Benut­zungs­zwang für die Ent­sor­gung gefähr­li­cher Schlacht­ab­fäl­le

Der Zwang, für die Ent­sor­gung von Schlacht­ab­fäl­len der Risi­ko­ka­te­go­ri­en 1 und 2 die Tier­kör­per­be­sei­ti­gungs­an­la­ge des ört­lich zustän­di­gen Besei­ti­gungs­pflich­ti­gen zu benut­zen, ist nach einer Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt mit euro­päi­schem Uni­ons­recht ver­ein­bar.

Benut­zungs­zwang für die Ent­sor­gung gefähr­li­cher Schlacht­ab­fäl­le

Die Klä­ge­rin des jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall ist ein Fleisch­ver­mark­tungs­un­ter­neh­men, das in Bay­ern unweit der deutsch-öster­rei­chi­schen Gren­ze einen Schlacht­hof betreibt. Sie bean­trag­te die Geneh­mi­gung, ihre Schlacht­ab­fäl­le in Ober­ös­ter­reich ent­sor­gen zu las­sen, weil sie damit monat­li­che Kos­ten i.H.v. 10.000 € ein­spa­ren kön­ne. Mit ihrer gegen die Ableh­nung der Geneh­mi­gung gerich­te­ten Kla­ge begehr­te sie dar­über hin­aus die Fest­stel­lung, dass sie für die Ver­brin­gung ihrer Schlacht­ab­fäl­le nach Ober­ös­ter­reich schon kei­ner Geneh­mi­gung bedür­fe.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen1 und die­sem fol­gend der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof2haben das beklag­te Land Bay­ern ver­ur­teilt, über den Geneh­mi­gungs­an­trag unter Beach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Gerichts zu ent­schei­den, und die Kla­ge im Übri­gen abge­wie­sen. Die Ver­ord­nung (EG) Nr. 1069/​2009 mit Hygie­ne­vor­schrif­ten für tie­ri­sche Neben­pro­duk­te tref­fe kei­ne abschlie­ßen­de Rege­lung über die Mög­lich­keit, Schlacht­ab­fäl­le zur Ent­sor­gung in einen ande­ren Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on zu ver­brin­gen. Viel­mehr sei­en die Mit­glied­staa­ten ver­pflich­tet, auf ihrem Hoheits­ge­biet ein ange­mes­se­nes Sys­tem zur Behand­lung tie­ri­scher Neben­pro­duk­te zu gewähr­leis­ten. Dem ent­spre­che das deut­sche Sys­tem, das einen orts­ge­bun­de­nen Benut­zungs­zwang vor­se­he. Soweit sich die Klä­ge­rin auf die Waren­ver­kehrs­frei­heit beru­fen kön­ne, sei deren Beschrän­kung aus Grün­den des Gesund­heits­schut­zes gerecht­fer­tigt.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun das Mün­che­ner Beru­fungs­ur­teil in der Sache bestä­tigt und die Revi­si­on der Klä­ge­rin zurück­ge­wie­sen. Mit der Ver­pflich­tung der Mit­glied­staa­ten, auf ihrem Hoheits­ge­biet ein ange­mes­se­nes Ent­sor­gungs­sys­tem zu gewähr­leis­ten, geht der Uni­ons­ge­setz­ge­ber von dem Prin­zip der Ent­sor­gungs­aut­ar­kie aus und über­lässt die Aus­ge­stal­tung der jewei­li­gen Sys­te­me den Mit­glied­staa­ten. Der nach dem Tie­ri­sche Neben­pro­duk­te-Besei­ti­gungs­ge­setz vor­ge­se­he­ne orts­ge­bun­de­ne Benut­zungs­zwang bleibt inner­halb des hier­durch gesetz­ten Rah­mens, denn die mit ihm ver­bun­de­nen Beschrän­kun­gen der uni­ons­recht­li­chen Waren­ver­kehrs- und Dienst­leis­tungs­frei­hei­ten sind durch das Ziel gerecht­fer­tigt, im Inter­es­se des Gesund­heits­schut­zes ein gesi­cher­tes, jeder­zeit funk­ti­ons­fä­hi­ges Netz von Tier­kör­per­be­sei­ti­gungs­an­la­gen vor­zu­hal­ten. Nicht beab­sich­tig­ten Här­ten im Ein­zel­fall kann durch eine Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung Rech­nung getra­gen wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 11. Dezem­ber 2014 – 3 C 29.2013 -

  1. VG Mün­chen, Urteil vom 25.05.2011 – M 18 K 09.2210 []
  2. BayVGH, Urteil vom 27.09.2012 – 20 BV 11.2690 []