Be­grün­dung von Prü­fungs­ent­schei­dun­gen

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung der Bewer­tung von schrift­li­chen Prü­fungs­leis­tun­gen unter Auf­ga­be sei­ner frü­he­ren Recht­spre­chung in fol­gen­de Grund­sät­ze gefasst 1: Der Prü­fer hat bei schrift­li­chen Prü­fungs­ar­bei­ten die tra­gen­den Erwä­gun­gen dar­zu­le­gen, die zur Bewer­tung der Prü­fungs­leis­tung geführt haben. Die Begrün­dung muss so beschaf­fen sein, dass der Prüf­ling die die Bewer­tung tra­gen­den Grün­de der Prü­fer in den Grund­zü­gen nach­voll­zie­hen kann, d.h. die Kri­te­ri­en erfährt, die für die Beno­tung maß­geb­lich waren, und ver­ste­hen kann, wie die Anwen­dung die­ser Kri­te­ri­en in wesent­li­chen Punk­ten zu dem Bewer­tungs­er­geb­nis geführt hat. Es muss zwar nicht in allen Ein­zel­hei­ten, aber doch in den für das Ergeb­nis aus­schlag­ge­ben­den Punk­ten erkenn­bar sein, wel­chen Sach­ver­halt sowie wel­che all­ge­mei­nen und beson­de­ren Bewer­tungs­maß­stä­be der Prü­fer zugrun­de gelegt hat und auf wel­cher wis­sen­schaft­lich­fach­li­chen Annah­me des Prü­fers die Beno­tung beruht. Dies schließt nicht aus, dass die Begrün­dung nur kurz aus­fällt, vor­aus­ge­setzt, die vor­ste­hend dar­ge­stell­ten Kri­te­ri­en für ein mög­li­ches Nach­voll­zie­hen der grund­le­gen­den Gedan­ken­gän­ge der Prü­fer sind erfüllt. – Die­se Grund­sät­ze hat der Senat in spä­te­ren Ent­schei­dun­gen bestä­tigt 2. An ihnen ist unver­än­dert fest­zu­hal­ten.

Be­grün­dung von Prü­fungs­ent­schei­dun­gen

Bei Fest­le­gung des gebo­te­nen Inhalts und Umfangs der Begrün­dung ist nach der Recht­spre­chung des Senats über­dies auch deren Zweck­be­stim­mung zu berück­sich­ti­gen. Sie liegt in ers­ter Linie dar­in, dem Prüf­ling die effek­ti­ve Wahr­neh­mung des zum Schutz sei­ner Grund­rech­te durch Art.19 Abs. 4 GG gewähr­leis­te­ten Rechts­schut­zes zu ermög­li­chen. Die Begrün­dung muss daher so beschaf­fen sein, dass das Recht des Prüf­lings, im Rah­men eines ver­wal­tungs­in­ter­nen Über­den­kens­ver­fah­rens Ein­wän­de gegen die Bewer­tung wirk­sam vor­zu­brin­gen, eben­so gewähr­leis­tet ist wie sein Recht auf wirk­sa­me gericht­li­che Kon­trol­le des Prü­fungs­ver­fah­rens 3. Hier­bei muss bedacht wer­den, dass sich ver­wal­tungs­in­ter­ne und gericht­li­che Kon­trol­le in ihrer Reich­wei­te unter­schei­den. Im Hin­blick auf die gericht­li­che Kon­trol­le muss die Begrün­dung jeden­falls so beschaf­fen sein, dass im Ver­wal­tungs­streit­ver­fah­ren die Ein­hal­tung des Bewer­tungs­spiel­raums über­prüft wer­den kann, der dem Prü­fer im Bereich der prü­fungs­spe­zi­fi­schen Wer­tun­gen ver­bleibt; ob die Gren­zen des Bewer­tungs­spiel­raums ein­ge­hal­ten wur­den, kann regel­mä­ßig nur anhand der Begrün­dung der Prü­fungs­be­wer­tung fest­ge­stellt wer­den 4. Da das ver­wal­tungs­in­ter­ne Über­den­kens­ver­fah­ren anders als das Ver­wal­tungs­streit­ver­fah­ren – gera­de auch zum Aus­gleich der dort inso­weit bestehen­den Kon­troll­be­schrän­kun­gen – auch den Bereich der prü­fungs­spe­zi­fi­schen Wer­tun­gen ein­schließt, dür­fen aber auch die­se von der Begrün­dung der Prü­fungs­be­wer­tung nicht gänz­lich aus­ge­spart wer­den 5. In Bezug auf prü­fungs­spe­zi­fi­sche Wer­tun­gen 6 sto­ßen die Begrün­dungs­mög­lich­kei­ten zwar ab einem bestimm­ten Punkt auf Gren­zen der Objek­ti­vier­bar­keit, die aus der Natur die­ser Wer­tun­gen und aus ihrer Abhän­gig­keit vom Ver­gleichs­rah­men der Prü­fung fol­gen. Die Grund­la­gen, die Anknüp­fungs­punk­te und die wesent­li­chen Kri­te­ri­en die­ser Wer­tun­gen ent­zie­hen sich aber nicht schlecht­hin einer Begrün­dung 7. – Auch an die­sen Maß­ga­ben ist unver­än­dert fest­zu­hal­ten, des­glei­chen dar­an, dass die Begrün­dungs­pflicht eine wei­te­re Zweck­be­stim­mung dar­in fin­det, dass mit ihr eine Garan­tie- und Klar­stel­lungs­funk­ti­on für den Prü­fer ver­bun­den ist, des­sen Selbst­kon­trol­le sie in beson­de­rem Maße för­dert 8, und die bei Bestim­mung von Inhalt und Umfang der gebo­te­nen Begrün­dung im Ein­zel­fall gleich­falls berück­sich­tigt wer­den muss.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 8. März 2012 – 6 B 36.11

