Ver­wen­dungs­ent­schei­dung der Per­so­nal­aus­wahl­kon­fe­renz – „Zukunfts­per­so­nal der Heeresfliegertruppe“

Die Ent­schei­dung der Per­so­nal­aus­wahl­kon­fe­renz „Zukunfts­per­so­nal der Hee­res­flie­ger­trup­pe“, einen Sol­da­ten nicht dem Zukunfts­per­so­nal der Hee­res­flie­ger­trup­pe – Flie­ge­ri­sches Per­so­nal – zuzu­ord­nen, stellt eine gericht­lich anfecht­ba­re dienst­li­che Maß­nah­me im Sin­ne des § 17 Abs. 3 Satz 1 WBO dar.

Ver­wen­dungs­ent­schei­dung der Per­so­nal­aus­wahl­kon­fe­renz – „Zukunfts­per­so­nal der Heeresfliegertruppe“

Nach § 21 Abs. 1 WBO ist das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zur Über­prü­fung von Ent­schei­dun­gen des Bun­des­mi­nis­ters der Ver­tei­di­gung beru­fen, die die­ser als trup­pen­dienst­li­che Erst­maß­nah­men oder als Beschwer­de­ent­schei­dun­gen erlässt. Der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung – R II 2 – hat mit dem ange­foch­te­nen Beschwer­de­be­scheid als gemäß § 9 Abs. 1 WBO zustän­di­ge Stel­le über den Rechts­be­helf gegen die (nicht sta­tus, son­dern ver­wen­dungs­be­zo­ge­ne) Ent­schei­dung einer Aus­wahl­kon­fe­renz ent­schie­den, die beim Per­so­nal­amt der Bun­des­wehr ange­sie­delt ist. In der vom Inspek­teur des Hee­res am 3.09.2012 gebil­lig­ten Vor­la­ge mit dem „Kri­te­ri­en- und Maß­nah­men­ka­ta­log“ ist unter Abschnitt II Nr. 3 fest­ge­legt, dass die Aus­wahl des Zukunfts­per­so­nals der Hee­res­flie­ger­trup­pe durch eine Per­so­nal­aus­wahl­kon­fe­renz unter der Lei­tung des Abtei­lungs­lei­ters I des Per­so­nal­amts der Bun­des­wehr erfolgt. Kor­re­spon­die­rend dazu hat der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung – R II 2 – in sei­ner Vor­la­ge an das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Aus­wahl­kon­fe­renz „Zukunfts­per­so­nal“ als „Kon­fe­renz des Per­so­nal­amts der Bun­des­wehr“ bezeich­net; dem­entspre­chend sind die für die Aus­wahl­ent­schei­dung rele­van­ten Unter­la­gen auch vom Per­so­nal­amt vor­ge­legt worden.

Die Ent­schei­dung der Aus­wahl­kon­fe­renz „Zukunfts­per­so­nal“, einen Sol­da­ten nicht dem „Zukunfts­per­so­nal“ der Hee­res­flie­ger­trup­pe – Flie­ge­ri­sches Per­so­nal – (und auch nicht dem Reser­ve­per­so­nal) zuzu­ord­nen, stellt eine anfecht­ba­re dienst­li­che Maß­nah­me im Sin­ne des § 17 Abs. 1 Satz 1, Abs. 3 Satz 1 WBO (hier in Ver­bin­dung mit § 21 Abs. 2 Satz 1 WBO) dar.

Der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung stützt sei­ne gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung dar­auf, dass den Ergeb­nis­sen und Ent­schei­dun­gen der Aus­wahl­kon­fe­renz „Zukunfts­per­so­nal“ die­sel­be Rechts­na­tur zuzu­schrei­ben sei wie den Ergeb­nis­sen der Per­spek­tiv­kon­fe­ren­zen; letz­te­re berühr­ten noch nicht unmit­tel­bar die Rech­te eines Sol­da­ten und stell­ten kei­ne gericht­lich iso­liert angreif­ba­ren Maß­nah­men dar.

