Ver­wen­dungs­zu­la­ge bei der Über­tra­gung eines höher­wer­ti­gen Amtes

Vor­aus­set­zun­gen für die Zula­ge in Höhe des Unter­schieds­be­tra­ges zwi­schen dem Grund­ge­halt der Besol­dungs­grup­pe, der das Amt des Beam­ten zuge­ord­net ist, und dem Grund­ge­halt der Besol­dungs­grup­pe, nach der der wahr­ge­nom­me­ne höher­wer­ti­ge Dienst­pos­ten bewer­tet ist, sind die kom­mis­sa­ri­sche Über­tra­gung des höher­wer­ti­gen Dienst­pos­tens, die unun­ter­bro­che­ne Aus­übung der damit ver­bun­de­nen Dienst­ge­schäf­te seit bereits 18 Mona­ten sowie die nach dem Haus­halts­recht und dem Lauf­bahn­recht bestehen­de Mög­lich­keit, den Beam­ten zu beför­dern1.

Ver­wen­dungs­zu­la­ge bei der Über­tra­gung eines höher­wer­ti­gen Amtes

ach Sinn und Zweck des § 46 Abs. 1 BBesG wird dem Beam­ten ein Anreiz gebo­ten, einen höher­wer­ti­gen Dienst­pos­ten ver­tre­tungs­wei­se zu über­neh­men. Dar­über hin­aus sol­len die erhöh­ten Anfor­de­run­gen des wahr­ge­nom­me­nen Amtes hono­riert und der Ver­wal­tungs­trä­ger davon abge­hal­ten wer­den, freie Stel­len auf Dau­er aus fis­ka­li­schen oder ande­ren „haus­ge­mach­ten” Grün­den nicht ent­spre­chend der Bewer­tung gemäß der Ämter­ord­nung des Besol­dungs­rechts zu beset­zen. Aller­dings soll dies nicht zu Mehr­kos­ten bei den öffent­lich-recht­li­chen Dienst­her­ren füh­ren2.

Die Inten­ti­on des Gesetz­ge­bers, einen Anspruch auf die Zula­ge nur dann zu gewäh­ren, wenn dies kei­ne Mehr­be­las­tung des Haus­halts zur Fol­ge hat, fin­det im Wort­laut des § 46 Abs. 1 BBesG Aus­druck, wonach die haus­halts­recht­li­chen und lauf­bahn­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Über­tra­gung „die­ses Amtes” vor­lie­gen müs­sen. Der Begriff des Amtes wird in die­ser Vor­schrift ein­heit­lich ver­wen­det. Gemeint ist das Amt im sta­tus­recht­li­chen Sin­ne, dem das ver­tre­tungs­wei­se wahr­ge­nom­me­ne Amt im kon­kret-funk­tio­nel­len Sin­ne der Bewer­tung nach zuge­ord­net ist. Aus­schließ­lich ein Amt im sta­tus­recht­li­chen Sin­ne kann Maß­stab für die Bewer­tung von Auf­ga­ben sein; nur die Über­tra­gung eines sol­chen Amtes kann lauf­bahn­recht­li­che und haus­halts­recht­li­che Vor­aus­set­zun­gen haben. Die auf die indi­vi­du­el­len Ver­hält­nis­se bezo­ge­nen nor­ma­ti­ven Anfor­de­run­gen schlie­ßen es aus, dass auch im Fal­le einer Ver­hin­de­rungs­ver­tre­tung Anspruch auf die Zula­ge besteht. Viel­mehr muss die Plan­stel­le des kon­kre­ten Amtes frei sein3.

Die Zula­ge kommt nur bei einer „Vakanz­ver­tre­tung”, nicht aber bei einer „Ver­hin­de­rungs­ver­tre­tung” in Betracht. Eine „Vakanz­ver­tre­tung” liegt vor, wenn es für die in Rede ste­hen­de Auf­ga­be bzw. den dafür ein­ge­rich­te­ten Dienst­pos­ten eine freie und besetz­ba­re Plan­stel­le gibt, die dem wahr­ge­nom­me­nen Amt im kon­kret-funk­tio­nel­len Sin­ne zuge­ord­net ist. Erst wenn eine kon­gru­en­te Vakanz von Dienst­pos­ten und Plan­stel­le besteht, sind die haus­halts­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Über­tra­gung des höher­wer­ti­gen Amtes nach § 46 Abs. 1 Satz 1 BBesG gege­ben4.

