Bestehen­der sub­si­diä­rer Schutz in Ita­li­en – und der Asyl­an­trag in Deutsch­land

Wur­de einem Asyl­be­wer­ber bereits in einem ande­ren EU-Mit­glieds­staat (sub­si­diä­rer) Schutz gewährt, ist die­ser EU-Staat nach Art. 12 Dub­lin-III-Ver­ord­nung für die Bear­bei­tung auch des in Deutsch­land gestell­ten Asyl­an­trags zustän­dig.

Bestehen­der sub­si­diä­rer Schutz in Ita­li­en – und der Asyl­an­trag in Deutsch­land

Die Zustän­dig­keit kann aber auf das deut­sche Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge über­ge­hen, etwa wenn die Frist für den Voll­zug der Rück­über­stel­lung nach Art. 29 Abs. 2 Dub­lin-III-Ver­ord­nung ver­stri­chen ist. Dann ist über den Asyl­an­trag nach deut­schem Asyl­recht zu ent­schei­den und die­ser als unzu­läs­sig zurück­zu­wei­sen.

Denn ein Asyl­su­chen­der, dem in einem Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on Schutz gewährt wor­den ist, hat kei­nen Anspruch auf Asyl in Deutsch­land; sein Antrag ist unzu­läs­sig 1.

Ein Betrof­fe­ner, dem in einem ande­ren Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on Asyl gewährt und des­sen wei­te­rer Asyl­an­trag in Deutsch­land als unzu­läs­sig zurück­ge­wie­sen wor­den ist, ist nach § 34a Abs. 1 Satz 1 AsylVfG in die­sen Mit­glied­staat abzu­schie­ben, wenn die Durch­füh­rung sicher­ge­stellt ist. Denn die Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on sind nach § 26a Abs. 2 AsylVfG siche­re Dritt­staa­ten. Zur Siche­rung einer sol­chen Abschie­bung kann Haft unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 62 Abs. 3 Satz 1 Auf­en­thG ange­ord­net wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Okto­ber 2015 – V ZB 79/​15

  1. BVerwG, Urteil vom 17.06.2014 – 10 C 7.13, BVerw­GE 150, 29 Rn. 29[]