Berufs­sol­da­ten des Sani­täts­diens­tes als Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rer

Akti­ve Berufs- und Zeit­sol­da­ten des Sani­täts­diens­tes der Bun­des­wehr haben eben­so wie Wehr­pflich­ti­ge und alle ande­ren Sol­da­ten der Bun­des­wehr einen Anspruch dar­auf, dass das Bun­des­amt für Fami­lie und zivil­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­ben (frü­her: Bun­des­amt für den Zivil­dienst) ein Aner­ken­nungs­ver­fah­ren durch­führt, wenn sie einen Antrag auf Aner­ken­nung als Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rer stel­len. Dies hat jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig auf die Kla­gen von zwei Sani­täts­of­fi­zie­ren und Sol­da­ten auf Zeit ent­schie­den.

Berufs­sol­da­ten des Sani­täts­diens­tes als Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rer

Das frü­he­re Bun­des­amt für den Zivil­dienst und das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz als Vor­in­stanz haben die Aner­ken­nungs­an­trä­ge der Klä­ger als unzu­läs­sig ange­se­hen und sich dabei auf Recht­spre­chungs­grund­sät­ze beru­fen, die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in den 1980er Jah­ren begrün­det hat­te. Nach die­sen Grund­sät­zen war Ange­hö­ri­gen des Sani­täts­diens­tes, die sich als Berufs- oder Zeit­sol­da­ten frei­wil­lig zum Dienst in der Bun­des­wehr ver­pflich­tet hat­ten, bis zur Been­di­gung ihres Dienst­ver­hält­nis­ses kein Rechts­schutz­be­dürf­nis für einen Antrag auf Aner­ken­nung als Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rer zuzu­bil­li­gen.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die­se Recht­spre­chung auf­ge­ge­ben. Da das nach Durch­füh­rung eines Aner­ken­nungs­ver­fah­rens förm­lich zuer­kann­te Grund­recht aus Art. 4 Abs. 3 Satz 1 GG gemäß Art. 12a Abs. 2 Satz 3 GG das Recht ein­schließt, jeg­li­chen Dienst in der Bun­des­wehr ein­schließ­lich des Sani­täts­diens­tes zu ver­wei­gern, muss jedem Grund­rechts­trä­ger jeder­zeit die Mög­lich­keit ein­ge­räumt wer­den, ein sol­ches Aner­ken­nungs­ver­fah­ren zu durch­lau­fen. Die der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung zu Grun­de lie­gen­de Annah­me, dass Sol­da­ten, die sich frei­wil­lig zum waf­fen­lo­sen Sani­täts­dienst ver­pflich­tet hät­ten, das Aner­ken­nungs­ver­fah­ren nicht benö­tig­ten, auch weil sie gege­be­nen­falls ihre vor­zei­ti­ge Ent­las­sung aus dem Sol­da­ten­ver­hält­nis bean­tra­gen könn­ten, hat sich als nicht trag­fä­hig erwie­sen und in der Pra­xis zu einer den Betrof­fe­nen nicht zumut­ba­ren Kom­pli­zie­rung der Ver­fah­rens­ab­läu­fe geführt.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Sachen zur ander­wei­ti­gen Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz zurück­ver­wie­sen. Die­ses wird zu prü­fen haben, ob die Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rung der Klä­ger von einer Gewis­sens­ent­schei­dung im Sin­ne des Art. 4 Abs. 3 Satz 1 GG getra­gen wird.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 22. Febru­ar 2012 – 6 C 11.11 und 31.11