Bestat­tungs­kos­ten des Vaters

Die für den Ster­be- oder Auf­fin­dungs­ort zustän­di­ge Gemein­de hat eine sub­si­diä­re eige­ne Bestat­tungs­pflicht § 8 Abs. 4 Satz 1 NBe­stattG.

Bestat­tungs­kos­ten des Vaters

Wenn für die Gemein­de nach eige­ner Prü­fung fest­steht, dass die gesetz­li­chen Bestat­tungs­pflich­ten durch einen pri­mär Bestat­tungs­pflich­ti­gen zu den in § 9 NBe­stattG genann­ten Zeit­punk­ten vor­aus­sicht­lich nicht erfüllt wer­den, besteht die sub­si­diä­re Bestat­tungs­pflicht. Ob pri­mär Bestat­tungs­pflich­ti­ge vor­han­den und die­se zur Ver­an­las­sung der Bestat­tung wil­lens und in der Lage sind, hat die zustän­di­ge Gemein­de hat daher regel­mä­ßig inner­halb der durch § 9 NBe­stattG bestimm­ten Zeit­räu­me unter Aus­nut­zung der ihr zur Ver­fü­gung ste­hen­den oder für sie mit zumut­ba­rem Auf­wand erreich­ba­ren Erkennt­nis­quel­len zu ermit­teln.

Die Gemein­de selbst schul­det die bei der Erfül­lung der sub­si­diä­ren Bestat­tungs­pflicht ver­ur­sach­ten Bestat­tungs­kos­ten. Die pri­mär gesetz­lich Bestat­tungs­pflich­ti­gen nach § 8 Abs. 3 NBe­stattG haf­ten der Gemein­de nach der beson­de­ren gesetz­li­chen Bestim­mung in § 8 Abs. 4 Satz 2 NBe­stattG für die­se Bestat­tungs­kos­ten.

So hat das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den. Die Klä­ge­rin wehrt sich gegen die Her­an­zie­hung zu den Kos­ten der Bestat­tung ihres Vaters. Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Hier­ge­gen rich­tet sich die Beru­fung der Beklag­ten.

Rechts­grund­la­ge für die Her­an­zie­hung der Klä­ge­rin zu den Kos­ten für die Bestat­tung ihres Vaters ist § 8 Abs. 4 Satz 2 Nie­der­säch­si­sches Gesetz über das Leichen‑, Bestat­tungs- und Fried­hofs­we­sen – NBe­stattG – vom 8. Dezem­ber 2005 1. Danach haf­ten die nach § 8 Abs. 3 NBe­stattG vor­ran­gig Bestat­tungs­pflich­ti­gen der Gemein­de als Gesamt­schuld­ner für die Bestat­tungs­kos­ten.

Vor­aus­set­zung für die Her­an­zie­hung der nach § 8 Abs. 3 NBe­stattG gesetz­lich Bestat­tungs­pflich­ti­gen zu den Kos­ten einer Bestat­tung auf die­ser Grund­la­ge ist ledig­lich, dass die sub­si­diä­re Bestat­tungs­pflicht der für den Ster­be- oder Auf­fin­dungs­ort zustän­di­gen Gemein­de nach § 8 Abs. 4 Satz 1 NBe­stattG ent­stan­den und durch die­se erfüllt wor­den ist. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hält an sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung, wonach die Her­an­zie­hung der pri­mär gesetz­lich Bestat­tungs­pflich­ti­gen zu den Kos­ten einer durch die Gemein­de ver­an­lass­ten Bestat­tung stets eine (recht­mä­ßi­ge) zwangs­wei­se Durch­set­zung der gesetz­li­chen Pflich­ten im Wege der Ersatz­vor­nah­me vor­aus­setzt 2, nicht mehr fest.

