Beleh­rungs­pflich­ten bei der Beru­fungs­zu­las­sung

Der Rechts­mit­tel­füh­rer ist in dem Be­schluss über die Zu­las­sung der Be­ru­fung über die Not­wen­dig­keit der frist­ge­bun­de­nen Be­ru­fungs­be­grün­dung zu be­leh­ren [1]. Es ist nicht er­for­der­lich, dass die Be­leh­rung über die Be­ru­fungs­be­grün­dung von den Grün­den des Zu­las­sungs­be­schlus­ses ab­ge­setzt und mit einer ge­son­der­ten Über­schrift ver­se­hen wird [2]. Die Rechts­mit­tel­be­leh­rung in einem Zu­las­sungs­be­schluss ist nicht des­halb un­rich­tig im Sin­ne des § 58 Abs. 2 Satz 1 VwGO, weil sie kei­nen Hin­weis auf den Ver­tre­tungs­zwang gemäß § 67 Abs. 4 VwGO ent­hält [3].

Beleh­rungs­pflich­ten bei der Beru­fungs­zu­las­sung

Der Rechts­mit­tel­füh­rer ist gemäß § 58 Abs. 1 VwGO in dem Beschluss über die Zulas­sung der Beru­fung über die Not­wen­dig­keit der frist­ge­bun­de­nen Beru­fungs­be­grün­dung (§ 124a Abs. 6 VwGO) zu beleh­ren. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist bei zwei­stu­fig auf­ge­bau­ten Rechts­mit­teln, bei denen auf die ers­te Stu­fe der Ein­le­gung die zwei­te Stu­fe einer frist­ge­bun­de­nen Begrün­dung folgt, jeweils auch über die zwei­te Stu­fe, d.h. die Begrün­dungs­frist, zu beleh­ren [4]. Dies gilt erst recht, wenn von dem ursprüng­lich zwei­stu­fi­gen Rechts­mit­tel nur noch die zwei­te Stu­fe, näm­lich die Begrün­dung, übrig­ge­blie­ben ist, weil es der Ein­le­gung des Rechts­mit­tels selbst gemäß § 124a Abs. 5 Satz 5 VwGO nicht mehr bedarf [5].

Es ist aber nicht erfor­der­lich, dass die Beleh­rung über die Beru­fungs­be­grün­dung von den Grün­den des Zulas­sungs­be­schlus­ses abge­setzt und mit einer geson­der­ten Über­schrift ver­se­hen wird. § 117 Abs. 2 Nr. 6 VwGO gilt für Urtei­le und fin­det für urteils­ver­tre­ten­de und in ihrer Bedeu­tung ver­gleich­ba­re Beschlüs­se zwar in sei­nem Kern, nicht hin­ge­gen in allen Ein­zel­hei­ten Anwen­dung. So lässt sich der Vor­schrift etwa auch für urteils­ver­tre­ten­de Beschlüs­se nicht ent­neh­men, dass Tat­be­stand und Ent­schei­dungs­grün­de von­ein­an­der abge­setzt wer­den müss­ten [6]. Nichts ande­res gilt für die Rechts­mit­tel­be­leh­rung. Natür­lich muss die­se, auch wenn sie Bestand­teil der Beschluss­grün­de ist, ihre Hin­weis- und Beleh­rungs­funk­ti­on erfül­len. Sie darf des­halb nicht etwa in einer viel­sei­ti­gen Begrün­dung irgend­wo ver­steckt wer­den, son­dern soll­te nach den sach­li­chen Erwä­gun­gen zur Begrün­dung des Beschlus­ses an des­sen Ende gerückt wer­den, kann sich aber durch­aus vor einer Begrün­dung der Kos­ten­ent­schei­dung und der Streit­wert­fest­set­zung fin­den [7].

Die Rechts­mit­tel­be­leh­rung in dem Zulas­sungs­be­schluss ist auch nicht des­halb unrich­tig i.S.d. § 58 Abs. 2 Satz 1 VwGO, weil sie kei­nen Hin­weis auf den Ver­tre­tungs­zwang gemäß § 67 Abs. 4 VwGO ent­hält. Es ent­spricht stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, dass eine Rechts­mit­tel­be­leh­rung gemäß § 58 Abs. 1 VwGO nicht über einen gesetz­li­chen Ver­tre­tungs­zwang beleh­ren muss, um die Rechts­mit­tel­frist in Lauf zu set­zen [8].

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 24. Okto­ber 2012 – 1 B 23.12

  1. wie BVerwG, Ur­tei­le vom 30.06.1998 – 9 C 6.98, BVerw­GE 107, 117, 122 f.; und vom 04.10.1999 – 6 C 31.98, BVerw­GE 109, 336, 339 ff.[]
  2. wie BVerwG, Ur­teil vom 30.04.2009 – 3 C 23.08, BVerw­GE 134, 41 Rn. 14[]
  3. wie BVerwG, Ur­teil vom 15.04.1977 – 4 C 3.74, BVerw­GE 52, 226, 231 f.[]
  4. grund­le­gend BVerwG, Beschluss des Gro­ßen Senats vom 05.07.1957 – Gr.Sen.01.57, BVerw­GE 5, 178 f.[]
  5. BVerwG, Urtei­le vom 30.06.1998 – 9 C 6.98, BVerw­GE 107, 117, 122 f.; und vom 04.10.1999 – 6 C 31.98, BVerw­GE 109, 336, 339 ff.; Beschlüs­se vom 08.09.2000 – 11 B 50.00; und vom 23.10.2000 – 9 B 372.00, Buch­holz 310 § 124a VwGO Nr. 18[]
  6. BVerwG, Urteil vom 04.10.1999 a.a.O. S. 343[]
  7. BVerwG, Urteil vom 30.04.2009 – 3 C 23.08, BVerw­GE 134, 41 Rn. 14[]
  8. BVerwG, Urteil vom 15.04.1977 – 4 C 3.74, BVerw­GE 52, 226, 231 f. m.w.N.; Beschlüs­se vom 27.08.1997 – 1 B 145.97, Buch­holz 310 § 58 VwGO Nr. 67 = NVwZ 1997, 1211 und vom 07.10.2009 – 9 B 83.09, Buch­holz 310 § 60 VwGO Nr. 266 = NVwZ-RR 2010, 36[]