Es trifft zwar zu, dass die Ergeb­nis­se der Bera­tun­gen von Per­spek­tiv­kon­fe­ren­zen und die Zuer­ken­nung einer indi­vi­du­el­len För­der­per­spek­ti­ve nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts kei­ne gericht­lich iso­liert angreif­ba­ren Maß­nah­men im Sin­ne des § 17 Abs. 3 Satz 1 WBO sind, weil sie als Ele­men­te inner­dienst­li­cher Wil­lens- und Mei­nungs­bil­dung im Rah­men der Vor­be­rei­tung von Per­so­nal­ent­schei­dun­gen noch nicht unmit­tel­bar die Rech­te eines Sol­da­ten berüh­ren [1].

Ein­schrän­kend hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt aber aus­ge­spro­chen, dass das Ergeb­nis der Per­spek­tiv­kon­fe­ren­zen eine – iso­liert nach § 17 Abs. 3 Satz 1 WBO – anfecht­ba­re Maß­nah­me dar­stellt, wenn es als Ent­schei­dung zu qua­li­fi­zie­ren ist, durch die ein Sol­dat end­gül­tig von jeder spä­te­ren höher­wer­ti­gen Ver­wen­dung aus­ge­schlos­sen wird [2] oder wenn in sons­ti­ger Wei­se schon aus dem mit­ge­teil­ten Ergeb­nis unmit­tel­bar eine Rechts­ver­let­zung des betrof­fe­nen Sol­da­ten folgt, die sich nicht erst in einer nach­fol­gen­den Ver­wen­dungs­ent­schei­dung mani­fes­tiert [3].

Die­se Dif­fe­ren­zie­run­gen des indi­vi­du­el­len Rechts­schut­zes gegen Aus­wahl­kon­fe­renz­er­geb­nis­se kön­nen auch zur Klä­rung der Rechts­na­tur der hier strit­ti­gen Ent­schei­dung der Aus­wahl­kon­fe­renz „Zukunfts­per­so­nal“ her­an­ge­zo­gen wer­den. Dabei ver­wen­det das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im Fol­gen­den – in Anknüp­fung an die Ter­mi­no­lo­gie der vom Gene­ral der Hee­res­flie­ger­trup­pe am 29.03.2013 erlas­se­nen „Beson­de­ren Anwei­sung für die Ent­pflich­tung von Luft­fahr­zeug­füh­rern der Hee­res­flie­ger­trup­pe“ – in Abgren­zung zum Begriff des „Reser­ve­per­so­nals“ den Begriff „Nicht-Zukunfts­per­so­nal“.

Im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren stellt die Ent­schei­dung der Aus­wahl­kon­fe­renz „Zukunfts­per­so­nal“, den Antrag­stel­ler dem „Nicht-Zukunfts­per­so­nal“ zuzu­ord­nen, aller­dings kei­ne Maß­nah­me dar, durch die der Antrag­stel­ler end­gül­tig von jeder spä­te­ren höher­wer­ti­gen Ver­wen­dung aus­ge­schlos­sen wird. Dies folgt einer­seits aus der Erklä­rung des Bun­des­mi­nis­ters der Ver­tei­di­gung – R II 2 – im Schrift­satz vom 10.12 2013, der zufol­ge ein nega­ti­ves Ergeb­nis der Aus­wahl­kon­fe­renz in kei­ner Wei­se för­der­li­che Ver­wen­dungs­pla­nun­gen und die Betrach­tung der betrof­fe­nen Sol­da­ten für höher­wer­ti­ge Ver­wen­dun­gen – im Fall des Antrag­stel­lers für Dienst­pos­ten der Dotie­rungs­hö­he A 12 – aus­schließt. Auch die bereits zitier­te „Beson­de­re Anwei­sung für die Ent­pflich­tung von Luft­fahr­zeug­füh­rern der Hee­res­flie­ger­trup­pe“ vom 29.03.2013 ent­hält kei­ne Rege­lun­gen, die eine För­de­rung des „Nicht-Zukunfts­per­so­nals“ auf höher­wer­ti­ge Dienst­pos­ten ver­hin­dert. Im Gegen­teil ergibt sich zum Bei­spiel für Sol­da­ten, die fünf Jah­re vor dem Ende ihrer Dienst­zeit ste­hen, aus Anla­ge 2 der vom Inspek­teur des Hee­res am 3.09.2012 gebil­lig­ten Vor­la­ge zur „Migra­ti­on der Hee­res­flie­ger­trup­pe“ mit dem „Kri­te­ri­en- und Maß­nah­men­ka­ta­log“ aus­drück­lich, dass die Umset­zung des vom Fähig­keits­trans­fer betrof­fe­nen und ent­pflich­te­ten Per­so­nals auf besol­dungs­ge­rech­te Dienst­pos­ten Vor­rang vor ande­ren Maß­nah­men, ins­be­son­de­re vor Umset­zun­gen auf Plan­stel­len des z.b.V.-Etats haben soll, um bei die­sem Per­so­nen­kreis eine „Spät­för­de­rung“ zur Errei­chung des Lauf­bahn­ziels nicht zu gefährden.