  1. BVerwG, Urteil vom 09.12.1992 – 6 C 3.92, BVerw­GE 91, 262, 265 ff. = Buch­holz 421.0 Prü­fungs­we­sen Nr. 307 S. 227 ff.[]
  2. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 24.02.1993 – 6 C 32.92, Buch­holz 421.0 Prü­fungs­we­sen Nr. 312 S. 252, vom 16.03.1994 – 6 C 5.93, Buch­holz 421.0 Prü­fungs­we­sen Nr. 329 S. 10 f. und vom 06.09.1995 – 6 C 18.93, BVerw­GE 99, 185, 189 ff. = Buch­holz 421.0 Prü­fungs­we­sen Nr. 356 S. 107 ff.; Beschluss vom 20.05.1998 – 6 B 50.97, Buch­holz 421.0 Prü­fungs­we­sen Nr. 389 S. 217[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 09.12.1992 – 6 C 3.92, BVerw­GE 91, 262, 265 = Buch­holz 421.0 Prü­fungs­we­sen Nr. 307 S. 227, 230[]
  4. BVerwG, Urteil vom 16.03.1994 – 6 C 5.93, Buch­holz 421.0 Prü­fungs­we­sen Nr. 329 S. 11[]
  5. vgl. BVerwG, Urteil vom 06.09.1995 – 6 C 18.93, BVerw­GE 99, 185, 197 = Buch­holz 421.0 Prü­fungs­we­sen Nr. 356 S. 115[]
  6. z.B. betref­fend den Schwie­rig­keits­grad der Auf­ga­be, die Über­zeu­gungs­kraft der Begrün­dung, die Gewich­tung von Teil­leis­tun­gen und Teil­auf­ga­ben; vgl. zuletzt Beschluss vom 16.08.2011 – 6 B 18.11 – juris Rn. 16[]
  7. vgl. BVerwG, Urteil vom 06.09.1995 a.a.O S.197 bzw. S. 114[]
  8. BVerwG, Urteil vom 09.12.1992 – 6 C 3.92, BVerw­GE 91, 262, 267 = Buch­holz 421.0 Prü­fungs­we­sen Nr. 307 S. 230; ansatz­wei­se bereits Beschluss vom 12.11.1971 – 7 B 71.70, Buch­holz 421.0 Prü­fungs­we­sen Nr. 45 S. 39[]