Betre­tens­ver­bot nach Tages­bruch

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg hat die Kla­ge eines Land­wirts gegen ein vom Regie­rungs­prä­si­di­um Frei­burg ver­häng­tes Betre­tens­ver­bot für sein Wein­bau­grund­stück abge­wie­sen.

Betre­tens­ver­bot nach Tages­bruch

Das Grund­stück des Klä­gers liegt am Kah­len­berg in der Gemein­de Her­bolz­heim, wo bis zum Ende der 1960er Jah­re Eisen­erz abge­baut wor­den war. 1972 wur­de das Berg­werks­ge­län­de an den Zweck­ver­band Abfall­be­sei­ti­gung Kah­len­berg (ZAK) zum Betrieb einer Depo­nie in den Tage­bau­be­rei­chen sowie in den Stol­len ver­äu­ßert. Unter dem Grund­stück befin­den sich zahl­rei­che berg­bau­be­ding­te Hohl­räu­me. Am 13.02.2008 kam es auf einem ca. 40 m ent­fernt lie­gen­den Grund­stück zu einem Tages­bruch mit einem Durch­mes­ser von anfäng­lich rund 6 m und einer Tie­fe von 25 m. Der Durch­mes­ser des Tages­bruchs erwei­ter­te sich in der Fol­ge­zeit durch Nach­rut­schen des Mate­ri­als auf über 20 m. Bereits kurz nach dem Tages­bruch sperr­te die Gemein­de Her­bolz­heim als Orts­po­li­zei­be­hör­de die nähe­re Umge­bung auf der Grund­la­ge einer ent­spre­chen­den All­ge­mein­ver­fü­gung durch Tras­sier­band und Zäu­ne ab. Mit Ver­fü­gung vom 23.06.2008 ord­ne­te das Regie­rungs­prä­si­di­um Frei­burg auf der Grund­la­ge des Poli­zei­ge­set­zes u.a. an, das Grund­stück des Klä­gers dür­fe nicht betre­ten wer­den, und sag­te eine ange­mes­se­ne Ent­schä­di­gung zu.

Der Klä­ger wen­det sich mit der Kla­ge gegen das Betre­tens­ver­bot im Wesent­li­chen mit der Begrün­dung, gera­de bei sei­nem Grund­stück sei im Unter­schied zu ande­ren Grund­stü­cken inner­halb des Siche­rungs­be­reichs die Gefahr eines Tages­bruchs allen­falls gering. Dem ist das Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg nach Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens nicht gefolgt:

Aus dem Gut­ach­ten des Sach­ver­stän­di­gen erge­be sich, dass auf dem gesam­ten Grund­stück des Klä­gers die kon­kre­te Wahr­schein­lich­keit bestehe, dass es in abseh­ba­rer Zeit zu Tages­brü­chen kom­me, wenn auch hin­sicht­lich des Zeit­punkts kei­ne genau­en Aus­sa­gen getrof­fen wer­den könn­ten. Im Fal­le eines Tages­bruchs bestehe die kon­kre­te Gefahr, dass Per­so­nen, die sich im ent­spre­chen­den Zeit­punkt gera­de auf dem Grund­stück befän­den, zu Tode kämen oder gefähr­li­che Ver­let­zun­gen erlit­ten. Eine ent­spre­chen­de Gefahr bestün­de dann auch für Ret­ter, die den betrof­fe­nen Per­so­nen zu Hil­fe kämen. Der Sach­ver­stän­di­ge habe fest­ge­stellt, dass das Deck­ge­bir­ge nicht aus­rei­chend sta­bil sei, um einen Tages­bruch zu ver­hin­dern. Er habe zutref­fend dar­auf hin­ge­wie­sen, bereits der Tages­bruch vom Febru­ar 2008 bele­ge die feh­len­de Sta­bi­li­tät. Die Gru­ben­be­fah­rung durch den Sach­ver­stän­di­gen habe erge­ben, dass bereits in grö­ße­rem Umfang Ver­brü­che auf­ge­tre­ten sei­en. Gera­de ein im Bereich des klä­ge­ri­schen Grund­stücks stets mög­li­ches Erd­be­ben kön­ne der aus­lö­sen­de Fak­tor für einen Tages­bruch sein.
Die mit dem Betre­tens­ver­bot ver­bun­de­nen Belas­tun­gen sei­en in Rela­ti­on zu dem Wert des Eigen­tums und dem dar­aus zu zie­hen­den Nut­zen wirt­schaft­lich zumut­bar. Durch das Betre­tens­ver­bot wer­de dem Klä­ger zwar die Mög­lich­keit zur Nut­zung des Grund­stücks ent­zo­gen. Eine grund­le­gen­de Besei­ti­gung der von den Hohl­räu­men unter sei­nem Grund­stück aus­ge­hen­den Gefahr mit den Wert sei­nes Eigen­tums weit über­stei­gen­den Kos­ten wer­de von ihm aber nicht gefor­dert. Die als Anord­nung gegen­über dem ZAK wohl denk­ba­re Alter­na­ti­ve, die Hohl­räu­me mit einem geeig­ne­ten Sta­bi­li­sat zu ver­fül­len, sei in Rela­ti­on zum Wert des Grund­stücks unver­hält­nis­mä­ßig teu­er. Sta­bi­li­sie­rungs- und Über­wa­chungs­maß­nah­men im Gru­ben­in­ne­ren sei­en im Übri­gen mit erheb­li­chen Gefah­ren für die damit Befass­ten ver­bun­den und kämen des­halb nicht in Betracht. Das alles gel­te auch für die vom Klä­ger ange­spro­che­ne Siche­rung mit­tels Ein­baus von Geo­tex­ti­li­en, des­sen Kos­ten sich nach Aus­kunft des Sach­ver­stän­di­gen auf min­des­tens 150.000,– € belie­fen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg, Urteil vom 30. Novem­ber 2010 – 3 K 1259/​08