Befrei­ung von der Mas­ken­pflicht aus gesund­heit­li­chen Grün­den – und die Dia­gno­se im Attest

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat­te in einem Eil­ver­fah­ren die Rege­lung des § 2 Abs. 2 Nr. 3 der 3. SARS-CoV-2-Ein­däm­mungs­ver­ord­nung des Lan­des Bran­den­burg, wonach in einem Attest für eine Befrei­ung von der Pflicht zum Tra­gen einer Mund-Nasen-Bede­ckung auch die Dia­gno­se, d.h. die kon­kret zu benenn­de gesund­heit­li­che Beein­träch­ti­gung, zu bezeich­nen ist sowie kon­kre­te Anga­ben zu benen­nen sind, war­um sich hier­aus eine Befrei­ung von der Tra­ge­pflicht ergibt, vor­läu­fig außer Voll­zug gesetzt.

Befrei­ung von der Mas­ken­pflicht aus gesund­heit­li­chen Grün­den – und die Dia­gno­se im Attest

Die beson­de­re Eil­be­dürf­tig­keit des Ver­fah­rens las­se eine hin­rei­chend ver­läss­li­che Ein­schät­zung der Recht­mä­ßig­keit die­ser Rege­lung nicht zu. In Fra­ge ste­he bereits, ob der hier­mit ver­bun­de­ne daten­schutz­recht­li­che Ein­griff im Infek­ti­ons­schutz­ge­setz eine hin­rei­chen­de Rechts­grund­la­ge fin­det. Die des­halb vor­zu­neh­men­de Fol­gen­ab­wä­gung gehe zulas­ten des Antrags­geg­ners aus. Die Ver­sa­gung des begehr­ten vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes habe für den Antrag­stel­ler zur Fol­ge, dass er sei­ne kon­kre­te Dia­gno­se und sich dar­aus erge­be­ne Fol­gen an einer Viel­zahl von nicht-öffent­li­chen Stel­len (Geschäf­te, öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel, Arbeits- und Betriebs­stät­ten, Büro- und Ver­wal­tungs­ge­bäu­de, Ver­samm­lun­gen unter frei­em Him­mel, reli­giö­se Ver­an­stal­tun­gen) vor Ort offen­ba­ren müs­se. Hier­bei han­de­le es sich aber um per­so­nen­be­zo­ge­ne Gesund­heits­da­ten, die beson­ders sen­si­bel sei­en und daher einem beson­ders hohen Daten­schutz unter­fie­len. Soweit der Antrag­stel­ler befürch­te, sei­ne Gesund­heits­da­ten könn­ten durch Mund-Pro­pa­gan­da im Dorf schnell die Run­de machen, sei dies nicht von der Hand zu wei­sen. Denn die Ver­ord­nung selbst bestim­me nicht, dass die Per­so­nen, gegen­über denen der Nach­weis zu erbrin­gen sei, Still­schwei­gen über die Gesund­heits­da­ten zu bewah­ren haben. Auch sei die Preis­ga­be der erho­be­nen Gesund­heits­da­ten danach nicht bußgeldbewehrt.

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Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ‑Bran­den­burg, Beschluss vom 4. Janu­ar 2021- OVG 11 S 132/​20

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