Berg­recht­li­che Grund­ab­tre­tung für Teil­grund­stü­cke

Ein Grund­stücks­ei­gen­tü­mer, dem ge­gen­über eine Grund­ab­tre­tung nach den §§ 77 ff. BBergG in Ge­stalt der Be­las­tung mit Nut­zungs­rech­ten für einen Berg­bau­be­trieb auf der be­nö­tig­ten Grund­stücks­teil­flä­che ver­fügt wor­den ist, kann statt­des­sen die Ent­zie­hung des Ei­gen­tums einer Teil­flä­che nur nach Ma­ßga­be des § 82 Abs. 1 und 2 BBergG und die Aus­deh­nung der Ei­gen­tums­ent­zie­hung auf das Ge­samt­grund­stück nur nach Ma­ßga­be des § 82 Abs. 3 BBergG be­an­spru­chen. § 81 Abs. 1 BBergG al­lein bie­tet hin­ge­gen kei­ne Grund­la­ge für einen An­spruch auf Über­nah­me des Ge­samt­grund­stücks.

Berg­recht­li­che Grund­ab­tre­tung für Teil­grund­stü­cke

Die Grund­ab­tre­tung nach §§ 77 ff. BBergG ist nach § 81 Abs. 1 Satz 1 BBergG auf das erfor­der­li­che Maß beschränkt. Sie ist vor­ran­gig auf die Benut­zung von Grund­stü­cken durch die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten auf der hier­für benö­tig­ten Grund­stücks­flä­che gerich­tet 1. Der in die­ser Wei­se recht­lich und tat­säch­lich beschränk­te Umfang zuläs­si­ger Grund­ab­tre­tung kann gemäß § 82 BBergG zur Wah­rung des ver­fas­sungs­recht­li­chen Über­maß­ver­bots im Inter­es­se des grund­ab­tre­tungs­pflich­ti­gen Grund­stücks­ei­gen­tü­mers oder sons­ti­gen Rechts­in­ha­bers (§ 80 Abs. 2 BBergG) auf deren Antrag aus­ge­dehnt wer­den. Dabei unter­schei­det das Gesetz – im Anschluss an ande­re ent­eig­nungs­recht­li­che Rege­lun­gen (sie­he ins­bes. § 92 Abs. 2 und 3 Bau­GB 2) – zwi­schen der Aus­deh­nung nach der recht­li­chen Form und nach dem tat­säch­li­chen Gegen­stand. Die Form bezieht sich auf das Maß der Grund­stücks­be­las­tung, die bis zur Eigen­tums­ent­zie­hung rei­chen kann, und damit auf die Inten­si­tät des recht­li­chen Ein­griffs (sie­he § 78 BBergG a.E.). Neben der inso­weit in § 82 Abs. 1 und 2 BBergG gere­gel­ten moda­len, „ein­griffs­ori­en­tier­ten“ Aus­deh­nung steht die in § 82 Abs. 3 BBergG nor­mier­te räum­li­che, „objekts­ori­en­tier­te“ Aus­deh­nung auf das Rest­grund­stück 3. Hier­aus folgt, dass der von der Klä­ge­rin zu 1 gel­tend gemach­te Über­nah­me­an­spruch in Bezug auf das gesam­te betrof­fe­ne Grund­stück sei­ne Rechts­grund­la­ge nicht (allein) in § 82 Abs. 1 BBergG fin­den kann; viel­mehr kommt es auf das kumu­la­ti­ve Vor­lie­gen der tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen sowohl des § 82 Abs. 1 als auch des Abs. 3 BBergG an 4.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 18. Juli 2012 – 7 B 33.12

  1. vgl. BT-Drucks 8/​1315 S. 127 zu § 80 Abs. 1 und 2; Boldt/​Weller, BBergG, 1984, § 81 Rn. 2 ff.[]
  2. BT-Drucks 8/​1315 S. 127 zu § 81[]
  3. vgl. Boldt/​Weller, a.a.O. § 82 Rn. 3 sowie Run­kel, in: Ernst/​Zinkahn, Bau­GB, § 92 Rn. 56, 62[]
  4. sie­he Run­kel, a.a.O. Rn. 52[]