Bei zuneh­men­der Müll­men­ge unter­pro­por­tio­nal stei­gen­de Müll­ge­büh­ren?

Legt die Abfall­ge­büh­ren­sat­zung einer Gemein­de in Sach­sen-Anhalt fest, dass die Gebühr bei zuneh­men­der Leis­tungs­men­ge unter­pro­por­tio­nal ansteigt, ver­stößt sie gegen das Gebot einer zumin­dest linea­ren Gebüh­ren­staf­fe­lung nach dem Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­setz Sach­sen-Anhalt.

Bei zuneh­men­der Müll­men­ge unter­pro­por­tio­nal stei­gen­de Müll­ge­büh­ren?

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt in meh­re­ren Beru­fungs­ver­fah­ren die Abfall­ge­büh­ren­sat­zung der Stadt Hal­le für nich­tig erklärt und damit die Urtei­le des Ver­wal­tungs­ge­richts Hal­le bestä­tigt, mit denen das Ver­wal­tungs­ge­richt Abfall­ge­büh­ren­be­schei­de der beklag­ten Stadt für die Jah­re 2009, 2010 und 2011 auf­ge­ho­ben hat­te.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts des Lan­des Sach­sen-Anhalt sei die Abfall­ge­büh­ren­sat­zung der Beklag­ten vom 28. Janu­ar 2009, auch in der Gestalt der ers­ten Ände­rungs­sat­zung vom 25. Novem­ber 2009 sowie der zwei­ten Ände­rungs­sat­zung vom 27. Okto­ber 2010, nich­tig. Die teil­wei­se degres­si­ve Staf­fe­lung der Rest­müll­ge­bühr in der Sat­zung, auf Grund derer die Gebühr bei zuneh­men­der Leis­tungs­men­ge unter­pro­por­tio­nal ansteigt, ver­sto­ße – wor­auf schon das Ver­wal­tungs­ge­richt 1 ent­schei­dungs­tra­gend abge­stellt hat – gegen das aus § 5 Abs. 3a Satz 2 Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­setz Sach­sen-Anhalt fol­gen­de Gebot einer zumin­dest linea­ren Gebüh­ren­staf­fe­lung. Die­se Rege­lung sei trotz ihres nicht ein­deu­ti­gen Wort­lauts unter Berück­sich­ti­gung der Geset­zes­sys­te­ma­tik, der Gesetz­ge­bungs­his­to­rie und von Sinn und Zweck der Norm dahin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass jeden­falls eine degres­si­ve Gebüh­ren­staf­fe­lung bei der Erhe­bung von Abfall­ge­büh­ren nicht zuläs­sig sei. Der Feh­ler in der Gebüh­ren­staf­fe­lung habe eine Gesamt­nich­tig­keit der Abfall­ge­büh­ren­sat­zung zur Fol­ge.

Offen kön­ne blei­ben, ob die ers­te und zwei­te Ände­rungs­sat­zung, die rück­wir­kend zum 1. Janu­ar 2010 bzw. zum 1. Janu­ar 2011 in Kraft tre­ten soll­ten, schon wegen for­mel­ler Män­gel bei der Bekannt­ma­chung nich­tig sei­en.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt, Urtei­le vom 16. April 2013 – 4 L 96/​12; 4 L 97/​12; 4 L 102/​12

  1. VG Hal­le, Urtei­le vom 23.03.2012 – 4 A 9/​11 HAL; 4 A 81/​11; 4 A 6/​11[]