Beschleu­ni­gungs­rü­ge – und die zwi­schen­zeit­li­che Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che

Indem das Fami­li­en­ge­richt eine die Instanz been­den­de Sach­ent­schei­dung getrof­fen hat, ist das Rechts­schutz­be­dürf­nis für die auf die Beschleu­ni­gung des fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens gerich­te­ten Rechts­be­hel­fe der Beschleu­ni­gungs­rü­ge und -beschwer­de ent­fal­len 1.

Beschleu­ni­gungs­rü­ge – und die zwi­schen­zeit­li­che Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che

Da der Ver­fah­rens­zweck der Beschleu­ni­gung nicht mehr erreicht wer­den kann und sich somit das von dem Beschwer­de­füh­rer ver­folg­te Beschleu­ni­gungs­be­geh­ren erle­digt hat, ist auch das Rechts­schutz­be­dürf­nis für die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ent­fal­len.

Nach den Umstän­den des vor­lie­gen­den Fal­les bestand nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts auch kein Bedürf­nis für eine Fest­stel­lung der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen fort:

Nach einer Erle­di­gung des ver­folg­ten Begeh­rens besteht im Ver­fah­ren der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ein Rechts­schutz­be­dürf­nis nur dann fort, wenn ent­we­der die Klä­rung einer ver­fas­sungs­recht­li­chen Fra­ge von grund­sätz­li­cher Bedeu­tung ande­ren­falls unter­blie­be und der gerüg­te Grund­rechts­ein­griff beson­ders belas­tend erscheint oder eine Wie­der­ho­lung der ange­grif­fe­nen Maß­nah­me zu besor­gen ist oder die auf­ge­ho­be­ne Maß­nah­me den Beschwer­de­füh­rer noch wei­ter­hin beein­träch­tigt 2.

Dies ist hier nicht der Fall. Ins­be­son­de­re sind die hier anwend­ba­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Maß­stä­be des Rechts auf effek­ti­ven Rechts­schutz aus Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 3 GG und der dar­aus fol­gen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an die Gestal­tung und Dau­er von Umgangs­ver­fah­ren 3 hin­rei­chend geklärt. Auch ist nicht ersicht­lich, dass die ange­grif­fe­nen Hoheits­ak­te den Beschwer­de­füh­rer noch wei­ter­hin beein­träch­ti­gen, denn die eine Ver­let­zung des Vor­rang- und Beschleu­ni­gungs­ge­bots ver­nei­nen­den Ent­schei­dun­gen ent­fal­ten für einen even­tu­el­len spä­te­ren Ent­schä­di­gungs­pro­zess nach § 198 GVG kei­ne Bin­dungs­wir­kung 4.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 23. August 2018 – 1 BvR 700/​18

  1. OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 25.10.2017 – 18 WF 188/​17 13; Mey­er-Holz, in: Kei­del, FamFG, 19. Aufl.2017, § 155b Rn. 5; Borth/​Grandel, in: Musielak/​Borth, FamFG, 6. Aufl.2018, Rn. 3; Ham­mer, in: Prütting/​Helms, FamFG, 4. Aufl.2018, § 155c Rn. 5; Dür­beck, ZKJ 2018, S. 68; BT-Drs. 18/​9092, S. 17[]
  2. vgl. BVerfGE 81, 138, 140[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 06.05.1997 – 1 BvR 711/​96, juris; Beschluss vom 11.12 2000 – 1 BvR 661/​00, juris; Beschluss vom 25.11.2003 – 1 BvR 834/​03, juris; Beschluss vom 24.07.2008 – 1 BvR 547/​06, juris; Beschluss vom 25.04.2015 – 1 BvR 3326/​14[]
  4. BT-Drs. 18/​9092, S.19[]