Aus dem Ergeb­nis der Aus­wahl­kon­fe­renz „Zukunfts­per­so­nal“, einen Sol­da­ten dem „Nicht-Zukunfts­per­so­nal“ zuzu­ord­nen, folgt aber in sons­ti­ger Wei­se eine unmit­tel­ba­re Rechts­ver­let­zung des Betrof­fe­nen, die sich nicht erst in einer nach­fol­gen­den Ver­wen­dungs­ent­schei­dung mani­fes­tiert. Unter die­sem Aspekt stellt die Ent­schei­dung der Aus­wahl­kon­fe­renz eine iso­liert angreif­ba­re Maß­nah­me im Sin­ne des § 17 Abs. 1 Satz 1, Abs. 3 Satz 1 WBO dar. Das ergibt sich aus fol­gen­den Erwägungen:

In der Sache bedeu­tet die Ent­schei­dung der Aus­wahl­kon­fe­renz „Zukunfts­per­so­nal“ über die Zuord­nung eines Sol­da­ten zum „Nicht-Zukunfts­per­so­nal“ – anders als die Ent­schei­dung einer Per­spek­tiv­kon­fe­renz, die ledig­lich eine besol­dungs­be­zo­ge­ne Per­spek­ti­ve ohne Bezug zu spe­zi­fi­schen Dienst­pos­ten aus­spricht – zugleich die Ent­schei­dung über die Ände­rung der kon­kre­ten Ver­wen­dung die­ses Sol­da­ten, näm­lich über die Ände­rung sei­ner flie­ge­ri­schen in eine nicht-flie­ge­ri­sche Ver­wen­dung. Die Zuord­nung eines Sol­da­ten zum „Nicht-Zukunfts­per­so­nal“ – Flie­ge­ri­scher Dienst – ist durch eine expli­zit dienst­pos­ten­be­zo­ge­ne Kom­po­nen­te geprägt, denn sie bewirkt unmit­tel­bar, dass der betrof­fe­ne Sol­dat sei­nen bis­her inne­ge­hab­ten flie­ge­ri­schen Dienst­pos­ten verliert.

Das folgt in ers­ter Linie aus dem „Kri­te­ri­en- und Maß­nah­men­ka­ta­log“, der die Basis für die Aus­wahl­ent­schei­dung der Kon­fe­renz bil­det. Danach ent­schei­det die Kon­fe­renz nach den Kri­te­ri­en der gesund­heit­li­chen Eig­nung des Kan­di­da­ten und des struk­tu­rel­len Bedarfs und hat über­dies expli­zit zu prü­fen, ob der Kan­di­dat „mit Per­spek­ti­ve und Ver­wen­dungs­pla­nung rea­lis­tisch wie­der auf einem flie­ge­ri­schen Dienst­pos­ten der neu­en Struk­tur ver­wend­bar“ ist oder eben nicht. Damit hat die Kon­fe­renz bereits in ihrer Aus­wahl­ent­schei­dung meh­re­re ele­men­ta­re Kom­po­nen­ten des Per­so­nal­ein­sat­zes im flie­ge­ri­schen Dienst zu bewer­ten, deren Beur­tei­lung sonst der per­so­nal­be­ar­bei­ten­den Stel­le vor­be­hal­ten wäre.