Der für den Ster­be- oder Auf­fin­dungs­ort zustän­di­gen Gemein­de ist es zwar durch­aus mög­lich, die sich aus § 8 Abs. 1 Satz 1 NBe­stattG erge­ben­de Bestat­tungs­pflicht gegen­über den nach § 8 Abs. 3 NBe­stattG pri­mär gesetz­lich Bestat­tungs­pflich­ti­gen im Wege des Ver­wal­tungs­zwangs nach den Bestim­mun­gen im 6. Teil 1. Abschnitt des Nie­der­säch­si­schen Geset­zes über die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung – Nds. SOG – durch­zu­set­zen. Erfül­len die nach § 8 Abs. 3 NBe­stattG pri­mär Pflich­ti­gen die ihnen oblie­gen­de, gege­be­nen­falls durch einen auf § 11 Nds. SOG gestütz­ten (Grund-)Ver­wal­tungs­akt zu kon­kre­ti­sie­ren­de gesetz­li­che Bestat­tungs­pflicht nicht, kann die zustän­di­ge Gemein­de etwa im Wege der Ersatz­vor­nah­me nach §§ 64, 66 Nds. SOG die Bestat­tung ver­an­las­sen und von den pri­mär Bestat­tungs­pflich­ti­gen dann auf der Grund­la­ge des § 66 Abs. 1 Satz 1 Nds. SOG die Erstat­tung ent­stan­de­ner Kos­ten ver­lan­gen 3. Dass der Gesetz­ge­ber mit den Rege­lun­gen in § 8 Abs. 4 NBe­stattG die­se gene­rell eröff­ne­te Mög­lich­keit der zwangs­wei­sen Durch­set­zung ord­nungs­recht­li­cher Pflich­ten der Bestat­tungs­pflich­ti­gen beschrän­ken und die für den Ster­be- oder Auf­fin­dungs­ort zustän­di­ge Gemein­de auf die Erfül­lung einer zwar sub­si­diä­ren, aber eige­nen Bestat­tungs­pflicht ver­wei­sen woll­te, kann weder dem Wort­laut oder der Sys­te­ma­tik des Geset­zes noch den Geset­zes­ma­te­ria­li­en ent­nom­men wer­den 4.

Neben die­ser Mög­lich­keit, die Bestat­tungs­pflicht der nach § 8 Abs. 3 NBe­stattG pri­mär gesetz­lich Pflich­ti­gen im Wege des Ver­wal­tungs­zwangs durch­zu­set­zen, begrün­det § 8 Abs. 4 Satz 1 NBe­stattG aber auch eine sub­si­diä­re Bestat­tungs­pflicht der für den Ster­be- oder Auf­fin­dungs­ort zustän­di­gen Gemein­de 5. Han­delt die zustän­di­ge Gemein­de auf der Grund­la­ge des § 8 Abs. 4 Satz 1 NBe­stattG, sorgt sie folg­lich nicht im Wege des Ver­wal­tungs­zwangs für die Erfül­lung frem­der Pflich­ten, hier der pri­mär Bestat­tungs­pflich­ti­gen nach § 8 Abs. 3 NBe­stattG. Sie erfüllt viel­mehr eine ihr selbst oblie­gen­de gesetz­li­che Pflicht zur Bestat­tung 6. Die bei der Erfül­lung die­ser Pflicht ver­ur­sach­ten Bestat­tungs­kos­ten schul­det die Gemein­de selbst. Die pri­mär gesetz­lich Bestat­tungs­pflich­ti­gen nach § 8 Abs. 3 NBe­stattG haf­ten der Gemein­de nach der beson­de­ren gesetz­li­chen Bestim­mung in § 8 Abs. 4 Satz 2 NBe­stattG aber für die­se Bestat­tungs­kos­ten. Die­se Haf­tung kann nach § 8 Abs. 4 Satz 3 NBe­stattG durch Leis­tungs­be­scheid fest­ge­setzt wer­den. Die Recht­mä­ßig­keit der auf die­ser Grund­la­ge erfolg­ten Her­an­zie­hung zu Bestat­tungs­kos­ten erfor­dert mit­hin nicht eine (recht­mä­ßi­ge) zwangs­wei­se Durch­set­zung der gesetz­li­chen Pflich­ten im Wege der Ersatz­vor­nah­me, son­dern ledig­lich das Ent­ste­hen und die Erfül­lung der sub­si­diä­ren gesetz­li­chen Bestat­tungs­pflicht der für den Ster­be- oder Auf­fin­dungs­ort zustän­di­gen Gemein­de nach § 8 Abs. 4 Satz 1 NBe­stattG.