§ 46 Abs. 1 BBesG sieht die Zah­lung einer Zula­ge nur vor, wenn die lauf­bahn­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Über­tra­gung des­je­ni­gen höher­wer­ti­gen Sta­tusam­tes vor­lie­gen, dem die über­tra­ge­nen Auf­ga­ben zuge­ord­net sind. Solan­ge eine Beför­de­rung des Vakanz­ver­tre­ters in das funk­ti­ons­ge­rech­te Sta­tus­amt nicht mög­lich ist, darf eine Zula­ge nach § 46 Abs. 1 BBesG nicht gewährt wer­den. Sie kommt erst in Betracht, wenn einer Beför­de­rung des Beam­ten in das höher­wer­ti­ge Amt kei­ne lauf­bahn­recht­li­chen Hin­der­nis­se mehr ent­ge­gen­ste­hen (sog. „Beför­de­rungs­rei­fe”)5. Maß­geb­lich sind inso­weit allein die Bestim­mun­gen des Lauf­bahn­rechts. Damit nicht in Ein­klang ste­hen­de Ver­wal­tungs­übun­gen und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten blei­ben außer Betracht6.

Erfor­der­lich ist mit­hin, dass die lauf­bahn­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine Beför­de­rung in „das Amt im sta­tus­recht­li­chen Sin­ne” vor­lie­gen, „dem das ver­tre­tungs­wei­se wahr­ge­nom­me­ne Amt im kon­kret-funk­tio­nel­len Sin­ne der Bewer­tung nach zuge­ord­net ist”. Das sta­tus­recht­li­che Amt wird grund­sätz­lich durch die Zuge­hö­rig­keit zu einer Lauf­bahn und Lauf­bahn­grup­pe, durch das End­grund­ge­halt der Besol­dungs­grup­pe und durch die dem Beam­ten ver­lie­he­ne Amts­be­zeich­nung gekenn­zeich­net7.

Dies ist nicht der Fall, wenn ein Beam­ter aus der Lauf­bahn des mitt­le­ren tech­ni­schen Diens­tes in der Bun­des­wehr­ver­wal­tung auf einem mili­tä­ri­schen Dienst­pos­ten ver­wen­det wird. Die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung, Befeh­le eines Sol­da­ten unter­schie­den sich nicht von Anord­nun­gen eines Beam­ten, ist nicht zu fol­gen. Das Beam­ten- und das Sol­da­ten­ver­hält­nis beru­hen auf völ­lig unter­schied­li­chen gesetz­li­chen Grund­la­gen, näm­lich dem Bun­des­be­am­ten­ge­setz und der Bun­des­lauf­bahn­ver­ord­nung einer­seits und dem Sol­da­ten­ge­setz, dem Wehr­pflicht­ge­setz u. a. und der Sol­da­ten­lauf­bahn­ver­ord­nung ande­rer­seits.

Zwar liegt der Vor­schrift des § 46 Abs. 1 BBesG die Vor­stel­lung zugrun­de, dass ein Dienst­herr nur einem Beam­ten die Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben eines höher­wer­ti­gen Amtes über­trägt, dem das ent­spre­chen­de Sta­tus­amt im Wege der Beför­de­rung ver­lie­hen wer­den kann8. Dass hier der Dienst­herr des Klä­gers offen­bar anders ver­fah­ren ist, führt ange­sichts des Wort­lauts des § 46 Abs. 1 BBesG („die­ses Amt”) gleich­wohl nicht zu einer ande­ren Ent­schei­dung.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 16. Sep­tem­ber 2014 – 5 LA 94/​14

  1. BVerwG, Urteil vom 28.04.2005 – 2 C 29.04
  2. BVerwG, Urteil vom 28.04.2005, a. a. O., Rn. 14
  3. BVerwG, Urteil vom 28.04.2005, a. a. O., Rn. 15
  4. vgl. BVerwG, Urteil vom 28.04.2005, a. a. O., Rnrn. 17, 18
  5. BVerwG, Urteil vom 07.04.2005 – 2 C 8.0419 unter Hin­weis auf BT-Drs. 13/​3994, S. 43
  6. BVerwG, Urteil vom 28.04.2011 – 2 C 30.09 22
  7. BVerwG, Urteil vom 19.09.2008 – 2 C 8.07 15
  8. vgl. BVerwG, Urteil vom 28.04.2011, a. a. O., Rn. 24 wie­der­um unter Hin­weis u. a. auf BT-Drs. 13/​3994 S. 43