Ver­wen­dungs­ein­kom­men in der Beam­ten­ver­sor­gung

Der Be­griff des Er­werbs­ein­kom­mens aus einer Ver­wen­dung im öf­fent­li­chen Dienst (Ver­wen­dungs­ein­kom­men) im Sin­ne von § 53 Abs. 9 Satz 1 Be­amt­VG be­stimmt sich nach dem Ein­kom­men­steu­er­ge­setz.

Ver­wen­dungs­ein­kom­men in der Beam­ten­ver­sor­gung

In sei­ner frü­he­ren Recht­spre­chung hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt wie­der­holt aus­ge­führt, dass für den Begriff des Ein­kom­mens im Sin­ne des Beam­ten­ver­sor­gungs­ge­set­zes nicht die Vor­schrif­ten des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes maß­geb­lich sind, son­dern von einem eigen­stän­di­gen Begriff des Ein­kom­mens aus­zu­ge­hen ist 1. Die­ser Begriff ist inhalt­lich jedoch nicht näher kon­kre­ti­siert wor­den. Daher hat der Bun­des­ge­richts­hof im Urteil vom 26.05.2011 2 den Bedeu­tungs­ge­halt der als Erwerbs­ein­kom­men im Sin­ne von § 53 Abs. 7 Satz 1 BeamtVG gel­ten­den Ein­kunfts­ar­ten wegen des iden­ti­schen Wort­lauts des § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 bis 4 EStG und aus geset­zes­sys­te­ma­ti­schen Grün­den an die ein­kom­men­steu­er­recht­li­chen Begrif­fe ange­gli­chen, sofern nicht Struk­tur­prin­zi­pi­en des Ver­sor­gungs­rechts ent­ge­gen­ste­hen 3. Die­se Bezug­nah­me auf das Ein­kom­men­steu­er­recht gilt auch für den seit 1999 unver­än­dert geblie­be­nen Begriff des Ver­wen­dungs­ein­kom­mens, d.h. des Erwerbs­ein­kom­mens aus einer Ver­wen­dung im öffent­li­chen Dienst 4.

Ver­wen­dungs­ein­kom­men sind ein­kom­men­steu­er­recht­lich Ein­künf­te aus nicht­selbst­stän­di­ger Arbeit im Sin­ne von § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG. Die­se Ein­künf­te sind nach § 2 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 EStG der Über­schuss der Ein­nah­men über die Wer­bungs­kos­ten. Die danach von den Ein­nah­men aus nicht­selbst­stän­di­ger Arbeit abzu­zie­hen­den Wer­bungs­kos­ten sind nach § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG Auf­wen­dun­gen zur Erwer­bung, Siche­rung und Erhal­tung der Ein­nah­men.

Der Ent­ste­hungs­ge­schich­te des § 53 Abs. 8 und 9 BeamtVG ist zur Aus­le­gung des Begriffs des Ver­wen­dungs­ein­kom­mens nichts zu ent­neh­men. Die­se Rege­lun­gen fass­ten ab dem 1.01.1977 ledig­lich die zuvor bestehen­den Vor­schrif­ten des § 158 BBG a.F., § 83 BRRG a.F. und die Bestim­mun­gen der Län­der zusam­men. Dem­ge­gen­über las­sen die Mate­ria­li­en zu § 53a BeamtVG, der durch das Gesetz zur Ände­rung des Beam­ten­ver­sor­gungs­ge­set­zes und sons­ti­ger dienst- und ver­sor­gungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 18.12.1989 5 ein­ge­fügt wor­den ist, dar­auf schlie­ßen, dass sich der Gesetz­ge­ber bei der Rege­lung der Anrech­nung von Erwerbs­ein­kom­men auf Ver­sor­gungs­be­zü­ge am Ein­kom­men­steu­er­recht ori­en­tiert hat.