Die­se sub­si­diä­re Bestat­tungs­pflicht ent­steht nach dem Wort­laut des § 8 Abs. 4 Satz 1 NBe­stattG bereits dann, wenn nie­mand für die Bestat­tung sorgt. Maß­geb­lich ist dabei auf die in § 9 NBe­stattG für die jewei­li­gen Bestat­tungs­ar­ten und ‑abschnit­te genann­ten Zeit­punk­te abzu­stel­len. Aus­ge­hend von der gesetz­lich ange­ord­ne­ten Sub­si­dia­ri­tät der gemeind­li­chen Bestat­tungs­pflicht ent­steht die­se nur, wenn für die Gemein­de nach eige­ner Prü­fung fest­steht, dass die gesetz­li­chen Bestat­tungs­pflich­ten durch einen pri­mär Bestat­tungs­pflich­ti­gen zu den in § 9 NBe­stattG genann­ten Zeit­punk­ten vor­aus­sicht­lich nicht erfüllt wer­den. Dies kann etwa dann der Fall sein, wenn ein pri­mär Bestat­tungs­pflich­ti­ger nicht vor­han­den oder zur Ver­an­las­sung der Bestat­tung nicht wil­lens oder nicht in der Lage ist. Die zustän­di­ge Gemein­de hat daher regel­mä­ßig inner­halb der durch § 9 NBe­stattG bestimm­ten Zeit­räu­me unter Aus­nut­zung der ihr zur Ver­fü­gung ste­hen­den oder für sie mit zumut­ba­rem Auf­wand erreich­ba­ren Erkennt­nis­quel­len zu ermit­teln, ob pri­mär Bestat­tungs­pflich­ti­ge vor­han­den und die­se zur Ver­an­las­sung der Bestat­tung wil­lens und in der Lage sind. Erst wenn die­se – abhän­gig vom Ein­zel­fall jeweils unter­schied­li­chen Anfor­de­run­gen unter­lie­gen­den – Ermitt­lun­gen die Fest­stel­lung gestat­ten, dass die gesetz­li­chen Bestat­tungs­pflich­ten durch einen pri­mär Bestat­tungs­pflich­ti­gen zu den in § 9 NBe­stattG genann­ten Zeit­punk­ten vor­aus­sicht­lich nicht erfüllt wer­den, ent­steht die sub­si­diä­re Bestat­tungs­pflicht der Gemein­de nach § 8 Abs. 4 Satz 1 NBe­stattG.

Hier­an gemes­sen war im vor­lie­gen­den Ein­zel­fall bereits am 2. April 2008 die sub­si­diä­re Bestat­tungs­pflicht der Gemein­de ent­stan­den.

Aus­weis­lich der Ver­wal­tungs­vor­gän­ge der Beklag­ten waren zu die­sem Zeit­punkt die pri­mär Bestat­tungs­pflich­ti­gen im Sin­ne des § 8 Abs. 3 NBe­stattG ermit­telt, und zwar die Ehe­frau I. H., J. -Stra­ße .., K., die Geschwis­ter, Frau I. L., M. Weg .., C., und Frau N., O. stra­ße .., C., sowie die Kin­der, Herrn P. H., Q. Stra­ße .., R., Frau A., die Klä­ge­rin und Frau S., deren Auf­ent­halt unbe­kannt ist. Wei­te­re mit zumut­ba­rem Auf­wand inner­halb des durch § 9 NBe­stattG bestimm­ten Zeit­raums ver­füg­ba­re Mög­lich­kei­ten der Beklag­ten, den Auf­ent­halts­ort der Toch­ter Frau S. zu ermit­teln, sind nicht ersicht­lich.

