Zuwei­sung eines Beam­ten zu einer Tele­kom-Toch­ter

Mit der Fra­ge, ob die dau­er­haf­te Zuwei­sung eines Beam­ten des höhe­ren Diens­tes der Deut­schen Tele­kom AG zu einem Toch­ter- oder Enkel­un­ter­neh­men der Deut­schen Tele­kom AG recht­mä­ßig ist, hat­te sich jetzt das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg in dem Fall eines Post­di­rek­tors (Besol­dungs­grup­pe A 15 BBe­sO) zu befas­sen, der als Seni­or Exper­te der Tele­kom Deutsch­land GmbH zuge­wie­sen wor­den war.

Zuwei­sung eines Beam­ten zu einer Tele­kom-Toch­ter

Das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hielt die Zuwei­sungs­ver­fü­gung auch mate­ri­ell für recht­mä­ßig:

Rechts­grund­la­ge der Zuwei­sungs­ver­fü­gung ist § 4 Abs. 4 Sät­ze 2 und 3 Post­Pers­RG. Danach ist die dau­er­haf­te Zuwei­sung einer dem Amt ent­spre­chen­den Tätig­keit auch ohne Zustim­mung des Beam­ten zuläs­sig bei Unter­neh­men, deren Antei­le ganz oder mehr­heit­lich der Akti­en­ge­sell­schaft 1 gehö­ren, bei der der Beam­te beschäf­tigt ist, wenn die Akti­en­ge­sell­schaft hier­an ein drin­gen­des betrieb­li­ches oder per­so­nal­wirt­schaft­li­ches Inter­es­se hat und die Zuwei­sung nach all­ge­mei­nen beam­ten­recht­li­chen Grund­sät­zen zumut­bar ist.

Kein Ver­stoß gegen die her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums

Die Vor­schrift des § 4 Abs. 4 Sät­ze 2 und 3 Post­Pers­RG ver­stößt weder gegen Art. 33 Abs. 5 GG noch gegen Art. 143 b Abs. 3 Satz 1 GG.

Der Inha­ber eines sta­tus­recht­li­chen Amtes kann gemäß Art. 33 Abs. 5 GG bean­spru­chen, dass ihm ein abs­trakt-funk­tio­nel­les Amt sowie ein amts­an­ge­mes­se­nes kon­kret-funk­tio­nel­les Amt, das heißt ein ent­spre­chen­der Dienst­pos­ten, über­tra­gen wer­den 2. Der Inhalt des sta­tus­recht­li­chen Amtes ergibt sich aus § 18 BBesG. Danach sind die Funk­tio­nen der Beam­ten nach den mit ihnen ver­bun­de­nen Anfor­de­run­gen sach­lich zu bewer­ten und den Ämtern zuzu­ord­nen. Die Ämter sind nach ihrer Wer­tig­keit den Besol­dungs­grup­pen zuzu­ord­nen. Der einem Beam­ten über­tra­ge­ne Auf­ga­ben­kreis muss dem ver­lie­he­nen sta­tus­recht­li­chen Amt ent­spre­chen 3. Die­se Grund­sät­ze gel­ten unein­ge­schränkt auch für die­je­ni­gen Beam­ten, die einem Nach­fol­ge­un­ter­neh­men der Deut­schen Bun­des­post zur Dienst­leis­tung zuge­wie­sen sind. Ihnen darf kein Funk­ti­ons­amt ent­zo­gen wer­den, ohne dass ihnen eine ande­re, ihrem Sta­tus ent­spre­chen­de Ämter­stel­lung über­tra­gen wird. Dabei erfüllt auch eine – auf Dau­er ange­leg­te – Zuwei­sung nach § 4 Abs. 4 Sät­ze 2 und 3 Post­Pers­RG zu einem Toch­ter- oder Enkel­un­ter­neh­men oder einer Betei­li­gungs­ge­sell­schaft eines Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­mens den Beschäf­ti­gungs­an­spruch des Beam­ten, wenn die stren­gen Vor­aus­set­zun­gen die­ser Rege­lun­gen beach­tet wer­den. Mit der Zuwei­sung hat der Gesetz­ge­ber eine der Ver­set­zung ver­gleich­ba­re Mög­lich­keit geschaf­fen, den Beam­ten unter Wah­rung des ver­lie­he­nen Sta­tusam­tes bei Toch­ter- oder Enkel­un­ter­neh­men der Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men zu beschäf­ti­gen. Der Anspruch des Beam­ten auf amts­an­ge­mes­se­ne Beschäf­ti­gung wird in die­sen Fäl­len bei einer auf Dau­er ange­leg­ten Ein­glie­de­rung in eine Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit eines der in § 4 Abs. 4 Sät­ze 2 und 3 Post­Pers­RG genann­ten Unter­neh­men und bei Über­tra­gung einer sei­nem Sta­tus­amt gleich­wer­ti­gen Tätig­keit im Sin­ne von § 8 Post­Pers­RG erfüllt, ohne dass dies ver­fas­sungs­recht­lich zu bean­stan­den ist 4.

