Wech­sel­schicht­zu­la­ge für die neue Tätig­keit

Der Anspruch auf die Wech­sel­schicht­zu­la­ge nach § 20 Abs. 1 Satz 1 EZulV ent­steht gemäß § 18 Abs. 1 EZulV mit der tat­säch­li­chen Auf­nah­me der zula­ge­be­rech­ti­gen­den Tätig­keit. Des­halb ist bei einer Neu­auf­nah­me einer Wech­sel­schicht­tä­tig­keit das Nacht­schicht­pen­sum für die bei­den ers­ten Mona­te auf zehn Wochen hoch­zu­rech­nen.

Wech­sel­schicht­zu­la­ge für die neue Tätig­keit

Nach § 20 Abs. 1 Satz 1 EZulV ist der Anspruch eines Beam­ten auf die Gewäh­rung der monat­lich zu zah­len­den Wech­sel­schicht­zu­la­ge an zwei Vor­aus­set­zun­gen geknüpft. Zum einen muss der Beam­te stän­dig im Wech­sel­schicht­dienst ein­ge­setzt sein, zum ande­ren muss er in je fünf Wochen durch­schnitt­lich min­des­tens 40 Dienst­stun­den in der dienst­plan­mä­ßi­gen oder betriebs­üb­li­chen Nacht­schicht leis­ten. Nach der Begriffs­be­stim­mung des Sat­zes 1 des § 20 Abs. 1 EZulV sind Wech­sel­schich­ten wech­seln­de Arbeits­schich­ten, in denen unun­ter­bro­chen bei Tag und Nacht, werk­tags, sonn­tags und fei­er­tags gear­bei­tet wird. Im Schicht­plan vor­ge­se­he­ne Schich­ten mit unter­schied­li­chem Dienst­be­ginn und Diens­ten­de müs­sen „rund um die Uhr“ jeden Tag ohne zeit­li­che Unter­bre­chung abde­cken. Der Beam­te wird im Wech­sel­schicht­dienst ein­ge­setzt, wenn er sei­nen Dienst regel­mä­ßig, d.h. nicht bedarfs­ori­en­tiert, son­dern nach den Vor­ga­ben des Schicht­pla­nes abwech­selnd in den ver­schie­de­nen Schich­ten ver­rich­tet. Sei­ne Dienst­zei­ten müs­sen sich regel­mä­ßig ändern.

Die in § 20 Abs. 1 Satz 1 EZulV zur Bestim­mung des erfor­der­li­chen Nacht­schicht­pen­sums gebrauch­te For­mu­lie­rung „in je fünf Wochen durch­schnitt­lich min­des­tens 40 Dienst­stun­den in der dienst­plan­mä­ßi­gen oder betriebs­üb­li­chen Nacht­schicht“ ist nach der Recht­spre­chung des Senats dahin­ge­hend zu ver­ste­hen, dass der stän­dig im Wech­sel­schicht­dienst ein­ge­setz­te Beam­te in einem Berech­nungs­zeit­raum von zehn Wochen min­des­tens 80 Nacht­schicht­stun­den auf­wei­sen muss 1.

