Bei­geord­ne­ten­wah­len trotz Urlaubs eini­ger Rats­mit­glie­der

Die Ein­be­ru­fung einer kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zen des Gemein­de­ra­tes ist eben­so wie die auf die­ser Sit­zung erfolg­te Wahl von Bei­geord­ne­ten wirk­sam, auch wenn eini­ge Rats­mit­glie­der zu die­sem Zeit­punkt in Urlaub sind. Die­se Selbst­ver­ständ­lich­keit muss­te jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt aus­drück­lich fest­stel­len im Rah­men einer Wahl­be­schwer­de gegen die Bei­geord­ne­ten­wahl der Orts­ge­mein­de Plei­ters­heim.

Bei­geord­ne­ten­wah­len trotz Urlaubs eini­ger Rats­mit­glie­der

Die Klä­ger gehö­ren dem Plei­ters­hei­mer Rat an. Nach­dem der ehe­ma­li­ge Orts­bür­ger­meis­ter zur kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung am 6. Juli 2009 u. a. mit dem TOP Bei­geord­ne­ten­wahl ein­ge­la­den hat­te, wie­sen die Klä­ger sowie ein wei­te­res Rats­mit­glied den alten eben­so wie den neu­en Orts­bür­ger­meis­ter ihrer Gemein­de und auch den Bür­ger­meis­ter der Ver­bands­ge­mein­de Bad Kreuz­nach dar­auf hin, dass sie beruf­lich bzw. urlaubs­be­dingt am 6. Juli 2009 abwe­send sei­en. Sie baten ins­be­son­de­re auch um Ver­le­gung der Wahl. Gleich­wohl fand die kon­sti­tu­ie­ren­de Sit­zung wie geplant statt. Die Klä­ger leg­ten dar­auf­hin Wahl­be­schwer­de bei der Kom­mu­nal­auf­sicht der Kreis­ver­wal­tung Bad Kreuz­nach ein, die erfolg­los blieb.

Die in der Fol­ge­zeit erho­be­ne Kla­ge wies das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz ab. Zwar kön­ne eine Wahl, so die Rich­ter, auch für ungül­tig erklärt wer­den, wenn sie aus ver­fah­rens­recht­li­chen Grün­den rechts­wid­rig sei. Ein sol­cher Fall sei hier nicht gege­ben. Ins­be­son­de­re sei der Plei­ters­hei­mer Rat ord­nungs­ge­mäß zur kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung ein­be­ru­fen wor­den. Dem ehe­ma­li­gen Orts­bür­ger­meis­ter der Kom­mu­ne habe das Recht zuge­stan­den, den Tag, die Uhr­zeit und den Ort der Sit­zung zu bestim­men. Die Ent­schei­dung, am geplan­ten Ter­min für die kon­sti­tu­ie­ren­de Sit­zung bzw. die Bei­geord­ne­ten­wahl trotz des Antrags der Klä­ger und eines wei­te­ren Rats­mit­glie­des fest­zu­hal­ten, stel­le sich nicht als rechts­miss­bräuch­lich dar. Für ein tak­ti­sches Vor­ge­hen des ehe­ma­li­gen Orts­bür­ger­meis­ters mit dem Ziel, die Abwe­sen­heit der Klä­ger und eines wei­te­ren Rats­mit­glie­des bewusst zu nut­zen, etwa um Mehr­heits­ver­hält­nis­se im Rat bei der anste­hen­den Bei­geord­ne­ten­wahl zu beein­flus­sen, bestün­den kei­ne Anhalts­punk­te. Einer der Klä­ger habe erst nach der Ein­la­dung zur Sit­zung sei­ne Ver­hin­de­rung mit­ge­teilt, der ande­re über sei­ne Abwe­sen­heit erst infor­miert, nach­dem der Sit­zungs­ter­min bereits intern mit­ge­teilt wor­den sei.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 18. März 2010 – 1 K 1272/​09.KO