Dau­er­haf­te Zuwei­sung an eine Toch­ter­ge­sell­schaft

Die Vor­aus­set­zun­gen des § 4 Abs. 4 Sät­ze 2 und 3 Post­Pers­RG sind bei sum­ma­ri­scher Prü­fung erfüllt.

Dem Antrag­stel­ler ist vor­aus­sicht­lich dau­er­haft eine sei­nem Amt ent­spre­chen­de Tätig­keit im Sin­ne des § 4 Abs. 4 Sät­ze 2 und 3 Post­Pers­RG zuge­wie­sen wor­den. Der Begriff der "dau­er­haf­ten Zuwei­sung einer dem Amt ent­spre­chen­den Tätig­keit" im Sin­ne des § 4 Abs. 4 Sät­ze 2 und 3 Post­Pers­RG beinhal­tet zum einen die dau­er­haf­te Zuwei­sung einer dem Amt ent­spre­chen­den "abs­trak­ten" Tätig­keit, wor­un­ter die Begrün­dung einer dau­er­haf­ten Bin­dung zwi­schen dem Beam­ten und einem Kreis von Arbeits­pos­ten zu ver­ste­hen ist, die bei einer Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit – wie zum Bei­spiel einer Filia­le, einem Betrieb oder einem Werk – eines Toch­ter- oder Enkel­un­ter­neh­mens oder einer Betei­li­gungs­ge­sell­schaft des Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­mens 5 auf Dau­er ein­ge­rich­tet und sei­nem Amt im sta­tus­recht­li­chen Sin­ne als gleich­wer­ti­ge Tätig­kei­ten zuge­ord­net sind. Er ent­hält zum ande­ren die Zuwei­sung einer dem Amt ent­spre­chen­den "kon­kre­ten" Tätig­keit, und zwar in Gestalt der erst­ma­li­gen Über­tra­gung eines der­je­ni­gen Arbeits­pos­ten, zu deren Kreis mit der dau­er­haf­ten Zuwei­sung einer dem Amt ent­spre­chen­den "abs­trak­ten" Tätig­keit eine Bin­dung begrün­det wird 6.

Im hier vom Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall ist dem Antrag­stel­ler bei der Tele­kom Deutsch­land GmbH, Bereich Zen­trum Mehr­wert­diens­te (ZMD) die Tätig­keit eines Seni­or Exper­ten und kon­kret die Tätig­keit als Seni­or Refe­rent Geschäfts­stra­te­gie und Stab "dau­er­haft" zuge­wie­sen wor­den. Dass es sich um eine dau­er­haf­te Zuwei­sung han­delt, hat der Antrag­stel­ler im Beschwer­de­ver­fah­ren nicht in Zwei­fel gezo­gen.

