juni 1937" im Sin­ne von § 21 Abs. 2 des Besol­dungs­ge­set­zes für das Land Nord­rhein-West­fa­len vom 09.06.1954 3 – LBe­sG NW – ergan­gen ist, hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Ver­sor­gungs­fall tre­te regel­mä­ßig mit dem Ende des Monats und vor dem Ers­ten des fol­gen­den Monats ein 4. Die­ser Ent­schei­dung, auf die sich auch der Klä­ger beruft, ist mit der jün­ge­ren, oben zitier­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts die Grund­la­ge ent­zo­gen. In die­ser Ent­schei­dung 5 wird dem ein­deu­ti­gen Wort­laut der Norm nicht die ihm gebüh­ren­de Bedeu­tung bei­gemes­sen. Der in ihr ver­tre­te­ne Ansatz ist auch des­we­gen nicht trag­fä­hig, weil er eine logi­sche Sekun­de zwi­schen den Mona­ten fin­giert; das Ereig­nis des Ein­tritts des Ver­sor­gungs­falls ist gleich­wohl einem bestimm­ten Tag, dem Monats­letz­ten oder dem Monats­ers­ten zuzu­ord­nen. Die­se Zuord­nung kann aus den geschil­der­ten Grün­den nur zum Monats­ers­ten erfol­gen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 7. Dezem­ber 2015 – 2 B 79.2014 -

  1. BVerwG, Urtei­le vom 25.06.2009 – 2 C 47.07, Buch­holz 239.1 § 66 BeamtVG Nr. 2 Rn. 12; und vom 12.11.2009 – 2 C 29.08, Buch­holz 239.1 § 14a BeamtVG Nr. 5 Rn. 9; Beschluss vom 19.08.2010 – 2 C 34.09, Buch­holz 11 Art. 33 Abs. 5 GG Nr. 116 Rn. 17; vgl. auch BVerfG, Beschluss vom 02.05.2012 – 2 BvL 5/​10, BVerfGE 131, 20, 36[]
  2. RGBl. I S. 39[]
  3. GVBl. S. 162[]
  4. BVerwG, Urteil vom 09.02.1961 – 2 C 142. 59, BVerw­GE 12, 46, 49[]
  5. BVerwG, a.a.O. S. 47 f.[]