Behin­der­ten­ge­rech­te Toi­let­ten in der Gast­stät­te

Die Ver­pflich­tung zum Ein­bau behin­der­ten­ge­rech­ter Toi­let­ten trifft Gast­wir­te bei der Über­nah­me vor­han­de­ner Räum­lich­kei­ten nicht aus­nahms­los. Dies gilt ins­be­son­de­re für Gast­stät­ten, deren Bau­ge­neh­mi­gung vor Novem­ber 2002 erteilt wur­den.

Behin­der­ten­ge­rech­te Toi­let­ten in der Gast­stät­te

In dem hier vom Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ent­schie­de­nen Fall ging es um eine Gast­stät­te in Ber­lin-Span­dau, die der jet­zi­ge Betrei­ber von sei­nem Vor­gän­ger im Jahr 2013 über­nom­men hat. Die Gast­stät­te wur­de zuvor auf­grund einer Bau­ge­neh­mi­gung aus dem Jah­re 1975 betrie­ben. Die Gäs­te­toi­let­ten befin­den sich im Unter­schoss und sind nur über eine Trep­pe erreich­bar. Wäh­rend die von Gast­wir­ten zu erfül­len­den Vor­ga­ben bun­des­ein­heit­lich durch das Gast­stät­ten­ge­setz vor­ge­ge­ben wer­den, dür­fen die Län­der nach einer in die­sem Gesetz ent­hal­te­nen Ermäch­ti­gung die Min­dest­an­for­de­run­gen an die Räum­lich­kei­ten kon­kre­ti­sie­ren. Das Bezirks­amt Span­dau von Ber­lin ver­sag­te dem Klä­ger im April 2015 die von ihm begehr­te Gast­stät­ten­er­laub­nis, weil die Vor­aus­set­zun­gen der lan­des­recht­li­chen Gast­stät­ten­ver­ord­nung nicht erfüllt sei­en. Danach müss­te ab einer Schank­raum­flä­che von 50 m² min­des­tens eine Toi­let­ten­an­la­ge für mobi­li­täts­be­hin­der­te Gäs­te benutz­bar sein. Dar­an feh­le es hier.

Der Gast­stät­ten­be­trei­ber klag­te gegen die­se Ver­sat­zung der Gast­stät­ten­er­laub­nis und bekam nun vom Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin Recht; das Ver­wal­tungs­ge­richt ver­pflich­te­te das Bezirks­amt Span­dau zur Ertei­lung der Geneh­mi­gung, weil der gel­tend gemach­te Ver­sa­gungs­grund nicht grei­fe.

Zwar sehe, so das Ver­wal­tungs­ge­richt, die lan­des­recht­li­che Gast­stät­ten­ver­ord­nung vor, dass ab einer Schank- und Spei­se­raum­flä­che von 50 qm min­des­tens eine bar­rie­re­frei gestal­te­te Toi­let­te für mobi­li­täts­be­hin­der­te Gäs­te nutz­bar sein müs­se. Die­se Vor­ga­be müs­se aber hier außer Betracht blei­ben, weil sie mit der bun­des­recht­li­chen Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge nicht in Ein­klang ste­he.

Denn der Bun­des­ge­setz­ge­ber selbst habe im Gast­stät­ten­ge­setz spe­zi­el­le Vor­ga­ben zu den Anfor­de­run­gen an eine bar­rie­re­freie Nut­zung von Gast­stät­ten gemacht, die nur für Räum­lich­kei­ten gäl­ten, für die eine Bau­ge­neh­mi­gung nach dem 1. Novem­ber 2002 erteilt wor­den sei. Eine lan­des­recht­li­che Ver­ord­nung, die die Ein­zel­hei­ten der für den Auf­ent­halt der Gäs­te bestimm­ten Räu­me rege­le, müs­se sich daher im Rah­men der durch die­se Vor­schrift gezo­ge­nen Gren­zen hal­ten. Sei dies – wie hier – nicht der Fall, kön­ne sie kei­ne Gel­tung bean­spru­chen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 22. Janu­ar 2016 – 4 K 169.15