Zeit­li­cher End­punkt die­ses Berech­nungs­zeit­raums ist der letz­te Tag des Monats, für den die Wech­sel­schicht­zu­la­ge gewährt wer­den soll. Die zehn Wochen vor die­sem Tag bil­den den zeit­li­chen Rah­men für die Berech­nung des erfor­der­li­chen Nacht­schicht­pen­sums. Daher erwirbt ein stän­dig im Wech­sel­schicht­dienst ein­ge­setz­ter Beam­ter den Anspruch auf die Wech­sel­schicht­zu­la­ge für den jewei­li­gen Monat, wenn ihm in den zehn Wochen vor dem Monats­en­de min­des­tens 80 Nacht­schicht­stun­den gut­zu­schrei­ben sind. Die­ser Anspruch wird mit Beginn des Wech­sel­schicht­diens­tes erwor­ben (§ 18 Abs. 1 EZulV). Da die­ser zurück­lie­gen­de Zeit­raum für die bei­den ers­ten Mona­te des stän­di­gen Ein­sat­zes im Wech­sel­schicht­dienst für eine Berech­nung nicht zur Ver­fü­gung steht, muss das Nacht­schicht­pen­sum, das der Beam­te in die­sen Mona­ten absol­viert hat, auf zehn Wochen hoch­ge­rech­net wer­den. Erreicht der Beam­te den nach § 20 Abs. 1 Satz 1 EZulV erfor­der­li­chen Nacht­schicht­an­teil im Berech­nungs­zeit­raum nicht, kommt für den jewei­li­gen Monat die Gewäh­rung einer nied­ri­ge­ren Schicht­zu­la­ge nach § 20 Abs. 2 EZulV in Betracht 2.

Dies folgt unmit­tel­bar aus § 18 Abs. 1 EZulV. Nach die­ser Vor­schrift ent­steht der Anspruch auf die Zula­ge mit der tat­säch­li­chen Auf­nah­me der zula­ge­be­rech­ti­gen­den Tätig­keit und erlischt mit deren Been­di­gung, soweit in den §§ 19 bis 26 nichts ande­res bestimmt ist. Die­se Vor­schrift ist als all­ge­mei­ne Vor­schrift dem 3. Abschnitt der Erschwer­nis­zu­la­gen­ver­ord­nung vor­an­ge­stellt und gilt für die nach­fol­gend auf­ge­führ­ten Zula­gen im 3. Abschnitt, die in fes­ten Monats­be­trä­gen zu zah­len sind. Aus ihr folgt unmit­tel­bar, dass die Wech­sel­schicht­zu­la­ge grund­sätz­lich nicht erst zwei Mona­te nach Auf­nah­me der Wech­sel­schicht­tä­tig­keit gezahlt wird, son­dern bereits mit der tat­säch­li­chen Auf­nah­me der Wech­sel­schicht, also bereits im ers­ten Monat der Wech­sel­schicht­tä­tig­keit. Eine ande­re Bestim­mung im Sin­ne des § 18 Abs. 1 EZulV ist nur dann anzu­neh­men, wenn eine Vor­schrift aus­drück­lich, d.h. unter Ver­weis oder Bezug­nah­me auf die­se Vor­schrift, eine Aus­nah­me von die­sem Grund­satz ent­hält 3. Hier­an fehlt es in § 20 Abs. 1 Satz 1 EZulV. Das Vor­brin­gen der Beklag­ten, dass der Beam­te bereits ab dem ers­ten Tag der Auf­nah­me sei­ner Wech­sel­schicht­tä­tig­keit eine (Schicht-)Zulage nach § 20 Abs. 2 Buchst. b EZulV erhält, führt zu kei­nem ande­ren Ergeb­nis. Denn der Umstand, dass in den Fäl­len, in denen der Beam­te Schicht­dienst leis­tet, ohne die Vor­aus­set­zun­gen für eine Wech­sel­schicht­tä­tig­keit im Sin­ne des § 20 Abs. 1 Satz 1 EZulV zu erfül­len, wegen der Erschwer­nis­se des Schicht­diens­tes eine Schicht­zu­la­ge gewährt wird, ist kei­ne aus­drück­li­che Aus­nah­me von der all­ge­mei­nen Vor­schrift des § 18 Abs. 1 EZulV.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 12. Dezem­ber 2011 – 2 B 9.11

  1. BVerwG, Urtei­le vom 11.12.1997 – 2 C 36.96, Buch­holz 240.1 BBe­sO Nr.19 S. 27 und vom 27.10.2011 – 2 C 73.10[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 27.10.2011 a.a.O.[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 27.10.2011 a.a.O zur all­ge­mei­nen Vor­schrift des § 19 Abs. 1 Satz 1 EZulV[]