Grund­le­gen­de Neu­aus­rich­tung der Berufs­bil­der

Dem Antrag­stel­ler ist im ent­schie­de­nen Fall mit der ange­grif­fe­nen Ver­fü­gung bei der Tele­kom Deutsch­land GmbH, Bereich Zen­trum Mehr­wert­diens­te (ZMD) vor­aus­sicht­lich in dem dar­ge­stell­ten Sin­ne sowohl ein "abs­trak­tes" Tätig­keits­feld als Seni­or Exper­te als auch ein "kon­kre­ter" Arbeits­pos­ten als Seni­or Refe­rent Geschäfts­stra­te­gie und Stab in einer hin­rei­chend bestimm­ten Wei­se (§ 37 Abs. 1 VwVfG) zuge­wie­sen wor­den. Die Bezeich­nun­gen Seni­or Exper­te und Seni­or Refe­rent Geschäfts­stra­te­gie und Stab sind zwar für sich betrach­tet ange­sichts der tra­dier­ten Auf­ga­ben­fel­der der Beam­ten wenig aus­sa­ge­kräf­tig. Inso­weit ist jedoch zu berück­sich­ti­gen, dass mit den gra­vie­ren­den Ver­än­de­run­gen im Bereich der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on eine grund­le­gen­de Neu­aus­rich­tung der Berufs­bil­der ver­bun­den ist und dass das abs­trak­te Tätig­keits­feld und der kon­kre­te Arbeits­pos­ten des Seni­or Exper­ten durch den in der ange­grif­fe­nen Ver­fü­gung ent­hal­te­nen Auf­ga­ben­ka­ta­log hin­rei­chend bestimmt sind 7. Inso­weit hält das Nie­der­säch­si­che Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nicht mehr an sei­ner restrik­ti­ve­ren Auf­fas­sung fest, die er in frü­he­ren Ent­schei­dun­gen 8 ver­tre­ten hat­te.

Bewer­tung der neu­en Tätig­keit

Das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt geht bei sum­ma­ri­scher Prü­fung davon aus, dass die zuge­wie­se­ne Tätig­keit als Seni­or Exper­te dem sta­tus­recht­li­chen Amt des Antrag­stel­lers als Post­di­rek­tor der Besol­dungs­grup­pe A 15 BBe­sO im höhe­ren fern­mel­de­tech­ni­schen Dienst ent­spricht und damit amts­an­ge­mes­sen ist. Für die inso­weit gebo­te­ne gericht­li­che Prü­fung ist vor allem die Bewer­tung von Bedeu­tung, die die­ser Arbeits­platz im Rah­men des Prüf­ver­fah­rens bei der Deut­schen Tele­kom AG erfah­ren hat. In den Grün­den der Zuwei­sungs­ver­fü­gung ist hier­zu aus­ge­führt, dass der dem Antrag­stel­ler zuge­wie­se­ne Arbeits­pos­ten im Unter­neh­men Tele­kom Deutsch­land GmbH der Ent­gelt­grup­pe T 10 zuge­ord­net wor­den sei, die bei der Deut­schen Tele­kom AG der Besol­dungs­grup­pe A 15 BBe­sO ent­spre­che. Die Funk­ti­ons­be­zeich­nung des Seni­or Exper­ten ent­spre­che im Ver­gleich zur frü­he­ren Deut­schen Bun­des­post bzw. zu einer Bun­des­be­hör­de der Funk­ti­ons­ebe­ne eines Refe­ren­ten der Lauf­bahn­grup­pe des höhe­ren Diens­tes und der Besol­dungs­grup­pe A 15 BBe­sO.