Auch die Bereit­schaft die­ser pri­mär Bestat­tungs­pflich­ti­gen mit bekann­tem Auf­ent­halt, die Bestat­tung inner­halb der Fris­ten des § 9 NBe­stattG zu ver­an­las­sen, hat die Beklag­te erkun­det. Die blo­ße tele­fo­ni­sche Kon­takt­auf­nah­me ist ange­sichts der kur­zen Frist des § 9 Abs. 2 Satz 1 NBe­stattG, für deren Ver­län­ge­rung hier weder ein Anlass noch eine Recht­fer­ti­gung bestan­den hat, nicht zu bean­stan­den. Frau I. L., die Schwes­ter des Ver­stor­be­nen, lehn­te die Ver­an­las­sung der Bestat­tung für sich und die wei­te­re Schwes­ter Frau N. ab. Auch der Sohn P. H. und die Klä­ge­rin lehn­ten die Ver­an­las­sung der Bestat­tung ab. Die Klä­ge­rin wies dar­auf hin, dass ihre Mut­ter und Ehe­frau des Ver­stor­be­nen, Frau I. H., schwer pfle­ge­be­dürf­tig und eben­falls nicht in der Lage sei, die Bestat­tung ihres Ehe­man­nes zu ver­an­las­sen. Hier­mit stand für die Beklag­te fest, dass die ihr bekann­ten gesetz­li­chen Bestat­tungs­pflich­ten durch einen pri­mär Bestat­tungs­pflich­ti­gen zu den in § 9 NBe­stattG genann­ten Zeit­punk­ten vor­aus­sicht­lich nicht erfüllt wer­den. Der von der Klä­ge­rin hier­ge­gen erho­be­ne Ein­wand, die Beklag­te habe sich hin­sicht­lich der Bestat­tungs­pflich­ti­gen I. H. und N. nicht auf die Anga­ben Drit­ter ver­las­sen dür­fen, son­dern die­se selbst befra­gen müs­sen, geht fehl. Zutref­fend ist zwar, dass die Beklag­te die­se Bestat­tungs­pflich­ti­gen hät­te selbst befra­gen kön­nen und sich durch das Unter­las­sen die­ser Befra­gung dem Risi­ko fal­scher Anga­ben Drit­ter aus­ge­setzt hat. Indes bestehen aus der Sicht der Beklag­ten kei­ner­lei Anhalts­punk­te dafür, dass die hier von Drit­ten für die­se Bestat­tungs­pflich­ti­gen getä­tig­ten Anga­ben falsch gewe­sen sein könn­ten. Dar­auf gibt es auch aus heu­ti­ger Sicht kei­ner­lei Hin­weis.

Auf­grund der damit bereits am 2. April 2008 ent­stan­de­nen sub­si­diä­ren Bestat­tungs­pflicht war die Beklag­te berech­tigt, in Erfül­lung einer ihr selbst oblie­gen­den Pflicht auf der Grund­la­ge des § 8 Abs. 4 Satz 1 NBe­stattG die Bestat­tung des Herrn G. H. zu ver­an­las­sen und in der Fol­ge auf der Grund­la­ge des § 8 Abs. 4 Satz 2 NBe­stattG die pri­mär Bestat­tungs­pflich­ti­gen zu den Kos­ten die­ser Bestat­tung her­an­zu­zie­hen.

Maß­geb­lich für die Her­an­zie­hung der pri­mär Bestat­tungs­pflich­ti­gen zu den Bestat­tungs­kos­ten ist dabei ent­spre­chend all­ge­mei­nen Grund­sät­zen 7 auf die Sach- und Rechts­la­ge im Zeit­punkt des Erlas­ses des Leis­tungs­be­schei­des nach § 8 Abs. 4 Satz 3 NBe­stattG abzu­stel­len. Zum danach maß­geb­li­chen Zeit­punkt 18. Novem­ber 2008 waren – nach dem Able­ben der nach § 8 Nr. 1 NBe­stattG vor­ran­gig her­an­zu­zie­hen­den Ehe­frau am 31. Mai 2008 – nur noch Bestat­tungs­pflich­ti­ge nach § 8 Nr. 2, hier die Klä­ge­rin, Herr P. H. und Frau S., und Nr. 6, hier Frau I. L. und Frau N., NBe­stattG vor­han­den. Die Her­an­zie­hung der Klä­ge­rin als nach § 8 Nr. 2 NBe­stattG bestat­tungs­pflich­ti­ges Kind des Ver­stor­be­nen ist daher nicht zu bean­stan­den, da im maß­geb­li­chen Zeit­punkt die nach § 8 Nr. 1 NBe­stattG vor­ran­gig bestat­tungs­pflich­ti­ge Ehe­frau des Ver­stor­be­nen bereits ver­stor­ben war.

