Befris­tung der Wir­kung von Abschie­bun­gen im vor­läu­fi­gen Rechts­schutz

Nach § 11 Abs. 1 Satz 1 Auf­en­thG darf ein Aus­län­der, der abge­scho­ben wor­den ist, nicht erneut ins Bun­des­ge­biet ein­rei­sen und sich dar­in auf­hal­ten. Die Besei­ti­gung die­ser Sperr­wir­kung ist in einem Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes nach § 123 VwGO grund­sätz­lich nicht erreich­bar 1. Nach der gesetz­li­chen Sys­te­ma­tik erfolgt der Rechts­schutz gegen ein durch eine Abschie­bung beding­tes Ein­rei­se­ver­bot viel­mehr allein im Wege der nach­träg­li­chen Befris­tung der Wir­kun­gen die­ser Maß­nah­men nach § 11 Abs. 1 Satz 3 Auf­en­thG (vgl. Nds. OVG, Beschluss vom 02.02.2007 – 13 ME 362/​06; OVG NRW, Beschluss vom 18.7.2006 – 18 B 1324/​06, jeweils m.w.N.)). Mit der begehr­ten einst­wei­li­gen Anord­nung wür­de die­se Haupt­sa­che in unzu­läs­si­ger Wei­se vor­weg­ge­nom­men. Dem Wesen und Zweck der einst­wei­li­gen Anord­nung ent­spre­chend kann das Gericht in einem Ver­fah­ren vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes nach § 123 VwGO grund­sätz­lich nur vor­läu­fi­ge Rege­lun­gen tref­fen und dem Antrag­stel­ler nicht schon in vol­lem Umfang, wenn auch nur auf beschränk­te Zeit und unter Vor­be­halt einer Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che, das gewäh­ren, was er nur in einem Haupt­sache­pro­zess errei­chen könn­te 2. Durch die – wenn auch vor­läu­fi­ge – sofor­ti­ge Befris­tung der Wir­kun­gen der Abschie­bung des Antrag­stel­lers wür­de ihm die Ein­rei­se in das Bun­des­ge­biet ermög­licht und die Haupt­sa­che in der beschrie­be­nen Wei­se vor­weg­ge­nom­men.

Befris­tung der Wir­kung von Abschie­bun­gen im vor­läu­fi­gen Rechts­schutz

Im Hin­blick auf Art. 19 Abs. 4 GG gilt das grund­sätz­li­che Ver­bot einer Vor­weg­nah­me der Haupt­sa­che­ent­schei­dung zwar nicht, wenn eine bestimm­te Rege­lung zur Gewäh­rung eines effek­ti­ven Rechts­schut­zes schlech­ter­dings not­wen­dig ist, das heißt, wenn zum einen die sonst zu erwar­ten­den Nach­tei­le für den Antrag­stel­ler unzu­mut­bar und im Haupt­sa­che­ver­fah­ren nicht mehr zu besei­ti­gen wären, und zum ande­ren ein hoher Grad an Wahr­schein­lich­keit für einen Erfolg auch in der Haupt­sa­che spricht 3. An die­sen Vor­aus­set­zun­gen fehlt es hier schon des­halb, weil die allen­falls wegen der Schutz­wir­kun­gen des Art. 6 GG not­wen­di­gen (Besuchs-)Kontakte des Antrag­stel­lers vor einer Ent­schei­dung über den Befris­tungs­an­trag in der Haupt­sa­che auch durch eine Betre­ten­s­er­laub­nis nach § 11 Abs. 2 Auf­en­thG rea­li­siert wer­den kön­nen und der Antrags­geg­ner zur Ertei­lung einer sol­chen Erlaub­nis hier bereits durch Beschluss des Ver­wal­tungs­ge­richts vor­läu­fig ver­pflich­tet wor­den ist. Eine dar­über hin­aus­ge­hen­de Ver­pflich­tung des Antrags­geg­ners zur Ertei­lung des not­wen­di­gen Sicht­ver­merks kann in die­sem Ver­fah­ren von vor­ne­her­ein nicht erreicht wer­den (vgl. zur abwei­chen­den Zustän­dig­keit in Visuman­ge­le­gen­hei­ten: Art. 4 Ver­ord­nung (EG) Nr. 810/​2009 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visa­ko­dex der Gemein­schaft).

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 7. Dezem­ber 2011 – 8 ME 184/​11

  1. vgl. zur aus­nahms­wei­sen Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes im Aus­set­zungs­ver­fah­ren nach § 80 Abs. 5 VwGO, solan­ge über die der Aus­rei­se­pflicht zugrun­de­lie­gen­de und einen vor­aus­ge­hen­den recht­mä­ßi­gen Auf­ent­halt been­den­de Ord­nungs­ver­fü­gung noch nicht unan­fecht­bar ent­schie­den ist: OVG NRW, Beschluss vom 09.03.2007 – 18 B 2533/​06; VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 14.02.2007 – 13 S 2969/​06; Hail­bron­ner, Aus­län­der­recht, Stand: Sep­tem­ber 2011, § 11 Rn. 52 ff. jeweils m.w.N.[]
  2. vgl. Kopp/​Schenke, VwGO, 16. Aufl., § 123 Rn. 13 f.; Schoch­/­Schmidt-Aßman­n/Pietz­ner, a.a.O., § 123 Rn. 141 f.[]
  3. vgl. Schoch­/­Schmidt-Aßman­n/Pietz­ner, a.a.O., § 123 Rn. 145[]