Bekämp­fung des Asia­ti­schen Laubholzbockkäfers

Da das Uni­ons­recht den Mit­glied­staa­ten zur Aus­rot­tung des Asia­ti­schen Laub­holz­bock­kä­fers vor­schreibt, über die BIG FIVE hin­aus auch die wei­te­ren benann­ten Pflan­zen inner­halb eines Umkrei­ses von 100 Metern Radi­us um befal­le­ne Pflan­zen zu fäl­len, ist die Ent­fer­nung der Gehöl­ze weder unver­hält­nis­mä­ßig noch unrechtmäßig.

Bekämp­fung des Asia­ti­schen Laubholzbockkäfers

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len die gegen die Abhol­zung gerich­te­ten Eil­an­trä­ge des Land­krei­ses Mies­bach abge­lehnt. Ab August 2019 ist im Stadt­ge­biet Mies­bach bei meh­re­ren Pflan­zen ein Befall mit dem Asia­ti­schen Laub­holz­bock­kä­fer (ALB) fest­ge­stellt wor­den. Die­ser Schäd­ling ist von der Euro­päi­schen Union(EU)als einer von 20 Schäd­lin­gen benannt, deren wirt­schaft­li­che und öko­lo­gi­sche Fol­gen für das Uni­ons­ge­biet als am schwer­wie­gends­ten ein­ge­stuft wer­den. Zur Bekämp­fung des ALB haben die Baye­ri­sche Lan­des­an­stalt für Wald und Forst­wirt­schaft (LWF)sowie die Baye­ri­sche Lan­des­an­stalt für Land­wirt­schaft (LfL) u.a. ange­ord­net, dass ALB befal­le­ne Pflan­zen sowie bestimm­te wei­te­re Pflan­zen in 100 Metern Umkreis um befal­le­ne Pflan­zen ent­fernt wer­den müs­sen. Dies betrifft neben den in der Ver­gan­gen­heit im euro­päi­schen Raum am meis­ten befal­le­nen Gehölz­gat­tun­gen Ahorn, Kas­ta­nie, Bir­ke, Pap­pel und Wei­de (sog. BIG FIVE)auch die Gehöl­ze Erle, Hain­bu­che, Kuchen oder Kats­u­ra­baum, Hasel­nuss, Buche, Esche, Bla­sen­esche, Pla­ta­ne, Lin­de, Ulme sowie Sor­bus spp. (z.B. Vogel­bee­re, Mehlbeere).

Von die­ser Anord­nung ist auch der Land­kreis Mies­bach als Grund­stücks­ei­gen­tü­mer betrof­fen. Mit sei­nen Eil­an­trä­gen wen­det er sich gegen die Erfas­sung der über die BIG FIVE hin­aus­ge­hen­den Gat­tun­gen. Für die­se sei wis­sen­schaft­lich nicht belegt, dass sie sich als Lebens­raum für den voll­stän­di­gen Ent­wick­lungs­zy­klus des ALBs eig­ne­ten. Eine Ent­fer­nung der Pflan­zen sei ange­sichts die­ser unsi­che­ren wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­la­ge und der mit dem Ein­griff in die Natur ein­her­ge­hen­den öko­lo­gi­schen Schä­den unverhältnismäßig.

In sei­nen Ent­schei­dun­gen hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen sowohl die öko­lo­gi­sche Kon­se­quen­zen, die sich durch die Ent­fer­nung der Pflan­zen erge­ben, als auch die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf das Orts­bild berücksichtigt.

Da jedoch das Uni­ons­recht das von LfL und LWF gewähl­te Vor­ge­hen und die Ein­be­zie­hung der benann­ten Gat­tun­gen zwin­gend vor­se­he, erach­tet das Gericht die Anord­nun­gen als recht­mä­ßig. So schrei­be das Uni­ons­recht den Mit­glied­staa­ten zur Aus­rot­tung des ALB vor, über die BIG FIVE hin­aus auch die wei­te­ren benann­ten Pflan­zen inner­halb eines Umkrei­ses von 100 Metern Radi­us um befal­le­ne Pflan­zen zu fäl­len. Dass in der Ver­gan­gen­heit schwer­punkt­mä­ßig ein ALB-Befall bei den BIG FIVE fest­ge­stellt wor­den sei, ände­re hier­an nichts, da die benann­ten Pflan­zen vom Uni­ons­recht aus­drück­lich in eine Lis­te der zu fäl­len­den Pflan­zen auf­ge­nom­men sei­en. Zudem sei in der Ver­gan­gen­heit in Euro­pa auch ein Aus­wei­chen des ALBs auf ande­re Laub­holz­gat­tun­gen als die BIG FIVE fest­ge­stellt wor­den. Die Eig­nung der benann­ten Pflan­zen als ALB-Lebens­raum sei daher nachvollziehbar.

Ange­sichts der von der EU getrof­fe­nen Ein­ord­nung des ALB als für die Natur beson­ders fol­gen­rei­cher Schäd­ling sei die Ent­fer­nung der Gehöl­ze auch nicht unver­hält­nis­mä­ßig, zumal es der­zeit an weni­ger ein­grei­fen­den, aber ver­gleich­bar wirk­sa­men alter­na­ti­ven Mit­teln, z.B. Insek­ti­zi­den, zur Bekämp­fung des ALBs fehle.

Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen, Beschlüs­se vom 12.02.2020 – M 32 S 19.6233 und M 32 S 19.6219

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