Auch die von der Beklag­ten unter Aus­übung ihres Ermes­sens vor­ge­nom­me­ne Inan­spruch­nah­me der Klä­ge­rin als einer von drei gesamt­schuld­ne­risch nach § 8 Abs. 4 Satz 2 NBe­stattG haf­ten­den gleich­ran­gig Bestat­tungs­pflich­ti­gen im Sin­ne des § 8 Abs. 3 Nr. 2 NBe­stattG ist jeden­falls im Ergeb­nis recht­lich ein­wand­frei. Das Ermes­sen, von wel­chem Gesamt­schuld­ner die (gan­ze) Leis­tung gefor­dert wer­den soll, ist sehr weit und regel­mä­ßig nur durch das Will­kür­ver­bot und offen­ba­re Unbil­lig­keit begrenzt 8. Aus­ge­hend vom erkenn­ba­ren Zweck der in § 8 Abs. 4 Satz 2 NBe­stattG ange­ord­ne­ten Gesamt­schuld­ner­schaft, den Geset­zes­voll­zug in Abga­ben­an­ge­le­gen­hei­ten zu ver­ein­fa­chen und so effi­zi­en­ter zu gestal­ten 9, ist die hier geüb­te Ver­wal­tungs­pra­xis der Beklag­ten nicht zu bean­stan­den. Denn die­se Ver­wal­tungs­pra­xis trägt dem Zweck der gesetz­lich ange­ord­ne­ten Gesamt­schuld­ner­schaft Rech­nung und ist gleich­zei­tig dar­auf gerich­tet, durch Anhö­rung der Betei­lig­ten beson­de­re Här­ten der indi­vi­du­el­len Inan­spruch­nah­me zu ermit­teln und bei der Aus­wahl­ent­schei­dung zu berück­sich­ti­gen. Hier­nach stellt sich die Inan­spruch­nah­me der Klä­ge­rin kei­nes­falls als will­kür­lich oder offen­bar unbil­lig und damit nicht ermes­sens­ge­recht dar. Die so getrof­fe­ne Ermes­sens­ent­schei­dung ist mit dem von der Beklag­ten auch im ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren gege­be­nen Hin­weis auf die Mög­lich­keit des inter­nen Aus­gleichs zwi­schen den Gesamt­schuld­nern regel­mä­ßig hin­rei­chend begrün­det 10. Denn ein schutz­wür­di­ges Inter­es­se der Klä­ge­rin an einer wei­te­ren Begrün­dung gera­de ihrer Inan­spruch­nah­me ist nicht erkenn­bar und wür­de das mit der Anord­nung der Gesamt­schuld­ner­schaft ver­bun­de­ne Ziel einer Ver­ein­fa­chung des Geset­zes­voll­zugs kon­ter­ka­rie­ren 9.

Der der im Ermes­sens­we­ge getrof­fe­nen Aus­wahl­ent­schei­dung bis zum Abschluss des erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­rens anhaf­ten­de Feh­ler, dass die Beklag­te vom Vor­han­den­sein eines nach § 8 Abs. 3 Nr. 1 NBe­stattG vor­ran­gig Bestat­tungs­pflich­ti­gen aus­ge­gan­gen ist und des­sen Inan­spruch­nah­me mit unzu­rei­chen­der Begrün­dung aus­ge­schlos­sen hat, ist von der Beklag­ten in Anwen­dung der pro­zes­sua­len Mög­lich­keit des § 114 Satz 2 VwGO 11 durch eine noch zuläs­si­ge Ergän­zung der Ermes­sens­er­wä­gun­gen im gericht­li­chen Ver­fah­ren kor­ri­giert wor­den und recht­fer­tigt daher eine Auf­he­bung des ange­foch­te­nen Beschei­des nicht (mehr).

Sub­stan­ti­ier­te und damit eine wei­te­re Prü­fung durch das OVG Lüne­burg erfor­dern­de Ein­wän­de gegen die Höhe der im Bescheid vom 18. Novem­ber 2008 fest­ge­setz­ten Bestat­tungs­kos­ten hat die Klä­ge­rin nicht erho­ben.

