Befrei­ung von Rund­funk­ge­büh­ren als Stu­dent

Nur ein Stu­dent, der im Bezug von BAföG steht, kann von der Zah­lung der Rund­funk­ge­büh­ren befreit wer­den,
hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im Fall einer Stu­den­tin aus Gie­ßen ent­schie­den.

Befrei­ung von Rund­funk­ge­büh­ren als Stu­dent

Die Klä­ge­rin erhält einen rück­zahl­ba­ren Stu­di­en­kre­dit. Die Gebüh­ren­ein­zugs­zen­tra­le (GEZ) der öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­an­stal­ten zieht sie für einen von ihr genutz­ten inter­net­fä­hi­gen PC zur Zah­lung von Rund­funk­ge­büh­ren her­an. Ihren Antrag auf Befrei­ung von der Rund­funk­ge­bühr lehn­te der beklag­te Hes­si­sche Rund­funk ab. Die Klä­ge­rin hat­te ihren Antrag im Kern damit begrün­det: Sie habe kein Ein­kom­men. Dass ihr kei­ne Sozi­al­leis­tun­gen zustün­den, füh­re zu einer Ungleich­be­hand­lung gegen­über den Emp­fän­gern von Sozi­al­leis­tun­gen. Ihre Kla­ge wies der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Kas­sel im Beru­fungs­ver­fah­ren ab 1. Die Revi­si­on der Klä­ge­rin blieb erfolg­los.

Stu­den­ten, die kei­ne Leis­tun­gen nach dem Bun­des­aus­bil­dungs­för­de­rungs­ge­setz bezie­hen, son­dern ihren Lebens­un­ter­halt durch einen Stu­di­en­kre­dit bestrei­ten, kön­nen grund­sätz­lich nicht nach § 6 des Rund­funk­ge­büh­ren­staats­ver­tra­ges von der Rund­funk­ge­büh­ren­pflicht befreit wer­den. Das hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig heu­te ent­schie­den.

§ 6 des Rund­funk­ge­büh­ren­staats­ver­tra­ges sieht eine Befrei­ung von der Rund­funk­ge­büh­ren­pflicht aus per­sön­li­chen Grün­den vor. Von der Rund­funk­ge­büh­ren­pflicht wer­den danach befreit Bezie­her bestimm­ter staat­li­cher Sozi­al­leis­tun­gen, bei­spiels­wei­se Emp­fän­ger von Sozi­al­hil­fe oder Arbeits­lo­sen­geld II ("Hartz IV"), aber auch von Aus­bil­dungs­för­de­rung nach dem Bun­des­aus­bil­dungs­för­de­rungs­ge­setz ("BAföG"), fer­ner behin­der­te Men­schen mit einem bestimm­ten Grad der Behin­de­rung. Über die Befrei­ung ent­schei­det auf Antrag die zustän­di­ge Lan­des­rund­funk­an­stalt. Der Antrag­stel­ler hat die Vor­aus­set­zun­gen für die Befrei­ung von der Rund­funk­ge­büh­ren­pflicht durch Vor­la­ge einer ent­spre­chen­den Bestä­ti­gung des Trä­gers der staat­li­chen Sozi­al­leis­tung oder durch die Vor­la­ge des ent­spre­chen­den Leis­tungs­be­schei­des nach­zu­wei­sen. Im Übri­gen kann die Rund­funk­an­stalt in beson­de­ren Här­te­fäl­len auf Antrag von der Rund­funk­ge­büh­ren­pflicht befrei­en.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt führ­te als Begrün­dung aus, eine Befrei­ung kön­ne die Klä­ge­rin weder nach den Regel­vor­aus­set­zun­gen noch als Här­te­fall bean­spru­chen: Der Rund­funk­ge­büh­ren­staats­ver­trag sieht in sei­ner gel­ten­den Fas­sung anders als das frü­he­re Recht eine Befrei­ung von der Rund­funk­ge­büh­ren­pflicht nicht schon all­ge­mein dann vor, wenn der Rund­funk­teil­neh­mer nur über ein gerin­ges Ein­kom­men ver­fügt. Maß­geb­lich ist viel­mehr, dass eine bestimm­te staat­li­che Sozi­al­leis­tung bezo­gen wird. Die Rund­funk­an­stalt soll dadurch von einer eige­nen Prü­fung der Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se des Rund­funk­teil­neh­mers ent­las­tet wer­den. Mit der Gewäh­rung die­ser Leis­tung wird gleich­sam als Paket auch über die Befrei­ung von den Rund­funk­ge­büh­ren ent­schie­den. Eine beson­de­re Här­te liegt nicht vor, wenn ein Lebens­sach­ver­halt dem Grun­de nach von einer die­ser Sozi­al­leis­tun­gen erfasst wird, die aus­bil­dungs­be­ding­te Ein­kom­mens­lo­sig­keit etwa durch das Bun­des­aus­bil­dungs­för­de­rungs­ge­setz, der Stu­dent aber kei­ne Aus­bil­dungs­för­de­rung nach die­sem Gesetz erhält, weil er die Vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllt oder – aus wel­chen Grün­den auch immer – kei­nen Antrag auf Gewäh­rung der Leis­tung gestellt hat. Hier­in liegt weder ein Ver­stoß gegen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz noch gegen das Sozi­al­staats­prin­zip.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 12. Okto­ber 2011 – 6 C 34.10

  1. VGH Kas­sel, Beschluss vom 30.06.2010 – 10 A 392/​10[]