Anhalts­punk­te dafür, dass die Bewer­tung und Zuord­nung des Arbeits­pos­tens sach­wid­rig sein und den durch § 18 BBesG gesteck­ten gesetz­li­chen Rah­men über­schrei­ten könn­ten, ver­mag das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt bei sum­ma­ri­scher Prü­fung nicht zu erken­nen. Der Annah­me, dass die zuge­wie­se­ne Tätig­keit als Seni­or Exper­te dem sta­tus­recht­li­chen Amt des Antrag­stel­lers als Post­di­rek­tor der Besol­dungs­grup­pe A 15 BBe­sO im höhe­ren fern­mel­de­tech­ni­schen Dienst ent­spricht und damit amts­an­ge­mes­sen ist, steht ent­ge­gen der Dar­le­gung des Antrag­stel­lers vor­aus­sicht­lich ins­be­son­de­re nicht die "Lauf­bahn-, Aus­bil­dungs- und Prü­fungs­ord­nung für die Lauf­bahn des höhe­ren fern­mel­de­tech­ni­schen Diens­tes bei der Deut­schen Bun­des­post (LAPO DFt)" ent­ge­gen. Die Antrags­geg­ne­rin hat zu dem Ein­wand des Antrag­stel­lers, die LAPO DFt sei nicht beach­tet wor­den, vor­ge­tra­gen, die Bewer­ter der Deut­schen Tele­kom AG sei­en auch unter Berück­sich­ti­gung der LAPO DFt zu dem Ergeb­nis gelangt, dass die Tätig­keit als Seni­or Exper­te für einen Post­di­rek­tor der Lauf­bahn des höhe­ren Diens­tes und der Fach­rich­tung des fern­mel­de­tech­ni­schen Diens­tes amts­an­ge­mes­sen sei. Inner­halb des Zen­trums Mehr­wert­diens­te wür­den alle Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen, die über die so genann­ten Stan­dard­pro­duk­te der Deut­schen Tele­kom AG hin­aus ein­ge­stuft wür­den, pro­du­ziert und betrie­ben. Das Zen­trum Mehr­wert­diens­te sei kei­ne rei­ne Mar­ke­ting- und Ver­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on. Der Orga­ni­sa­ti­ons­plan bele­ge, dass für die Mehr­wert­diens­te auch die Pro­dukt­ent­wick­lung, die Pro­zess­ge­stal­tung, der Betrieb und die Ver­ant­wor­tung von IT-Sys­te­men vor­han­den sei­en. Bei­spiel­haft sei die Abtei­lung ZM-MLO (Ope­ra­ti­ons Mehr­wert­lö­sun­gen) mit den Grup­pen Pro­duk­ti­ons­ent­wick­lung, Pro­duk­ti­ons­ma­nage­ment, Anfor­de­rungs- und Auf­trags­ma­nage­ment sowie OP Con­fe­ren­cing & Col­la­bo­ra­ti­on Solu­ti­on genannt. Die Ange­bo­te im Bereich Mehr­wert­diens­te sei­en auf der Basis der so genann­ten Stan­dard­pro­duk­te ent­stan­den und wür­den wei­ter­ent­wi­ckelt. Die­se Stan­dard­pro­duk­te sei­en typi­sche fern­mel­de­tech­ni­sche Diens­te, wie zum Bei­spiel Daten­re­dak­ti­on, öffent­li­che Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on und (Daten-) Mehr­wert­lö­sun­gen, die auch schon bei der Deut­schen Bun­des­post vor­han­den gewe­sen sei­en, wenn sich die­se Diens­te auch in tech­ni­scher Hin­sicht stark ver­än­dert hät­ten. Die Bereit­stel­lung die­ser Mehr­wert­diens­te basie­re auf tech­ni­schen Lösun­gen in vie­len Berei­chen. Bezo­gen auf die zen­tra­le Funk­ti­on eines Seni­or Exper­ten Geschäfts­stra­te­gie und Stab sei als Hin­ter­grund und Vor­aus­set­zung ein aus­ge­präg­tes tech­ni­sches und pro­zes­sua­les Ver­ständ­nis bei der Bereit­stel­lung die­ser vie­len, zum Teil unter­schied­li­chen Pro­duk­te des gesam­ten Zen­trums Mehr­wert­diens­te erfor­der­lich.

Das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat kei­ne Ver­an­las­sung, den Wahr­heits­ge­halt die­ser von einer Ange­stell­ten der Antrags­geg­ne­rin mit der Befä­hi­gung zum Rich­ter­amt gemach­ten Anga­ben in Zwei­fel zu zie­hen. Die Dar­stel­lung ist schlüs­sig und nach­voll­zieh­bar und wird des­halb der Beschwer­de­ent­schei­dung zugrun­de gelegt.