Im „Info-Brief“ des Inspek­teurs des Hee­res vom 13.07.2012, den die­ser als zustän­di­ger Bedarfs­trä­ger für die Hee­res­flie­ger­trup­pe und – auf­grund der Kom­pe­tenz­re­ge­lun­gen des Bun­des­mi­nis­ters der Ver­tei­di­gung im Dresd­ner Erlass vom 21.03.2012 (Abschnitt II Nr. 4) – als zustän­di­ger Vor­ge­setz­ter aller Sol­da­ten sei­nes Orga­ni­sa­ti­ons­be­reichs her­aus­ge­ge­ben hat, ist im Übri­gen als Kon­se­quenz der not­wen­di­gen Ver­än­de­run­gen fest­ge­legt, „dass etli­che Besat­zun­gen der Ver­bän­de in ande­re nicht-flie­gen­de Ver­wen­dun­gen über­führt wer­den müs­sen und, wie auch ein Teil der Inübung­hal­ter, ihre Erlaub­nis­se und Berech­ti­gun­gen ver­lie­ren wer­den“. Dazu ergibt sich ergän­zend aus der „Beson­de­ren Anwei­sung für die Ent­pflich­tung von Luft­fahr­zeug­füh­rern der Hee­res­flie­ger­trup­pe“ vom 29.03.2013, dass auf der Grund­la­ge der Per­so­nal­kon­fe­renz „Zukunfts­per­so­nal“ zum Stich­tag 1.06.2013 die Ent­pflich­tung für das betrof­fe­ne Per­so­nal aus­ge­spro­chen wird. Spe­zi­ell für Luft­fahr­zeug­füh­rer im Sta­tus eines Berufs­sol­da­ten, die als „Nicht-Zukunfts­per­so­nal“ qua­li­fi­ziert wor­den sind, ist danach auf der Grund­la­ge des Kon­fe­renz­er­geb­nis­ses ohne jede Ein­schrän­kung und aus­nahms­los in Nr. 1.03.3 der Beson­de­ren Anwei­sung die Ent­pflich­tung zum 1.06.2013 ange­ord­net wor­den. Im Ergeb­nis legt damit bereits die Aus­wahl­kon­fe­renz „Zukunfts­per­so­nal“ mit der Zuord­nung eines Berufs­sol­da­ten zum „Nicht-Zukunfts­per­so­nal“ fest, dass kei­ne dienst­li­che Not­wen­dig­keit besteht, die­sen Sol­da­ten wei­ter zur Inübung­hal­tung zu ver­pflich­ten. Die Ent­schei­dung über die Ver­pflich­tung zur Inübung­hal­tung, über deren Ver­län­ge­rung, ihre Fort­dau­er oder ihre Auf­he­bung obliegt sonst – nach Betei­li­gung des zustän­di­gen Bedarfs­trä­gers – der zustän­di­gen per­so­nal­be­ar­bei­ten­den Stel­le (vgl. Nr. 3 Abs. 1 Satz 1, Abs. 4 des Erlas­ses „Ver­pflich­tung zur Erhal­tung der Erlaub­nis­se und Berech­ti­gun­gen im flie­ge­ri­schen Dienst der Bun­des­wehr“ [4]). Mit der Ent­pflich­tung geht in der Regel die Anord­nung der Ein­zie­hung des Mili­tär­flug­zeug­füh­rer­scheins Hub­schrau­ber ein­her. Nach Nr. 176 ZDv 19/​11 ist die flie­ge­ri­sche Akte Teil der Per­so­nal­ak­te der Sol­da­ten. Sie wird bei der Dienst­stel­le geführt, der die jewei­li­gen Luft­fahr­zeug­be­sat­zun­gen ange­hö­ren oder der sie zum Flug­dienst zuge­ord­net sind. Die flie­ge­ri­sche Akte ist an die zustän­di­ge per­so­nal­be­ar­bei­ten­de Dienst­stel­le abzu­ge­ben, wenn die flie­ge­ri­sche Ver­wen­dung been­det ist und kei­ne Ver­pflich­tung zur Erhal­tung des flie­ge­ri­schen Kön­nens mehr besteht. In die­sem Fall ist der Akte das Ori­gi­nal oder die beglau­big­te Kopie des Militärflugzeugführerscheins/​Militärfahrzeugbesatzungsscheins ein­schließ­lich des letz­ten gül­ti­gen Bei­blatts bei­zu­fü­gen. Der abschlie­ßen­de Flug­zei­ten­nach­weis gemäß Anla­ge 2 ist bei­zu­hef­ten und die flie­ge­ri­sche Akte ist abzuschließen.

