Bebau­ungs­plan – und die Antrags­be­fug­nis für das Normenkontrollverfahren

Nach § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO kann einen Nor­men­kon­troll­an­trag jede natür­li­che oder juris­ti­sche Per­son stel­len, die gel­tend macht, durch die Rechts­vor­schrift oder deren Anwen­dung in ihren Rech­ten ver­letzt zu sein oder in abseh­ba­rer Zeit ver­letzt zu werden. 

Bebau­ungs­plan – und die Antrags­be­fug­nis für das Normenkontrollverfahren

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Streit­fall trifft der Ände­rungs-Bebau­ungs­plan für ein im Eigen­tum der Antrag­stel­le­rin ste­hen­des Grund­stück neue Fest­set­zun­gen. Die Antrags­be­fug­nis wegen einer mög­li­chen Eigen­tums­ver­let­zung ist grund­sätz­lich zu beja­hen, wenn sich ein Eigen­tü­mer eines im Plan­ge­biet gele­ge­nen Grund­stücks gegen eine bau­pla­ne­ri­sche Fest­set­zung wen­det, die unmit­tel­bar sein Grund­stück betrifft [1]. In die­sem Fall kann der Eigen­tü­mer die Fest­set­zung gericht­lich über­prü­fen las­sen, weil eine pla­ne­ri­sche Fest­set­zung Inhalt und Schran­ken sei­nes Grund­ei­gen­tums bestimmt (Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG); die poten­zi­el­le Rechts­wid­rig­keit eines der­ar­ti­gen nor­ma­ti­ven Ein­griffs braucht er nicht unge­prüft hin­zu­neh­men [2]

Für den vor­lie­gen­den Antrag besteht ein Rechts­schutz­be­dürf­nis. Bei bestehen­der Antrags­be­fug­nis ist regel­mä­ßig das erfor­der­li­che Rechts­schutz­in­ter­es­se gege­ben. Das Erfor­der­nis eines Rechts­schutz­be­dürf­nis­ses soll nur ver­hin­dern, dass Gerich­te in eine Norm­prü­fung ein­tre­ten, deren Ergeb­nis für den Antrag­stel­ler wert­los ist, weil es sei­ne Rechts­stel­lung nicht ver­bes­sern kann [3]. Ist ein Bebau­ungs­plan durch geneh­mig­te oder geneh­mi­gungs­freie Maß­nah­men voll­stän­dig ver­wirk­licht, so wird der Antrag­stel­ler in der Regel sei­ne Rechts­stel­lung durch einen erfolg­rei­chen Angriff auf den Bebau­ungs­plan nicht mehr aktu­ell ver­bes­sern kön­nen [4]. Inso­fern kommt eine das Rechts­schutz­be­dürf­nis aus­schlie­ßen­de Ver­wirk­li­chung einer ange­grif­fe­nen Fest­set­zung nach das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts­recht­spre­chung aber nur in Betracht, wenn die Fest­set­zung auch räum­lich „voll­stän­dig ver­wirk­licht“ ist [5]. Dar­an fehlt es. Denn die Fest­set­zun­gen des Bebau­ungs­plans für das Grund­stück der Antrag­stel­le­rin sind noch nicht umgesetzt. 

Der Antrag ist auch nicht des­halb unzu­läs­sig, weil die Antrag­stel­le­rin ihn auf die in ihrem Eigen­tum ste­hen­den Flä­chen beschränkt hat. Auch für das Nor­men­kon­troll­ver­fah­ren gilt die Dis­po­si­ti­ons­ma­xi­me. Daher bestimmt der Antrag­stel­ler mit sei­nem Antrag, den er im Übri­gen jeder­zeit ganz oder teil­wei­se zurück­neh­men kann, grund­sätz­lich den Umfang der gericht­li­chen Prü­fung und der mög­li­chen Nich­tig­erklä­rung von Rechts­vor­schrif­ten oder Bebau­ungs­plä­nen [6]

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 27. August 2020 – 4 CN 4.19

Bebauungsplan - und die Antragsbefugnis für das Normenkontrollverfahren
  1. BVerwG, Urteil vom 10.03.1998 – 4 CN 6.97, Buch­holz 310 § 47 VwGO Nr. 123[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 31.01.2018 – 4 BN 17.17 – BauR 2018, 814 Rn. 5[]
  3. BVerwG, Beschlüs­se vom 18.07.1989 – 4 N 3.87, BVerw­GE 82, 225 <231> vom 22.09.1995 – 4 NB 18.95, Buch­holz 310 § 47 VwGO Nr. 108; und vom 04.06.2008 – 4 BN 13.08 – BRS 73 Nr. 51 Rn. 5[]
  4. vgl. BVerwG, Urteil vom 28.04.1999 – 4 CN 5.99, Buch­holz 310 § 47 VwGO Nr. 134 14; Beschlüs­se vom 28.08.1987 – 4 N 3.86, BVerw­GE 78, 85 <92> und vom 09.02.1989 – 4 NB 1.89, Buch­holz 310 § 47 VwGO Nr. 37[]
  5. BVerwG, Urteil vom 25.06.2020 – 4 CN 5.18 19 sowie Beschlüs­se vom 28.08.1987 – 4 N 3.86, BVerw­GE 78, 85 <92> und vom 07.01.2010 – 4 BN 36.09 7[]
  6. BVerwG, Beschlüs­se vom 18.07.1989 – 4 N 3.87, BVerw­GE 82, 225 <232> und vom 20.08.1991 – 4 NB 3.91, Buch­holz 310 § 47 VwGO Nr. 59 S. 84 24[]

Bild­nach­weis:

  • Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Leip­zig: Robert Windisch