Wenn ein Leh­rer wäh­rend der Feri­en die Schu­le schwänzt

Unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen darf ein Leh­rer wäh­rend der Schul­fe­ri­en uner­laubt dem Dienst fern­blei­ben? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im Rah­men eines Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens zu befas­sen:

Wenn ein Leh­rer wäh­rend der Feri­en die Schu­le schwänzt

Der gesetz­li­che Begriff des uner­laub­ten Fern­blei­bens vom Dienst im Sin­ne von § 9 BBesG eben­so wie in § 96 Abs. 1 BBG, § 62 Abs. 1 Satz 1 LBG NRW erfasst Ver­stö­ße gegen die for­ma­le Dienst­leis­tungs­pflicht. Die­se Pflicht ver­langt von Beam­ten, sich wäh­rend der vor­ge­schrie­be­nen Zeit an dem vor­ge­schrie­be­nen Ort auf­zu­hal­ten, um die dienst­li­chen Auf­ga­ben zu erfül­len. Solan­ge ein Beam­ter dienst­un­fä­hig ist, ist er von der Dienst­leis­tungs­pflicht befreit, weil er sie nicht erfül­len kann 1.

Dem­zu­fol­ge ist geklärt, dass der dienst­fä­hi­ge Beam­te dem Dienst uner­laubt fern­bleibt, wenn er die zeit­lich und ört­lich kon­kre­ti­sier­te Pflicht zur Dienst­leis­tung nicht erfüllt, d.h. nicht (recht­zei­tig) zum Dienst erscheint oder sich vor der Zeit ent­fernt. Dage­gen hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bis­lang nicht ent­schie­den, ob uner­laub­tes Fern­blei­ben vom Dienst im Sin­ne von § 9 BBesG auch ohne zeit­li­che und ört­li­che Kon­kre­ti­sie­rung der Dienst­leis­tungs­pflicht in Betracht kommt, wie dies bei Leh­rern wäh­rend der Zei­ten der Schul­fe­ri­en der Fall ist.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat zu der Fra­ge der Dienst­leis­tung von Leh­rern wäh­rend der Unter­richts­zeit in sei­nem Urteil vom 30.08.2012 2 aus­ge­führt:

Für Leh­rer ist zu beach­ten, dass die zeit­li­che Fest­le­gung der Unter­richts­ver­pflich­tung, nicht aber der übri­gen Dienst­pflich­ten der Beson­der­heit Rech­nung trägt, dass Leh­rer nur wäh­rend ihrer Unter­richts­stun­den und wei­te­ren anlass­be­zo­ge­nen Dienst­pflich­ten (wie Teil­nah­me an Klas­sen­kon­fe­ren­zen, Gesprä­che mit Eltern, Pau­sen­auf­sicht u.a.) zur Anwe­sen­heit in der Schu­le ver­pflich­tet sind. Dage­gen bleibt es ihnen über­las­sen, wo und wann sie die Dienst­pflich­ten der Vor- und Nach­be­rei­tung des Unter­richts ein­schließ­lich der Kor­rek­tur von Klas­sen­ar­bei­ten erfül­len 3.

Die Fra­ge nach dem Ver­hält­nis von Urlaubs- und Eigen­ar­beits­zeit wäh­rend der Schul­fe­ri­en ist dage­gen nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich. Ent­schei­dungs­er­heb­lich ist allein, ob der Klä­ger dem Dienst gemäß § 9 Satz 1 BBesG schuld­haft fern­ge­blie­ben ist. Für die Ent­schei­dung, ob es dar­an fehlt oder ein schuld­haf­tes Fern­blei­ben zu beja­hen ist, kommt es auf die Ver­tei­lung von Urlaub und Eigen­ar­beit wäh­rend der (Sommer-)Schulferien nicht an.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 24. Sep­tem­ber 2014 – 2 B 92.2013 -

  1. stRspr; vgl. BVerwG, Urtei­le vom 25.09.2003 – 2 C 49.02, Buch­holz 240 § 9 BBesG Nr. 26; vom 11.10.2006 – 1 D 10.05, Buch­holz 232 § 73 BBG Nr. 30 Rn. 34; und vom 10.04.1997 – 2 C 29.96, BVerw­GE 104, 230, 232[]
  2. BVerwG, Urteil vom 30.08.2012 – 2 C 23.10, BVerw­GE 144, 93 Rn. 13[]
  3. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 23.09.2004 – 2 C 61.03, BVerw­GE 122, 65, 66 f. = Buch­holz 240 § 6 BBesG Nr. 23 S. 5 m.w.N.; und vom 23.06.2005 – 2 C 21.04, BVerw­GE 124, 11, 13 = Buch­holz 240 § 6 BBesG Nr. 24 S. 13[]