Vor dem Hin­ter­grund die­ser Rege­lun­gen hat die zustän­di­ge per­so­nal­be­ar­bei­ten­de Stel­le bei ihrer Ent­schei­dung über die künf­ti­ge Ver­wen­dung eines Sol­da­ten, der dem „Nicht-Zukunfts­per­so­nal“ der Hee­res­flie­ger­trup­pe zuge­ord­net ist, kein ori­gi­nä­res frei­es Ermes­sen mehr bei der Fra­ge, ob die­ser Sol­dat auf einem flie­ge­ri­schen Dienst­pos­ten ver­blei­ben oder nicht flie­ge­risch ver­wen­det wer­den soll. Die­se Aus­wahl­ent­schei­dung der per­so­nal­be­ar­bei­ten­den Stel­le bezüg­lich der fach­li­chen Art der Ver­wen­dung eines flie­ge­risch aus­ge­bil­de­ten und ein­ge­setz­ten Sol­da­ten ist durch die Ent­schei­dung der Aus­wahl­kon­fe­renz „Zukunfts­per­so­nal“ nicht nur vor­ge­prägt, son­dern mit der Ziel­rich­tung einer not­wen­di­gen Weg­ver­set­zung bereits weit­ge­hend vor­weg­ge­nom­men. Kor­re­spon­die­rend dazu legt der „Kri­te­ri­en- und Maß­nah­men­ka­ta­log“ in Abschnitt II Nr. 4 fest, dass für Offi­zie­re, die nicht zum Zukunfts­per­so­nal zäh­len, eine ver­än­der­te beruf­li­che Pla­nung erfol­gen muss. Unter ande­rem wegen die­ser erheb­li­chen Kon­se­quen­zen wird den betrof­fe­nen Sol­da­ten das Ergeb­nis der Aus­wahl­kon­fe­renz „Zukunfts­per­so­nal“ in einem förm­li­chen Bescheid mit dem Ver­merk „Per­sön­lich. Per­so­nal­an­ge­le­gen­heit“ eröffnet.

Ein Sol­dat hat bei einer Ver­set­zungs­ent­schei­dung unter Beach­tung der Rechts­schutz­ga­ran­tie des Art.19 Abs. 4 GG Anspruch auf eine ermes­sens­feh­ler­freie Ent­schei­dung. Er kann die gericht­li­che Über­prü­fung einer Ver­set­zungs­ent­schei­dung unter ande­rem dar­auf bean­spru­chen, ob die zustän­di­ge Stel­le ihre Ent­schei­dung an den inso­weit erlas­se­nen ermes­sens­bin­den­den Richt­li­ni­en, Erlas­sen oder Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten aus­ge­rich­tet hat. Die­ser Rechts­schutz ist hier – vor­ver­la­gert – gegen die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung der Aus­wahl­kon­fe­renz „Zukunfts­per­so­nal“ als trup­pen­dienst­li­che Maß­nah­me im Sin­ne des § 17 Abs. 1 Satz 1, Abs. 3 Satz 1 WBO eröff­net, weil sie mit der Zuord­nung eines Sol­da­ten zum „Nicht-Zukunfts­per­so­nal“ des­sen Rech­te berührt.

