Berufs­aus­bil­dung – und die gericht­li­che Kon­trol­le der Abschluss­prü­fung

Für die inhalt­li­che Über­prü­fung der Bewer­tung einer Prü­fungs­leis­tung ist zu berück­sich­ti­gen, dass Prü­fungs­be­wer­tun­gen nur einer ein­ge­schränk­ten gericht­li­chen Kon­trol­le unter­lie­gen. Die gericht­li­che Über­prü­fung hat sich (nur) dar­auf zu erstre­cken, ob die Prü­fer anzu­wen­den­des Recht ver­kann­ten, von einem unrich­ti­gen Sach­ver­halt aus­gin­gen, all­ge­mein gül­ti­ge Bewer­tungs­grund­sät­ze ver­letz­ten oder sich von sach­frem­den Erwä­gun­gen lei­ten lie­ßen.

Berufs­aus­bil­dung – und die gericht­li­che Kon­trol­le der Abschluss­prü­fung

Dar­über hin­aus ist zu prü­fen, ob die Prü­fer ihre Bewer­tun­gen auf Tat­sa­chen und Fest­stel­lun­gen gestützt haben, die einer sach­li­chen Über­prü­fung stand­hal­ten, ob sie bei ihrer Bewer­tung den Zweck, dem die Prü­fung dient, erkannt haben und ob fer­ner die Bewer­tung in sich schlüs­sig und nach­voll­zieh­bar ist und den Anfor­de­run­gen ratio­na­ler Abwä­gung nicht wider­spricht.

Strei­ten Prüf­ling und Prü­fer um die Beant­wor­tung von Fach­fra­gen, so ist dem Prüf­ling ein Ant­wort­spiel­raum ein­zu­räu­men. Eine von ihm vor­ge­tra­ge­ne und mit gewich­ti­gen Argu­men­ten fol­ge­rich­tig begrün­de­te ver­tret­ba­re Ant­wort darf nicht als falsch gewer­tet wer­den, weil die Prü­fer fach­lich ande­rer Ansicht sind als der Prüf­ling.

Im Übri­gen müs­sen Prü­fer bei ihrem wer­ten­den Urteil von Ein­schät­zun­gen und Erfah­run­gen aus­ge­hen, die sie im Lau­fe ihrer Prü­fungs­pra­xis bei ver­gleich­ba­ren Prü­fun­gen ent­wi­ckelt haben und die sie all­ge­mein anwen­den. Hier­aus resul­tiert ein prü­fungs­recht­li­cher Bewer­tungs­spiel­raum, der zwar einer durch Art.19 Abs. 4 Grund­ge­setz (GG) gebo­te­nen Kon­trol­le unter­liegt.

Prü­fungs­spe­zi­fi­sche Wer­tun­gen blei­ben dabei jedoch der Letzt­ent­schei­dungs­kom­pe­tenz der Prü­fer über­las­sen. Dem Gericht ist es ins­be­son­de­re ver­wehrt, sich selbst an die Stel­le der Prü­fer zu set­zen und eine eige­ne Bewer­tung der Prü­fungs­ar­bei­ten vor­zu­neh­men 1.

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 12. Dezem­ber 2013 – 12 A 179/​12

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 17.04.1991 – 1 BvR 419/​81, 1 BvR 213/​83BVerfGE 84, 34 ff. und Beschluss vom 17.04.1991 – 1 BvR 1529/​84, 1 BvR 138/​87BVerfGE 84, 59 ff.; BVerwG, Urteil vom 09.12.1992 – 6 C 3/​92BVerw­GE 91, 262 ff.[]