Berg­sen­kun­gen und Rhein­hoch­was­ser am Nie­der­rhein

Eine Kla­ge gegen Rah­men­be­triebs­plan für das auf dem Gebiet der Städ­te Rhein­berg, Kamp-Lint­fort und Moers betrie­be­ne Berg­werk West blieb jetzt auch im Revi­si­ons­ver­fah­ren erfolg­los. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat heu­te ent­schie­den, dass die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans für das Berg­werk West pri­va­te Grund­stücks­ei­gen­tü­mer im Ein­wir­kungs­be­reich des Berg­werks nicht in ihren Rech­ten ver­letzt.

Berg­sen­kun­gen und Rhein­hoch­was­ser am Nie­der­rhein

Die RAG Deut­sche Stein­koh­le AG baut in ihrem Berg­werk West unter­tä­gig Stein­koh­le ab. Das Berg­werk West wur­de im Janu­ar 2002 als Ver­bund aus zwei seit lan­gem betrie­be­nen Schacht­an­la­gen links des Rheins gebil­det. Es umfasst Lager­stät­ten links des Rheins im Wesent­li­chen im Bereich der Gemein­den Rhein­berg, Kamp-Lint­fort und Moers. Die beklag­te Berg­be­hör­de ließ nach einer Prü­fung der Umwelt­ver­träg­lich­keit des Vor­ha­bens durch den ange­foch­te­nen Plan­fest­stel­lungs­be­schluss einen Rah­men­be­triebs­plan der bei­ge­la­de­nen Deut­schen Stein­koh­le AG zu. Er hat den Abbau von Stein­koh­le im Berg­werk West für den Zeit­raum von 2003 bis 2019 zum Gegen­stand. Die beklag­te Berg­be­hör­de klam­mer­te aus dem Plan­fest­stel­lungs­be­schluss die Ent­schei­dung dar­über aus, ob die beab­sich­tig­te Gewin­nung der Stein­koh­le wegen unver­hält­nis­mä­ßi­ger Schä­den durch Berg­sen­kun­gen an (bebau­ten) Grund­stü­cken ein­ge­schränkt oder unter­sagt wer­den sol­le; sie ver­lang­te zur Prü­fung die­ser Fra­ge von der Deut­schen Stein­koh­le AG die Auf­stel­lung von Son­der­be­triebs­plä­nen, die einen Zeit­raum von jeweils nicht mehr als fünf Jah­ren umfas­sen soll­ten und vor deren Zulas­sung der Abbau von Stein­koh­le nicht begin­nen dür­fe.

Die Klä­ger sind Eigen­tü­mer von Grund­stü­cken in einem Bereich der Stadt Rhein­berg, der von Berg­sen­kun­gen infol­ge der beab­sich­tig­ten Koh­le­för­de­rung erfasst wer­den wird. Die Klä­ger mach­ten im Wesent­li­chen gel­tend: Ihre Grund­stü­cke sei­en bis­her frei von Hoch­was­ser. Infol­ge der Berg­sen­kun­gen wären sie künf­tig von Hoch­was­ser bedroht. Aus­rei­chen­de Vor­sor­ge gegen eine Über­flu­tung ihrer Grund­stü­cke sei nicht getrof­fen. Die zu erwar­ten­den Berg­sen­kun­gen wür­den zu Schä­den an ihren Wohn­häu­sern füh­ren. Die Kla­ge blieb vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len erfolg­los [1], die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Revi­si­on der Klä­ger wies das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt heu­te zurück:

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ger sei der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss nicht des­halb rechts­wid­rig, weil die beklag­te Berg­be­hör­de nicht die erfor­der­li­che Vor­sor­ge gegen mit einem Hoch­was­ser ver­bun­de­ne Gefah­ren für Leben und Gesund­heit der Klä­ger getrof­fen habe. Für Maß­nah­men des Hoch­was­ser­schut­zes sei­en nicht die Berg­be­hör­den, son­dern die Was­ser­be­hör­den zustän­dig. Die Berg­be­hör­de müs­se sich zwar ver­ge­wis­sern, ob Pro­ble­me, die das berg­bau­li­che Vor­ha­ben mit Blick auf den erfor­der­li­chen Hoch­was­ser­schutz even­tu­ell aus­lö­se, in den dafür zustän­di­gen was­ser­recht­li­chen Ver­fah­ren gelöst wer­den könn­ten. Nach den (unstrei­ti­gen) tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts wirk­ten sich die Berg­sen­kun­gen infol­ge des künf­ti­gen Abbaus aber nicht auf die vor­han­de­nen Dei­che am Rhein aus. Die beklag­te Berg­be­hör­de habe mit­hin davon aus­ge­hen dür­fen, dass Vor­sor­ge gegen Hoch­was­ser­ge­fah­ren durch die vor­han­de­nen Schutz­an­la­gen auch für die Flä­chen getrof­fen sei, die infol­ge der Berg­sen­kun­gen erst­mals in den Bereich mög­li­cher Über­flu­tun­gen gelang­ten. Inso­weit habe das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt fest­ge­stellt, die bestehen­den, von dem Abbau­vor­ha­ben nicht berühr­ten Schutz­ein­rich­tun­gen ver­hin­der­ten, dass die abge­sun­ke­nen Flä­chen im Fal­le eines "nor­ma­len" Rhein­hoch­was­sers über­flu­tet wür­den. Dies sei hier ein Hoch­was­ser, das nach der sta­tis­ti­schen Wahr­schein­lich­keit sel­te­ner als ein­mal in 500 Jah­ren ein­tre­te. Auf ein sol­ches Hoch­was­ser sei­en die Dei­che aus­ge­legt. Ein Hoch­was­ser, das die­ses so genann­te Bemes­sungs­hoch­was­ser über­schrei­te, gehö­re für die Klä­ger wie für jeden ande­ren betrof­fe­nen Eigen­tü­mer zu dem so genann­ten Rest­ri­si­ko, gegen das Vor­sor­ge nicht ver­langt wer­den kön­ne.

Das Bun­des­berg­ge­setz erlau­be der Berg­be­hör­de fer­ner, die Ent­schei­dung über eine Ein­schrän­kung des Abbaus wegen befürch­te­ter Berg­schä­den an bebau­ten Grund­stü­cken in nach­fol­gen­de (Sonder-)Betriebsplanverfahren zu ver­la­gern. In ihnen könn­ten zeit­lich und räum­lich beschränk­te und des­halb leich­ter über­schau­ba­re Abschnit­te betrach­tet und daher bes­ser ermit­telt wer­den, auf wel­che Grund­stü­cke sich in wel­cher Wei­se der jeweils beab­sich­tig­te Abbau kon­kret aus­wir­ken wer­de. Der Rechts­schutz der Ober­flä­chen­ei­gen­tü­mer wer­de dadurch nicht ver­kürzt, weil der Beginn des Abbaus jeweils von der vor­he­ri­gen Zulas­sung der Son­der­be­triebs­plä­ne abhän­ge, die ihrer­seits ange­foch­ten wer­den könn­ten.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 29. April 2010 – 7 C 18.09

  1. OVG NRW – 11 A 656/​06[]