Nichts ande­res ergä­be sich, wenn die zustän­di­ge per­so­nal­be­ar­bei­ten­de Stel­le bei Sol­da­ten, die dem „Nicht-Zukunfts­per­so­nal“ zuge­ord­net sind, im Ein­zel­fall aus Grün­den eines erst nach­träg­lich erkann­ten spe­zi­fi­schen Bedarfs vor­läu­fig von einer Weg­ver­set­zung von dem bis­he­ri­gen flie­ge­ri­schen Dienst­pos­ten abse­hen soll­te. In einer der­ar­ti­gen Kon­stel­la­ti­on unter­wirft sich die per­so­nal­be­ar­bei­ten­de Stel­le einer neu­en For­de­rung des Bedarfs­trä­gers und trifft auch inso­weit kei­ne eige­ne Ermes­sens­ent­schei­dung. Genau des­halb ist in dem Bescheid des Per­so­nal­amts der Bun­des­wehr vom 31.10.2012 auf die Mög­lich­keit einer neu­en „Bera­tung“ bei nach­träg­lich auf­tre­ten­dem Bedarf hin­ge­wie­sen worden.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts [5] folgt bei beam­ten­recht­li­chen Kon­kur­ren­ten­strei­tig­kei­ten um Beför­de­rungs­äm­ter aus Art. 33 Abs. 2 i.V.m. Art.19 Abs. 4 GG die Ver­pflich­tung des Dienst­herrn, die sei­ner Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen­den wesent­li­chen Aus­wahl­er­wä­gun­gen schrift­lich nie­der­zu­le­gen. § 3 Abs. 1 SG über­nimmt die Grund­sät­ze des Art. 33 Abs. 2 GG in das Dienst­ver­hält­nis der Sol­da­ten und erstreckt sie über Ernen­nun­gen hin­aus aus­drück­lich auf Ver­wen­dungs­ent­schei­dun­gen. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat des­halb eine ent­spre­chen­de Ver­pflich­tung zur Doku­men­ta­ti­on der wesent­li­chen Aus­wahl­er­wä­gun­gen auch für Ent­schei­dun­gen ange­nom­men, die ein Kon­kur­renz­ver­hält­nis um eine höher­wer­ti­ge mili­tä­ri­sche Ver­wen­dung betref­fen [6]. Zu den Aus­wahl­ent­schei­dun­gen, die am Maß­stab des Art. 33 Abs. 2 GG bzw. des § 3 Abs. 1 SG aus­zu­rich­ten sind, gehö­ren auch die Ent­schei­dun­gen über einen Lauf­bahn­auf­stieg [7] und über die mili­tä­ri­sche Lauf­bahn­zu­las­sung bzw. den Lauf­bahn­wech­sel [8]. Sie unter­lie­gen eben­falls der Dokumentationspflicht.

Im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren geht es indes­sen weder um die Kon­kur­renz um höher­wer­ti­ge Dienst­pos­ten noch um einen Lauf­bahn­auf­stieg noch um die Fra­ge der Zulas­sung zu einer mili­tä­ri­schen Lauf­bahn oder um einen Lauf­bahn­wech­sel, son­dern um eine Aus­wahl, wel­cher Sol­dat in einer flie­ge­ri­schen Ver­wen­dung ver­blei­ben darf.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt kann offen­las­sen, ob im vor­be­zeich­ne­ten Sin­ne eine förm­li­che Doku­men­ta­ti­ons­pflicht für die Aus­wahl­kon­fe­renz „Zukunfts­per­so­nal“ bestan­den hat. Denn der ent­schei­den­de Sinn und Zweck der Doku­men­ta­ti­on der wesent­li­chen Aus­wahl­er­wä­gun­gen, einer­seits einem nicht aus­ge­wähl­ten Sol­da­ten die Mög­lich­keit der Kennt­nis­nah­me der Grün­de für die Ableh­nung und ande­rer­seits dem Gericht die Mög­lich­keit der eigen­stän­di­gen Nach­voll­zie­hung der ange­grif­fe­nen Ent­schei­dung zu eröff­nen [9], ist hier erfüllt. In den Kon­fe­renz­un­ter­la­gen des Per­so­nal­amts der Bun­des­wehr ist der aus­schlag­ge­ben­de Grund für die Zuord­nung des Antrag­stel­lers zum „Nicht-Zukunfts­per­so­nal“ – Flie­ge­ri­scher Dienst – ver­merkt; die­ser Grund ist auch im wei­te­ren Ver­lauf des Ver­fah­rens wie­der­holt vom Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung bekräf­tigt wor­den. Danach hat den Aus­schlag der Umstand gege­ben, dass der Antrag­stel­ler nicht über die Tro­pen­dienst­ver­wen­dungs­fä­hig­keit verfügt.

Die Ent­schei­dung der Aus­wahl­kon­fe­renz „Zukunfts­per­so­nal“ ist auch mate­ri­ell rechtmäßig.

