Behin­der­ten­ge­rech­te Duschen in der Obdach­lo­sen­un­ter­kunft

Eine Not­un­ter­kunft nach dem Obdach­lo­sen­recht erfor­dert ledig­lich ein Aus­stat­tungs­ni­veau, das der Grund­an­for­de­rung der Men­schen­wür­de im Sin­ne des Grund­ge­set­zes genügt. Daher ist schon eine Dusche nicht not­wen­di­ger Bestand­teil einer Obdach­lo­sen­un­ter­kunft.

Behin­der­ten­ge­rech­te Duschen in der Obdach­lo­sen­un­ter­kunft

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg einen Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung abge­lehnt, in einer städ­ti­schen Obdach­lo­sen­un­ter­kunft eine bar­rie­re­freie Nutz­bar­keit der Duschein­rich­tung her­zu­stel­len. Der Antrag­stel­ler ist 85 Jah­re alt und bewohnt seit ca. 18 Jah­ren eine Obdach­lo­sen­un­ter­kunft einer Stadt im Land­kreis Fries­land. Mit sei­nem Antrag soll­te die Stadt ver­pflich­tet wer­den, für ihn eine bar­rie­re­freie Nutz­bar­keit der Duschein­rich­tung her­zu­stel­len oder ander­wei­tig vor­zu­hal­ten.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Olden­burg erfor­de­re das Wesen der Not­un­ter­kunft im Obdach­lo­sen­recht ledig­lich ein der Grund­an­for­de­rung der Men­schen­wür­de im Sin­ne des Grund­ge­set­zes genü­gen­des Aus­stat­tungs­ni­veau. Hier­bei müss­ten ins­be­son­de­re Leben und Gesund­heit der in aller Regel nur für begrenz­te Zeit zu beher­ber­gen­den Bewoh­ner gewähr­leis­tet, nicht aber dar­über hin­aus beson­de­re Merk­ma­le erfüllt wer­den. Des­halb sei schon eine Dusche nicht not­wen­di­ger Bestand­teil einer Obdach­lo­sen­un­ter­kunft. Hin­rei­chend sei eine Wasch­ge­le­gen­heit. Die Ord­nungs­be­hör­de habe nicht für eine woh­nungs­mä­ßi­ge Voll- und Dau­er­ver­sor­gung, son­dern ledig­lich für eine obdach­mä­ßi­ge Unter­brin­gung zu sor­gen. Die gel­tend gemach­ten medi­zi­ni­schen und sons­ti­gen Beein­träch­ti­gun­gen des Antrag­stel­lers sei­en nicht geeig­net, den von ihm gel­tend gemach­ten Anspruch zu begrün­den. Selbst für den Fall, dass der Antrag­stel­ler aus medi­zi­ni­schen Grün­den auf eine „bar­rie­re­freie Dusche" ange­wie­sen sei, kön­ne er nicht ver­lan­gen, dass ihm die Stadt eine sol­che im Rah­men der Obdach­lo­sen­un­ter­brin­gung kos­ten­frei zur Ver­fü­gung stel­le. Der vom Antrag­stel­ler gel­tend gemach­te Anspruch sei kei­ne Ange­le­gen­heit des Obdach­lo­sen­rechts, son­dern ggf. ande­rer Sozi­al­leis­tungs­trä­ger.

Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg, Beschluss vom 5. Juni 2012 – 7 B 3428/​12