Weit­ge­hen­de Gleich­be­hand­lung von Beam­ten in ein­ge­tra­ge­ner Lebens­part­ner­schaft

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat­te ges­tern in meh­re­ren Fäl­len über die Gleich­stel­lung von Beam­tin­nen und Beam­ten, die in einer ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft leben, mit ver­hei­ra­te­ten Beam­tin­nen und Beam­ten zu ent­schei­den und hat dabei in allen drei Fäl­len dem jewei­li­gen Lebens­part­ner die glei­chen Rech­te zuge­bil­ligt wie einem Ehe­gat­ten:

Weit­ge­hen­de Gleich­be­hand­lung von Beam­ten in ein­ge­tra­ge­ner Lebens­part­ner­schaft

In zwei Ver­fah­ren [1] hat­ten die Klä­ger als Beam­te im Aus­wär­ti­gen Dienst gel­tend gemacht, dass ihnen Aus­lands­zu­schlä­ge für die Zei­ten einer Aus­lands­ver­wen­dung bzw. die Auf­wands­ent­schä­di­gung unter ande­rem für die Bei­be­hal­tung einer Woh­nung im Aus­land wäh­rend einer Abord­nung an eine wei­te­re Aus­lands­dienst­stel­le in glei­cher Wei­se zustün­den wie Ver­hei­ra­te­ten. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat in bei­den Fäl­len die Urtei­le des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin [2], das bereits im Sin­ne der Klä­ger geur­teilt hat­te, bestä­tigt:

Rechts­grund­la­ge der von den Klä­gern begehr­ten Leis­tun­gen sind Vor­schrif­ten des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes sowie eine Richt­li­nie des Aus­wär­ti­gen Amtes, von deren Wort­laut Beam­te in ein­ge­tra­ge­ner Lebens­part­ner­schaft nicht erfasst wer­den. Dem­ge­gen­über ver­bie­tet das Euro­päi­sche Gemein­schafts­recht (Uni­ons­recht) durch sei­ne Richt­li­nie 2000/​78/​EG zur Fest­le­gung eines all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäf­ti­gung und Beruf jede unmit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung wegen der sexu­el­len Aus­rich­tung. Eine unzu­läs­si­ge unmit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung liegt vor, wenn sich Per­so­nen oder Grup­pen im Hin­blick auf die in Rede ste­hen­de Norm in ver­gleich­ba­rer Lage befin­den und den­noch unter­schied­lich behan­delt wer­den. Ob dies der Fall ist, haben nach der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs die Gerich­te der Mit­glied­staa­ten zu ent­schei­den. In den vor­lie­gen­den Fäl­len sind die bean­trag­ten Leis­tun­gen Lebens­part­nern vor­ent­hal­ten wor­den, obwohl sie sich im Hin­blick auf die beson­de­ren Erschwer­nis­se bei Ein­sät­zen im Aus­land in einer mit Ehe­leu­ten ver­gleich­ba­ren Situa­ti­on befin­den.

In einem drit­ten Ver­fah­ren [3] hat­te der Klä­ger die Fest­stel­lung begehrt, dass nach sei­nem Tod sei­nem Lebens­part­ner die beam­ten­recht­li­che Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung wie einem Ehe­gat­ten zuste­he. Auch die­se Fra­ge hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt wie zuvor bereits das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin [4] bejaht. Ehe­part­ner und Lebens­part­ner befin­den sich nach gel­ten­dem Recht im Hin­blick auf die­se Leis­tung des Dienst­herrn in einer ver­gleich­ba­ren Lage, so dass sich die Vor­ent­hal­tung der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nach dem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts als unmit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung dar­stellt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 28. Okto­ber 2010 – 2 C 47.09, 2 C 52.09 und 2 C 56.09

  1. 2 C 56.09 und 2 C 52.09[]
  2. VG Ber­lin, Urtei­le vom 16.06.2009 – 26 A 108.06; und vom 22.09.2009 – 26 A 53.06[]
  3. 2 C 47.09[]
  4. VG Ber­lin, Urteil vom 06.05.2009 – 5 A 99.08[]