Rechts­grund­la­gen für die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung sind der vom Inspek­teur des Hee­res am 3.09.2012 gebil­lig­te „Kri­te­ri­en- und Maß­nah­men­ka­ta­log“ und die vom Gene­ral der Hee­res­flie­ger­trup­pe am 19.07.2012 erlas­se­ne „Beson­de­re Anwei­sung für den flie­ge­ri­schen Dienst im Heer“. Zum Erlass des „Kri­te­ri­en- und Maß­nah­men­ka­ta­lo­ges“ und zu wei­te­ren Wei­sun­gen an den Gene­ral der Hee­res­flie­ger­trup­pe war der Inspek­teur des Hee­res auf­grund der ihm im Dresd­ner Erlass vom 21.03.2012 vom Minis­ter zuge­wie­se­nen Kom­pe­tenz- und Vor­ge­setz­ten­stel­lung ermächtigt.

Nach dem „Kri­te­ri­en­ka­ta­log Zukunfts­per­so­nal“ dür­fen bei den Kan­di­da­ten für das Zukunfts­per­so­nal „kei­ne dau­er­haf­ten flug­me­di­zi­ni­schen oder medi­zi­ni­schen Ein­schrän­kun­gen oder Aus­schlüs­se in der Ver­wen­dungs­fä­hig­keit (Kri­te­ri­en wie z.B. Tro­pen­ver­wen­dungs­fä­hig­keit) und dazu­ge­hö­rig kein dau­er­haf­ter Aus­schluss für Über­le­bens­lehr­gän­ge und ein­satz­vor­be­rei­ten­de Aus­bil­dung“ vor­lie­gen. Nach Nr. 2 der „Beson­de­ren Anwei­sung für den flie­ge­ri­schen Dienst im Heer“ stellt unter ande­rem die Tro­pen­dienst­ver­wen­dungs­fä­hig­keit eine zwin­gen­de Vor­ga­be für die Beset­zung flie­ge­ri­scher Dienst­pos­ten dar. Der Antrag­stel­ler ist unstrei­tig nicht tro­pen­dienst­ver­wen­dungs­fä­hig. Dies ergibt sich aus den im Sach­ver­halt mit­ge­teil­ten Ärzt­li­chen Mit­tei­lun­gen für die Per­so­nal­ak­te, in denen das Flug­me­di­zi­ni­sche Insti­tut der Luft­waf­fe seit 1999 durch­ge­hend bis zum 21.09.2012 fest­ge­stellt hat, dass der Antrag­stel­ler nicht tro­pen­dienst­ver­wen­dungs­fä­hig ist und dass die ihm für die Wehr­flie­ger­ver­wen­dungs­fä­hig­keit II erteil­te Son­der­ge­neh­mi­gung die Tro­pen­dienst­ver­wen­dungs­fä­hig­keit nicht ein­schließt. Der Antrag­stel­ler hat im Schrift­satz sei­ner Bevoll­mäch­tig­ten vom 18.07.2013 eben­falls ein­ge­räumt, dass er nicht tro­pen­dienst­ver­wen­dungs­fä­hig ist. Die von ihm offen­bar gewünsch­te Ein­zel­fall­ent­schei­dung nach Maß­ga­be der Nr. 2, 2. Absatz der zitier­ten Beson­de­ren Anwei­sung kommt nur in Betracht, wenn „Ein­schrän­kun­gen“ der Ver­wen­dungs­fä­hig­keit vor­lie­gen. Bei einem tota­len Feh­len der Ver­wen­dungs­fä­hig­keit, hier der Tro­pen­dienst­ver­wen­dungs­fä­hig­keit, ist aber eine der­ar­ti­ge Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung nicht möglich.

Es ist danach nicht ermes­sens­feh­ler­haft, dass die Aus­wahl­kon­fe­renz „Zukunfts­per­so­nal“ den Antrag­stel­ler wegen feh­len­der Tro­pen­dienst­ver­wen­dungs­fä­hig­keit dem „Nicht-Zukunfts­per­so­nal“ der Hee­res­flie­ger­trup­pe – Flie­ge­ri­scher Dienst – zuge­ord­net hat, ohne inso­weit die Mög­lich­keit einer Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung in Erwä­gung zu zie­hen. Das Flug­me­di­zi­ni­sche Insti­tut der Luft­waf­fe hat die Ertei­lung einer der­ar­ti­gen Aus­nah­me- bzw. Son­der­ge­neh­mi­gung für den Antrag­stel­ler bereits seit Jah­ren geprüft und stets, zuletzt am 21.09.2012 und damit unmit­tel­bar vor der Aus­wahl­kon­fe­renz abgelehnt.

