Beru­fungs­zu­las­sung bei mehr­fach tra­gen­den Urteils­grün­den

Hat das Ver­wal­tungs­ge­richt eine Kla­ge als unzu­läs­sig abge­wie­sen und grei­fen dem­ge­gen­über gel­tend gemach­te Zulas­sungs­grün­de nicht durch, so setzt eine Zulas­sung der Beru­fung in Anknüp­fung an Aus­füh­run­gen, die das ange­foch­te­ne Urteil auch zur Unbe­gründ­etheit der Kla­ge ent­hält, vor­aus: Der Zulas­sungs­an­trag­stel­ler muss dar­ge­legt haben, dass die­se Aus­füh­run­gen nicht ledig­lich als ein obiter dic­tum ver­stan­den wer­den kön­nen und wes­halb ein Rechts­schutz­be­dürf­nis für die Zulas­sung des Rechts­mit­tels auch dann besteht, wenn die Beru­fung ledig­lich zum Erge­hen eines wei­ter­hin abwei­sen­den, aber nun­mehr aus­schließ­li­chen Pro­zes­s­ur­teils füh­ren wür­de.

Beru­fungs­zu­las­sung bei mehr­fach tra­gen­den Urteils­grün­den

Ernst­li­che Zwei­fel im Sin­ne des § 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO, die die Zulas­sung der Beru­fung recht­fer­ti­gen, sind zu beja­hen, wenn auf Grund der Begrün­dung des Zulas­sungs­an­trags und der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts gewich­ti­ge gegen die Rich­tig­keit der Ent­schei­dung spre­chen­de Grün­de zuta­ge tre­ten, aus denen sich ergibt, dass ein Erfolg der erstreb­ten Beru­fung min­des­tens eben­so wahr­schein­lich ist wie ein Miss­erfolg. Das ist der Fall, wenn ein tra­gen­der Rechts­satz oder eine erheb­li­che Tat­sa­chen­fest­stel­lung mit schlüs­si­gen Gegen­ar­gu­men­ten in Fra­ge gestellt wird [1]. Die Rich­tig­keits­zwei­fel müs­sen sich aller­dings auch auf das Ergeb­nis der Ent­schei­dung bezie­hen; es muss also mit hin­rei­chen­der Wahr­schein­lich­keit anzu­neh­men sein, dass die Beru­fung zu einer Ände­rung der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung füh­ren wird [2]. Um ernst­li­che Zwei­fel an der Rich­tig­keit des erst­in­stanz­li­chen Urteils dar­zu­le­gen, muss sich der Zulas­sungs­an­trag­stel­ler sub­stan­zi­ell mit der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung aus­ein­an­der­set­zen [3]. Wel­che Anfor­de­run­gen an Umfang und Dich­te sei­ner Dar­le­gung zu stel­len sind, hängt des­halb auch von der Inten­si­tät ab, mit der die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts begrün­det wor­den ist [4].

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 13. Janu­ar 2012 – 7 LA 138/​11

  1. BVerfG, Beschluss vom 23.06.2000 – 1 BvR 830/​00 , DVBl.2000, 1458 [1459][]
  2. Nds. OVG, Beschluss vom 17. 11.2011 – 10 LA 16/​10; und Beschluss vom 27.03.1997 – 12 M 1731/​97, NVwZ 1997, 1225 [1228]; BVerwG, Beschluss vom 10.03.2004 – BVerwG 7 AV 4.03 , DVBl.2004, 838 [839][]
  3. Nds. OVG, Beschluss vom 17. 11.2011 – 10 LA 16/​10; und vom 17.02.2010 – 5 LA 342/​08[]
  4. vgl. Happ, in: Eyer­mann, VwGO, 13. Aufl.2010, § 124a Rn. 64, m. w. N.[]