Die Fest­set­zung der Ver­wal­tungs­kos­ten gegen­über der Klä­ge­rin beruht auf den §§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, 3, 5 Abs. 1 Satz 1 und 13 Nie­der­säch­si­sches Ver­wal­tungs­kos­ten­ge­setz – NVw­KostG – in der hier maß­geb­li­chen zuletzt durch Gesetz vom 17. Dezem­ber 2007 12 geän­der­ten Fas­sung i.V.m. § 1 und Anla­ge Nrn. 56.8 und 26.1 Ver­ord­nung über die Gebüh­ren und Aus­la­gen für Amts­hand­lun­gen und Leis­tun­gen (All­ge­mei­ne Gebüh­ren­ord­nung – All­GO -) in der hier maß­geb­li­chen zuletzt durch Ver­ord­nung vom 6. Juli 2007 13 geän­der­ten Fas­sung. Danach beträgt der Gebüh­ren­rah­men 35 EUR bis 1.410 EUR. Inner­halb die­ses Gebüh­ren­rah­mens soll die Gebühr 10 v.H. der Kos­ten für die Ver­an­las­sung der Bestat­tung nicht über­stei­gen, sofern nicht das Maß des Ver­wal­tungs­auf­wan­des im Ein­zel­fall eine höhe­re Gebühr erfor­dert. Dem genügt die hier fest­ge­setz­te Gebühr in Höhe von 100 EUR, gegen deren Höhe die Klä­ge­rin zudem kei­ne Ein­wän­de erho­ben hat.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt , Urteil vom 10. Novem­ber 2011 – 8 LB 238/​10

  1. Nds. GVBl. S. 381[]
  2. vgl. zuletzt Nie­ders. OVG, Beschl. v. 30.07.2010 – 8 PA 151/​10; v. 21.11.2006 – 8 PA 118/​06, Nds­VBl. 2007, 106, 107 jeweils m.w.N.[]
  3. vgl. Nie­ders. OVG, Beschl. v. 21.11.2006, a.a.O.[]
  4. vgl. Nie­ders. OVG, Beschl. v. 21.11.2006, a.a.O.; Bart­hel, Nds. Bestat­tungs­ge­setz, 2. Aufl., § 8 Anm. 4.3; a.A. Horn, Nds. Bestat­tungs­ge­setz, 2. Aufl., § 8 Anm. 6.a.; ders., Die Bestat­tungs­pflicht nach dem Nie­der­säch­si­schen Bestat­tungs­ge­setz, in: Nds­VBl. 2007, 321, 325[]
  5. vgl. Frak­tio­nen der CDU und FDP, Ent­wurf eines Geset­zes über das Leichen‑, Bestat­tungs- und Fried­hofs­we­sen (BestattG), LT-Drs. 15/​1150, S. 15; Schrift­li­cher Bericht zum Ent­wurf eines Geset­zes über das Leichen‑, Bestat­tungs- und Fried­hofs­we­sen (BestattG), LT-Drs. 15/​2584, S. 10 f.[]
  6. vgl. Bart­hel, a.a.O., § 8 Anm. 4.1; Rep­ke­witz, Ord­nungs­be­hörd­li­che Bestat­tun­gen, in: VBlBW 2010, 228, 230; Stelkens/​Seifert, Die Bestat­tungs­pflicht und ihre Durch­set­zung: Neue und alte Pro­ble­me, in: DVBl. 2008, 1537, 1541[]
  7. vgl. Nie­ders. OVG, Urt. v. 15.06.2010 – 8 LB 115/​09[]
  8. vgl. BVerwG, Urt. v. 22.01.1993 – 8 C 57.91, NJW 1993, 1667, 1669 m.w.N.[]
  9. vgl. Nie­ders. OVG, Beschl. v. 27.09.2011 – 8 LA 157/​11[][]
  10. vgl. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urt. v. 15.11.2007 – 1 S 1471/​07[]
  11. vgl. hier­zu BVerwG, Urt. v. 11.11.2010 – 5 C 12.10, NVwZ 2011, 760, 761 m.w.N.[]
  12. Nds. GVBl. S. 775[]
  13. Nds. GVBl. S. 268[]