Die vom Antrag­stel­ler genann­ten drei Beru­fungs­fäl­le durch­bre­chen nicht die Selbst­bin­dung des Inspek­teurs des Hee­res und des Gene­rals der Hee­res­flie­ger­trup­pe in den genann­ten Rege­lun­gen und Anwei­sun­gen. Denn der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung, dem die drei Fäl­le nach eige­ner Dar­stel­lung nicht bekannt waren, hat nach deren Bekannt­ga­be durch den Antrag­stel­ler unver­züg­lich mit Schrift­satz vom 23.10.2013 mit­ge­teilt, dass er das Bun­des­amt für das Per­so­nal­ma­nage­ment der Bun­des­wehr beauf­tragt habe, bei die­sen Offi­zie­ren die wei­te­re Zuge­hö­rig­keit zum Zukunfts­per­so­nal Hee­res­flie­ger unter beson­de­rer Berück­sich­ti­gung der Dau­er ihrer gesund­heit­li­chen Ein­schrän­kun­gen zu über­prü­fen. Für die­se drei Offi­zie­re hat der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung also nicht pau­schal eine Aus­nah­me von dem Erfor­der­nis der Tro­pen­dienst­ver­wen­dungs­fä­hig­keit aus­ge­spro­chen, son­dern aus­drück­lich an der Bewer­tung fest­ge­hal­ten, dass eine feh­len­de dau­er­haf­te Tro­pen­dienst­ver­wen­dungs­fä­hig­keit die Zuord­nung zum „Zukunfts­per­so­nal“ der Hee­res­flie­ger­trup­pe – Flie­ge­ri­sches Per­so­nal – ausschließt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 6. Febru­ar 201 – 1 WB 35.2013 -

  1. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 09.11.2005 – 1 WB 34.05, Buch­holz 311 § 17 WBO Nr. 59; vom 30.04.2008 – 1 WB 44.07, Buch­holz 450.1 § 17 WBO Nr. 71; und vom 27.04.2010 – 1 WB 72.09, Rn. 16 m.w.N.[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 28.05.2008 – 1 WB 19.07, Rn.19, inso­weit nicht ver­öf­fent­licht in Buch­holz 449 § 3 SG Nr. 44; vgl. auch Beschlüs­se vom 11.01.1983 – 1 WB 129.82, BVerw­GE 76, 50, 51; vom 14.11.1995 – 1 WB 44.95, Buch­holz 236.1 § 3 SG Nr. 5 S. 6; und vom 23.10.2012 – 1 WB 59.11, Buch­holz 450.1 § 17 WBO Nr. 84 Rn. 32[]
  3. BVerwG, Beschluss vom 27.04.2010 – 1 WB 72.09, Rn. 24[]
  4. BMVg Fü S I 1 – Az 19–02-08 – vom 26.06.2008, VMBl 2008, S. 142[]
  5. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 09.07.2007 – 2 BvR 206/​07BVerfGK 11, 398 = NVwZ 2007, 1178 = ZBR 2008, 169[]
  6. BVerwG, Beschlüs­se vom 25.04.2007 – 1 WB 31.06, BVerw­GE 128, 329 = Buch­holz 449 § 3 SG Nr. 41; vom 16.12 2008 – 1 WB 19.08, BVerw­GE 133, 13 = Buch­holz 449 § 3 SG Nr. 50; und vom 13.04.2011 – 1 WB 21.10, Rn. 28[]
  7. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 10.12 2008 – 2 BvR 2571/​07, NVwZ 2009, 389 10[]
  8. BVerwG, Beschlüs­se vom 28.10.2008 – 1 WB 32.08, Rn. 25; und vom 21.07.2011 – 1 WB 46.10, Rn. 37, inso­weit nicht abge­druckt in Buch­holz 449.2 § 6 SLV 2002 Nr. 5[]
  9. BVerwG, Beschluss vom 16.12 2008 – 1 WB 19.08, BVerw­GE 133, 13 = Buch­holz 449 § 3 SG Nr. 50 jeweils Rn. 35[]