Befan­gen – wegen frü­he­rer Urtei­le

Soweit das Ableh­nungs­ge­such die nun­mehr anhän­gi­ge Wahl­prü­fungs­be­schwer­de betrifft, ergibt sich kei­ne Besorg­nis der Befan­gen­heit aus der Mit­wir­kung der abge­lehn­ten Rich­te­rin­nen und Rich­ter an der Ent­schei­dung über eine frü­he­re Wahl­prü­fungs­be­schwer­de 1.

Befan­gen – wegen frü­he­rer Urtei­le

Inso­weit ist von der gesetz­li­chen Wer­tung des § 18 Abs. 1 Nr. 2 BVerfGG aus­zu­ge­hen, wonach ein Rich­ter von der Aus­übung sei­nes Rich­ter­am­tes aus­ge­schlos­sen ist, wenn er in der­sel­ben Sache bereits von Amts oder Berufs wegen tätig gewe­sen ist. Dabei ist das Tat­be­stands­merk­mal "der­sel­ben Sache" in einem strikt ver­fah­rens­be­zo­ge­nen Sin­ne zu ver­ste­hen. Zu einem Aus­schluss kann des­halb regel­mä­ßig nur eine Tätig­keit in dem ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren selbst oder in dem die­sem unmit­tel­bar vor­aus­ge­gan­ge­nen und ihm sach­lich zuge­ord­ne­ten Ver­fah­ren füh­ren 2. Ein Aus­schluss­tat­be­stand liegt hin­ge­gen nicht vor im Fal­le der Mit­wir­kung an einer unan­fecht­ba­ren Ent­schei­dung in einem vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­fah­ren des­sel­ben Beschwer­de­füh­rers vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 3. Eine der­ar­ti­ge Mit­wir­kung ist auch nicht geeig­net, die Besorg­nis der Befan­gen­heit im Sin­ne von § 19 BVerfGG zu begrün­den.

Dabei kann dahin­ste­hen, dass im vor­lie­gen­den Wahl­prü­fungs­ver­fah­ren mit der Fra­ge nach der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des § 6 Abs. 3 Satz 1 BWG im Wesent­li­chen die­sel­be Rechts­fra­ge auf­ge­wor­fen wird wie im vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­fah­ren. Die Ent­schei­dung einer ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­ge durch die betrof­fe­nen Rich­ter in einem frü­he­ren Ver­fah­ren begrün­det noch nicht die Besorg­nis der Befan­gen­heit 4.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 22. August 2018 – 2 BvC 1/​18

  1. hier: BVerfG, Beschluss vom 30.07.2014 – 2 BvC 26/​14[]
  2. vgl. BVerfGE 47, 105, 108; 72, 278, 288; 78, 331, 336; 82, 30, 35 f.; 109, 130, 131; 133, 163, 166; 135, 248, 254 Rn. 16; stRspr[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 22.04.2009 – 1 BvR 887/​09 3; Beschluss vom 18.01.2018 – 2 BvR 2691/​17 3; Beschluss vom 13.04.2017 – 1 BvR 610/​17 2 – 4[]
  4. vgl. dazu BVerfGE 78, 331, 337; 133, 377, 406 Rn. 71; BVerfG, Beschluss vom 13.04.2017 – 1 BvR 610/​17 7, stRspr[]