Beweis­wür­di­gung – und ihre Kon­trol­le durch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt

der in § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO nie­der­ge­leg­te Grund­satz der frei­en Beweis­wür­di­gung dem Tatrich­ter eröff­net inso­weit einen Wer­tungs­rah­men und beschränkt zugleich die revi­si­ons­ge­richt­li­che Kon­trol­le der Tat­sa­chen­fest­stel­lung, denn die Grund­sät­ze der Beweis­wür­di­gung sind revi­si­ons­recht­lich nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts grund­sätz­lich dem sach­li­chen Recht zuzu­ord­nen 1.

Beweis­wür­di­gung – und ihre Kon­trol­le durch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt

Die Beweis­wür­di­gung des Tat­sa­chen­ge­richts ist des­halb vom Revi­si­ons­ge­richt nicht dar­auf­hin zu über­prü­fen, ob sie über­zeu­gend ist, ob fest­ge­stell­te Ein­zel­um­stän­de mit dem ihnen zukom­men­den Gewicht in die abschlie­ßen­de Wür­di­gung des Sach­ver­halts ein­ge­gan­gen sind und ob sol­che Ein­zel­um­stän­de aus­rei­chen, die tatrich­ter­li­che Sach­ver­halts­fest­stel­lung zu tra­gen 2. Des­halb ist die Ein­hal­tung der sich aus § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO erge­ben­den Ver­pflich­tun­gen des Tatrich­ters nicht schon dann in Fra­ge gestellt, wenn ein Betei­lig­ter aus dem vor­lie­gen­den Tat­sa­chen­ma­te­ri­al ande­re Schlüs­se zie­hen will als das Tat­sa­chen­ge­richt.

So lag es auch in dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall. Denn mit ihrem Vor­brin­gen im Sti­le einer Beru­fungs­be­grün­dung setzt die Beschwer­de ledig­lich ihre eige­ne Wür­di­gung der Zeu­gen­aus­sa­gen an die Stel­le der Beweis­wür­di­gung des dazu beru­fe­nen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts. Damit lässt sich eine Ver­let­zung des § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO nicht begrün­den. Denn für einen der Aus­nah­me­fäl­le, dass die Beweis­wür­di­gung der Vor­in­stanz gesetz­li­che Beweis­re­geln außer Acht lässt, objek­tiv will­kür­lich ist, gegen die Denk­ge­set­ze ver­stößt oder einen all­ge­mei­nen Erfah­rungs­satz miss­ach­tet bzw. irr­tüm­lich annimmt 3, und der Tatrich­ter des­halb den ihm bei der Tat­sa­chen­fest­stel­lung durch den Grund­satz frei­er Beweis­wür­di­gung gemäß § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO eröff­ne­ten Wer­tungs­rah­men ver­las­sen hat 4, ist nichts vor­ge­tra­gen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 21. Dezem­ber 2017 – 6 B 31.17

  1. BVerwG, Urteil vom 19.01.1990 – 4 C 28.89, BVerw­GE 84, 271, 272; Beschlüs­se vom 02.11.1995 – 9 B 710.94, Buch­holz 310 § 108 VwGO Nr. 266 S. 18 f.; und vom 14.07.2010 – 10 B 7.10, Buch­holz 310 § 108 Abs. 1 VwGO Nr. 66 Rn. 4, jeweils m.w.N.[]
  2. BVerwG, Beschlüs­se vom 09.06.2015 – 6 B 59.14, Buch­holz 442.066 § 55 TKG Nr. 11 Rn. 53; und vom 07.02.2017 – 6 B 30.16[]
  3. BVerwG, Urteil vom 16.05.2012 – 5 C 2.11, BVerw­GE 143, 119 Rn. 18 m.w.N.; Beschlüs­se vom 16.06.2003 – 7 B 106.02, Buch­holz 303 § 279 ZPO Nr. 1; und vom 25.06.2004 – 1 B 249.03, Buch­holz 402.25 § 1 AsylVfG Nr. 284, jeweils m.w.N.[]
  4. BVerwG, Beschluss vom 14.07.2010 – 10 B 7.10, Buch­holz 310 § 108 Abs. 1 VwGO Nr. 66[]