Drin­gen­des per­so­nal­wirt­schaft­li­ches Inter­es­se

Bei sum­ma­ri­scher Prü­fung besteht auch im Sin­ne des § 4 Abs. 4 Sät­ze 2 und 3 Post­Pers­RG ein "drin­gen­des betrieb­li­ches und per­so­nal­wirt­schaft­li­ches Inter­es­se" der Antrags­geg­ne­rin an der strei­ti­gen dau­er­haf­ten Zuwei­sung des Antrag­stel­lers. Es ergibt sich dar­aus, dass der Antrag­stel­ler, des­sen Arbeits­pos­ten bei der Deut­schen Tele­kom AG ersatz­los weg­ge­fal­len ist, bis­lang nicht amts­an­ge­mes­sen beschäf­tigt wer­den konn­te. Der Antrag­stel­ler war von 2002 bis 2003 auf einem nach der Besol­dungs­grup­pe A 8 BBe­sO und danach auf einem nach der Besol­dungs­grup­pe A 12 BBe­sO bewer­te­ten Dienst­pos­ten tätig. Das Gebot, einem sol­chen Beam­ten bei Toch­ter- oder Enkel­ge­sell­schaf­ten eine amts­an­ge­mes­se­ne Tätig­keit zuzu­wei­sen, folgt für die Antrags­geg­ne­rin zum einen aus der betriebs­wirt­schaft­li­chen Erwä­gung, dass die von ihr wei­ter ali­men­tier­ten Beam­ten auch eine Arbeits­leis­tung für den Kon­zern erbrin­gen sol­len. Es besteht zum ande­ren des­halb, weil die Antrags­geg­ne­rin nach beam­ten­recht­li­chen Grund­sät­zen und sogar von Ver­fas­sungs wegen (vgl. Art. 33 Abs. 5 GG) ver­pflich­tet ist, Beam­te wie den Antrag­stel­ler amts­an­ge­mes­sen zu beschäf­ti­gen 9.

Die strei­ti­ge Zuwei­sung ist schließ­lich auch ermes­sens­feh­ler­frei ergan­gen und dem Antrag­stel­ler im Sin­ne des § 4 Abs. 4 Sät­ze 2 und 3 Post­Pers­RG "nach all­ge­mei­nen beam­ten­recht­li­chen Grund­sät­zen zumut­bar".

Kei­ne Aus­wahl­ent­schei­dung

Der Antrag­stel­ler kann inso­weit nicht mit Erfolg ein­wen­den, die Deut­sche Tele­kom AG hät­te eine Aus­wahl­ent­schei­dung unter den in Betracht kom­men­den Beam­ten tref­fen müs­sen. Im Rah­men des § 4 Abs. 4 Sät­ze 2 und 3 Post­Pers­RG muss grund­sätz­lich kei­ne Aus­wahl­ent­schei­dung getrof­fen wer­den, weil kei­ne Aus­wahl­ent­schei­dung im Raum steht, son­dern eine amts­an­ge­mes­se­ne Beschäf­ti­gung des Beam­ten. Die­ser Rechts­auf­fas­sung, die auch der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Mün­chen ver­tritt 10, schließt sich das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt an.

Beam­ter muss not­falls umzie­hen

Einer Ver­wen­dung des Antrag­stel­lers in C. steht auch nicht die von ihm im Beschwer­de­ver­fah­ren vor­ge­leg­te Beschei­ni­gung des Fach­arz­tes für Ner­ven­heil­kun­de und Psych­ia­trie D. ent­ge­gen. Der Arzt hat zwar aus­ge­führt, dass eine "wohn­ort­fer­ne Arbeits­si­tua­ti­on, die ein abend­li­ches Zusam­men­le­ben ver­un­mög­licht, gesund­heits­schäd­lich" sei, weil die "ner­ven­ärzt­li­che Erkran­kung" des Antrag­stel­lers "in ihrer Aus­prä­gung und Sym­pto­ma­tik durch die Unter­stüt­zung der Ehe­frau gemin­dert und in Kri­sen­si­tua­tio­nen gebes­sert wer­den" kön­ne. Einen Ein­satz des Antrag­stel­lers außer­halb sei­nes Wohn­or­tes E. hat der Arzt jedoch nicht zwin­gend aus­ge­schlos­sen und auch die Dienst­fä­hig­keit des Antrag­stel­lers nicht ver­neint. Ein abend­li­ches Zusam­men­le­ben des Antrag­stel­lers mit sei­ner Ehe­frau ist auch bei einer Tätig­keit in C. ohne Wei­te­res mög­lich, wenn der Antrag­stel­ler mit sei­ner Fami­lie nach C. umzieht.