§ 53a BeamtVG, der in Absatz 6, dem jet­zi­gen § 53 Abs. 7 Satz 1 BeamtVG ver­gleich­bar, die rele­van­ten Ein­kunfts­ar­ten bestimm­te, regel­te bis Ende 1998 die Anrech­nung eines sol­chen Erwerbs­ein­kom­mens auf das Ruhe­ge­halt, das der Ruhe­stands­be­am­te aus einer Beschäf­ti­gung oder Tätig­keit außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes bezog. Wäh­rend die Bun­des­re­gie­rung in der Begrün­dung ihres Ent­wurfs 6 gene­rell auf die Ein­kunfts­ar­ten des § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 bis 4 EStG ver­wies, schlug der Bun­des­rat in sei­ner Gegen­äu­ße­rung 7 unter Beru­fung auf den gegen­über dem Steu­er­recht selbst­stän­di­gen Ein­kom­mens­be­griff des Ver­sor­gungs­rechts für die Bestim­mung des in die Berech­nung ein­zu­stel­len­den Betra­ges eine pau­scha­lie­ren­de, vom Ein­kom­men­steu­er­recht abwei­chen­de Rege­lung vor. Mit die­sem Vor­schlag konn­te sich der Bun­des­rat im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren jedoch nicht durch­set­zen.

Der Neu­fas­sung des § 53 Abs. 7 Satz 2 BeamtVG durch das Dienst­rechts­neu­ord­nungs­ge­setz vom 05.02.2009 8 kommt hier kei­ne Bedeu­tung zu. Die­se Ände­rung gilt, wie sich aus Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG ergibt und in § 108 Abs. 1 BeamtVG klar­ge­stellt wird, nicht für die Beam­ten der Län­der, der Gemein­den, der Gemein­de­ver­bän­de sowie der sons­ti­gen der Auf­sicht eines Lan­des unter­ste­hen­den Kör­per­schaf­ten, Anstal­ten und Stif­tun­gen des öffent­li­chen Rechts. Die Neu­fas­sung des Sat­zes 2, wonach im Rah­men der Ein­kunfts­ar­ten nach Satz 1 aner­kann­te Wer­bungs­kos­ten nach dem Ein­kom­men­steu­er­ge­setz nicht als Erwerbs­ein­kom­men gel­ten, hat ohne­hin kei­ne kon­sti­tu­ti­ve Bedeu­tung. Viel­mehr bringt die Rege­lung ledig­lich dekla­ra­to­risch den unab­hän­gig vom Wort­laut des § 53 BeamtVG gebo­te­nen Abzug der Wer­bungs­kos­ten zum Aus­druck. Die Ände­rung dient ledig­lich dazu, das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 19.02.2004 9 umzu­set­zen 10. In die­sem Urteil wird unter Hin­weis auf die gebo­te­ne Gleich­be­hand­lung mit den unbe­rück­sich­tigt blei­ben­den Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen klar­ge­stellt, dass bei der Bestim­mung der Ein­künf­te aus nicht­selbst­stän­di­ger Arbeit vor­ab die Wer­bungs­kos­ten abzu­zie­hen sind.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 30. August 2012 – 2 C 1.11

  1. z.B. Urtei­le vom 24.10.1984 – BVerwG 6 C 148.81BVerw­GE 70, 211 <212 f.> = Buch­holz 232.5 § 22 BeamtVG Nr. 2 und vom 11.06.1985 – BVerwG 2 C 34.83BVerw­GE 71, 336 <339> = Buch­holz 232.5 § 61 BeamtVG Nr. 3[]
  2. - BVerwG 2 C 8.10 – Buch­holz 239.1 § 53 BeamtVG Nr. 21 Rn. 11[]
  3. Urtei­le vom 25.08.2011 – BVerwG 2 C 31.10 – Buch­holz 239.1 § 53 BeamtVG Nr. 22 Rn. 12, vom 31.05.2012 – BVerwG 2 C 18.10 – IÖD 2012, 212 und vom 28.06.2012 – BVerwG 2 C 58.11 – Rn. 11 []
  4. § 53 Abs. 8 Satz 2 und 3 BeamtVG[]
  5. BGBl I S. 2218[]
  6. BT-Drucks 11/​5372, S. 26[]
  7. a.a.O. S. 40[]
  8. BGBl I S. 160[]
  9. - BVerwG 2 C 20.03BVerw­GE 120, 154 <166> = Buch­holz 239.1 § 14 BeamtVG Nr. 8 S. 18[]
  10. Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung, BT-Drucks 16/​7076, S. 161[]