Besei­ti­gung von stra­ßen­na­hen Außen­be­reichs­wer­be­an­la­gen

Gegen­über unge­neh­mig­ten Wer­be­an­la­gen, die in frei­er Außen­be­reichs­land­schaft in der Nähe von Stra­ßen auf­ge­stellt wer­den, ist die Anord­nung des Sofort­voll­zugs für die Besei­ti­gun­gan­ord­nung regel­mä­ßig zuläs­sig und gebo­ten.

Besei­ti­gung von stra­ßen­na­hen Außen­be­reichs­wer­be­an­la­gen

Es ist seit lan­gem stän­di­ge Recht­spre­chung des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts, dass die sofor­ti­ge Besei­ti­gung von Wer­be­an­la­gen schon wegen feh­len­der Bau­ge­neh­mi­gung ver­langt wer­den darf, wenn dadurch kein wesent­li­cher Sub­stanz­ver­lust droht und das Vor­ge­hen – etwa wegen der Vor­bild­wir­kung der Anla­ge – dring­lich erscheint 1. Dies steht auch im Ein­klang mit der Recht­spre­chung ande­rer Ober­ge­rich­te 2. Haupt­sa­che­rechts­schutz wird dem Antrag­stel­ler damit nicht abge­schnit­ten; die Schil­der kön­nen im Fal­le eines Erfol­ges in de Haupt­sa­che wie­der auf­ge­stellt wer­den.

Für Wer­be­an­la­gen der hier vor­lie­gen­den Art, die in der frei­en Land­schaft ste­hend die Auf­merk­sam­keit von Stra­ßen­be­nut­zern auf sich zie­hen sol­len, liegt die – mate­ri­el­le – Bau­rechts­wid­rig­keit auch ohne Detail­prü­fung regel­mä­ßig auf der Hand. Sie sind im Außen­be­reich nach § 49 Abs. 3 NBauO unzu­läs­sig. Geklärt ist auch, dass die­se Rege­lung im Rah­men der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz der Län­der liegt 3. Unzu­läs­sig sind Außen­be­reichs­wer­be­an­la­gen auch pla­nungs­recht­lich nach § 35 Abs. 2 Bau­GB, wenn der Außen­be­reich am kon­kre­ten Stand­ort nicht gera­de der­ge­stalt „vor­ge­schä­digt” ist, dass sogar die natür­li­che Eigen­art der Land­schaft nicht mehr zusätz­lich beein­träch­tigt wer­den könn­te. Sol­che Stand­or­te wer­den für Wer­be­an­la­gen der frag­li­chen Art jedoch typi­scher­wei­se nicht aus­ge­wählt; sie sol­len die Auf­merk­sam­keit der Auto­fah­rer viel­mehr gera­de durch den Kon­trast errei­chen, den sie vor dem optisch ruhi­gen Land­schafts­bild bil­den, meis­tens an einem Wald­rand.

In Fäl­len die­ser Art hat die Bau­auf­sichts­be­hör­de auch bei grund­sätz­li­cher Eröff­nung von Ermes­sen prak­tisch aus­nahms­los die Besei­ti­gung der unzu­läs­si­gen Wer­be­an­la­gen anzu­ord­nen. Das bau­auf­sicht­li­che Ein­schrei­ten ist die Regel­fol­ge der Bau­ord­nungs­wid­rig­keit; ein „Für und Wider” braucht nur dann abge­wo­gen zu wer­den, wenn der Fall so gear­tet ist, dass ganz bestimm­te kon­kre­te Anhalts­punk­te für die Ange­mes­sen­heit einer Aus­nah­me, d.h. der hier (aus­nahms­wei­se) in Kauf zu neh­men­den Dul­dung eines rechts­wid­ri­gen oder ord­nungs­wid­ri­gen Zustan­des, bestehen 4. Das ist bei auf Stra­ßen aus­ge­rich­te­te Wer­be­schil­der in der frei­en Außen­be­reichs­land­schaft nicht der Fall. Im Gegen­teil sind die Bau­auf­sichts­be­hör­den gera­de wegen der erheb­li­chen Vor­bild­wir­kung sol­cher Wer­be­an­la­gen ver­an­lasst, in die­sen Fäl­len unver­züg­lich und nach­hal­tig vor­ge­hen.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 19. Mai 2010 – 1 ME 81/​10

  1. sie­he schon Nds. OVG, Beschluss vom 29.09.1966 – VII OVG B 21/​66, NJW 1967, 2281; Beschluss vom 19.04.1985 – 6 OVG B 30/​85; Beschluss vom 08.07.1985 – 6 OVG B 70/​85, Nds­Rpfl. 1986, 111; Beschluss vom 10.06.1986 – 1 B 43/​86, BRS 46 Nr. 124; ähn­lich für ein Block­haus: Beschluss vom 10.05.1994 – 1 M 1046/​94, BauR 1994, 611; vgl. im Übri­gen Gro­ße-Suchs­dor­f/­Lin­dor­f/­Schmal­t­z/ Wie­chert, NBauO, 8. Aufl. 2006, § 89 Rdnrn. 30 und 105
  2. vgl. z.B. OVG NRW, Beschluss vom 13.09.1996 – 11 B 1083/​96, BRS 58 Nr. 128; Beschluss vom 17.05.2000 – 7 B 723/​00, BRS 63 Nr. 214; OVG M‑V, Beschluss vom 06.02.2008 – 3 M 9/​08, BauR 2009, 482; OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 10.02.2009 – 2 S 87.08; sie­he außer­dem Finger/​Löbbecke, VBlBW 2007, 166
  3. BVerwG, Urteil vom 11.10.2007 – 4 C 8.06, BVerw­GE 129, 318 = DVBl. 2008, 258
  4. BVerwG, Beschluss vom 28.08.1980 – 4 B 67.80, BRS 36 Nr. 93; Gro­ße-Suchs­dor­f/­Lin­dor­f/­Schmal­t­z/Wie­chert, a.a.O., § 89 Rdnr. 51