Soweit der Antrag­stel­ler einen Umzug offen­bar gänz­lich aus­schließt, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass er – eben­so wie ande­re Bun­des­be­am­te, die vehe­ment und unter Hin­weis auf ver­schie­de­ne pri­va­te Belan­ge vor­brin­gen, dass ihnen weder ein Umzug an einen ande­ren Dienst­ort noch eine län­ge­re Anfahrt zum neu­en Dienst­ort zumut­bar sei – grund­sätz­lich damit rech­nen muss, an einem ande­ren Dienst­ort im Bun­des­ge­biet ein­ge­setzt zu wer­den. Ein Bun­des­be­am­ter muss es im Regel­fall hin­neh­men, dass per­sön­li­che Belan­ge und Wün­sche inso­weit zurück­tre­ten müs­sen 11. Inso­weit muss sich der Antrag­stel­ler auch ent­ge­gen­hal­ten las­sen, dass er vor sei­ner Ein­stel­lung aus­drück­lich erklärt hat, er sei mit sei­ner Ver­wen­dung im gesam­ten Bun­des­ge­biet ein­ver­stan­den, wobei dies auch für den Fall einer Ände­rung sei­nes Fami­li­en­stan­des bzw. sei­ner Fami­li­en­ver­hält­nis­se gel­te.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 18. Mai 2011 – 5 ME 38/​11

  1. Deut­sche Tele­kom AG[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 22.06.2006 – 2 C 26.05[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 03.03.2005 – 2 C 11.04[]
  4. vgl. BVerwG, Urteil vom 18.09.2008 – 2 C 126.07; Nds. OVG, Beschlüs­se vom 28.01.2010 – 5 ME 191/​09; und vom 27.01.2009 – 5 ME 427/​08; BayVGH, Beschlüs­se vom 30.03.2011 – 6 CS 11.234; und vom 16.11.2010, a. a. O.; Hess. VGH, Beschluss vom 02.03.2011 – 1 B 2282/​10[]
  5. hier: Deut­sche Tele­kom AG[]
  6. vgl. Nds. OVG, Beschluss vom 28.01.2010, a. a. O.; Beschluss vom 27.01.2009, a. a. O.[]
  7. vgl. eben­so zum Pro­jekt­ma­na­ger: BayVGH, Beschluss vom 01.02.2011, a. a. O.; OVG Rhld.-Pf., Beschluss vom 09.02.2011, a. a. O.; zum Refe­ren­ten Manage­ment­sup­port: BayVGH, Beschluss vom 29.03.2011 – 6 CS 11.273; und Beschluss vom 30.03.2011, a. a. O.; zur Kun­den­be­ra­te­rin: Hess. VGH, Beschluss vom 02.03.2011, a. a. O.; a. A. zum Pro­jekt­ma­na­ger: VGH Bad.-Württ., Beschlüs­se vom 16.12.2010 – 4 S 2403/​10; und vom 01.03.2011 – 4 S 16/​11; OVG NRW, Beschluss vom 31.03.2010 – 1 B 1556/​09; zur Refe­ren­tin: OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 14.03.2011 – OVG 6 S 44.10; zum Ser­vice Cen­ter Agent Back­of­fice: OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 04.11.2010 – OVG 6 S 29.10; zum Sach­be­ar­bei­ter Back­of­fice: OVG Ham­burg, Beschluss vom 02.03.2011 – 1 Bs 14/​11[]
  8. vgl. u. a. Nds. OVG, Beschluss vom 28.01.2010, a. a. O., zum Ser­vice Cen­ter Agent[]
  9. vgl. eben­so OVG Rhld.-Pf., Beschluss vom 09.02.2011, a. a. O.; BayVGH, Beschluss vom 29.03.2011, a. a. O.[]
  10. BayVGH, Beschluss vom 12.10.2010 – 6 CS 10.1850[]
  11. vgl. eben­so zur Ver­set­zung Nds. OVG, Beschluss vom 14.11.2008 – 5 ME 390/​08 -; Beschluss vom 12.09.2005 – 2 ME 387/​05 -[]