Beru­fungs­be­grün­dung – und die Bezug­nah­me auf das Zulas­sungs­ver­fah­ren

§ 124a Abs. 3 VwGO macht die Zuläs­sig­keit der Beru­fung von einer form- und frist­ge­rech­ten Begrün­dung abhän­gig. Die­se muss nach § 124a Abs. 3 Satz 4 VwGO einen bestimm­ten Antrag ent­hal­ten sowie die im Ein­zel­nen anzu­füh­ren­den Grün­de der Anfech­tung (Beru­fungs­grün­de). Ent­spre­chen­des gilt nach Zulas­sung der Beru­fung durch das Beru­fungs­ge­richt (§ 124a Abs. 6 Satz 3 VwGO).

Beru­fungs­be­grün­dung – und die Bezug­nah­me auf das Zulas­sungs­ver­fah­ren

Der Bedeu­tungs­ge­halt der Rege­lung des § 124a Abs. 3 Satz 4 VwGO ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts geklärt 1. Danach muss die Beru­fungs­be­grün­dung sub­stan­ti­iert und kon­kret auf den zu ent­schei­den­den Fall bezo­gen sein.

Sie muss erken­nen las­sen, aus wel­chen recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Grün­den das ange­foch­te­ne Urteil nach Ansicht des Beru­fungs­klä­gers unrich­tig sein soll und geän­dert wer­den muss.

Soweit der Beru­fungs­füh­rer bereits im Zulas­sungs­an­trag erschöp­fend vor­ge­tra­gen hat, genügt es, wenn er dar­auf in einem inner­halb der Begrün­dungs­frist ein­ge­hen­den Schrift­satz Bezug nimmt 2.

Das gesetz­li­che Erfor­der­nis der Ein­rei­chung eines Schrift­sat­zes zur Beru­fungs­be­grün­dung kann grund­sätz­lich auch eine auf die erfolg­rei­che Begrün­dung des Zulas­sungs­an­trags ver­wei­sen­de Begrün­dung erfül­len, wenn damit hin­rei­chend zum Aus­druck gebracht wer­den kann, dass und wes­halb das erst­in­stanz­li­che Urteil ange­foch­ten wird 3.

Wel­che Min­dest­an­for­de­run­gen an die Beru­fungs­be­grün­dung sich aus die­sen Grund­sät­zen erge­ben, hängt wesent­lich von den Umstän­den des kon­kre­ten Ein­zel­fal­les ab 4. In soge­nann­ten klas­si­schen ver­wal­tungs­recht­li­chen Ver­fah­ren 5 gel­ten inso­weit die glei­chen Maß­stä­be wie in asyl­recht­li­chen Ver­fah­ren 6.

Bezug­nah­me auf schrift­li­che Stel­lung­nah­men, die sich in den Gerichts­ak­ten befin­den, und ins­be­son­de­re auf den Zulas­sungs­an­trag, sind grund­sätz­lich zuläs­sig 7. Soweit der Beru­fungs­füh­rer bereits im Zulas­sungs­an­trag erschöp­fend vor­ge­tra­gen hat, genügt es, wenn er dar­auf Bezug nimmt und hier­durch hin­rei­chend zum Aus­druck bringt, dass und wes­halb das Urteil wei­ter­hin ange­foch­ten wird 8.

Hat die Klä­ge­rin klar­ge­stellt, dass sie das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts, durch das ihre Kla­ge abge­wie­sen wor­den ist, ins­ge­samt mit der Beru­fung angrei­fen will und wird zugleich aus der Beru­fungs­be­grün­dung noch hin­rei­chend deut­lich, wes­halb sie abwei­chend vom Ver­wal­tungs­ge­richt die Kla­ge für begrün­det hält, reicht dies als Beru­fungs­be­grün­dung aus. Eine dar­über hin­aus­ge­hen­de sub­stan­ti­ier­te Aus­ein­an­der­set­zung mit den Grün­den des ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Urtei­les ver­langt § 124a Abs. 3 Satz 4 VwGO nicht. Der Beru­fungs­füh­rer genügt grund­sätz­lich sei­ner gesetz­li­chen Begrün­dungs­pflicht, wenn er in der Beru­fungs­be­grün­dung an sei­ner in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht hin­rei­chend kon­kret erläu­ter­ten Auf­fas­sung fest­hält und zum Aus­druck bringt, dass er von den gegen­tei­li­gen Erwä­gun­gen des ange­foch­te­nen Urteils nicht über­zeugt ist 9.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 14. Febru­ar 2018 – 1 B 1.18

  1. vgl. BVerwG, Beschluss vom 17.12 2015 – 6 B 24.15, Buch­holz 310 § 124a VwGO Nr. 48 Rn. 7[]
  2. BVerwG, Beschlüs­se vom 30.01.2009 – 5 B 44.08, Buch­holz 310 § 124a VwGO Nr. 39 Rn. 2; und vom 21.09.2011 – 3 B 56.11 6, jeweils m.w.N.[]
  3. BVerwG, Beschlüs­se vom 30.01.2009 – 5 B 44.08, Buch­holz 310 § 124a VwGO Nr. 39 Rn. 2; und vom 03.08.2016 – 1 B 79.16InfAuslR 2016, 449 Rn. 3[]
  4. BVerwG, Beschlüs­se vom 16.02.2012 – 9 B 71.11, Buch­holz 310 § 124a VwGO Nr. 42 Rn. 5 m.w.N.; und vom 03.08.2016 – 1 B 79.16InfAuslR 2016, 449 Rn. 3[]
  5. wie dem vor­lie­gen­den aus­län­der­recht­li­chen Ver­fah­ren[]
  6. vgl. dazu: BVerwG, Beschluss vom 03.08.2016 – 1 B 79.16InfAuslR 2016, 449 Rn. 3[]
  7. BVerwG, Beschluss vom 17.12 2015 – 6 B 24.15, Buch­holz 310 § 124a VwGO Nr. 48 Rn. 7 m.w.N.[]
  8. BVerwG, Beschluss vom 30.01.2009 – 5 B 44.08, Buch­holz 310 § 124a VwGO Nr. 39 Rn. 2 m.w.N.[]
  9. vgl. BVerwG, Beschluss vom 02.06.2005 – 10 B 4.05 5[]