Beweis­wür­di­gung – und ihre Über­prü­fung durch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt

Gemäß § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO ent­schei­det das Gericht nach sei­ner frei­en, aus dem Gesamt­ergeb­nis des Ver­fah­rens gewon­ne­nen Über­zeu­gung.

Beweis­wür­di­gung – und ihre Über­prü­fung durch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt

Die Sach­ver­halts- und Beweis­wür­di­gung einer Tat­sa­chen­in­stanz ist der Beur­tei­lung des Revi­si­ons­ge­richts nur inso­weit unter­stellt, als es um Ver­fah­rens­feh­ler im Sin­ne des § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO geht.

Rüge­fä­hig ist damit nicht das Ergeb­nis der Beweis­wür­di­gung, son­dern nur ein Ver­fah­rens­vor­gang auf dem Weg dort­hin.

Der­ar­ti­ge Män­gel lie­gen ins­be­son­de­re vor, wenn das ange­grif­fe­ne Urteil von einem fal­schen oder unvoll­stän­di­gen Sach­ver­halt aus­geht, also etwa ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Akten­in­halt über­geht oder auf einer akten­wid­ri­gen Tat­sa­chen­grund­la­ge basiert 1. Das Gericht darf nicht in der Wei­se ver­fah­ren, dass es ein­zel­ne erheb­li­che Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen oder Beweis­ergeb­nis­se nicht in die recht­li­che Wür­di­gung ein­be­zieht, ins­be­son­de­re Umstän­de über­geht, deren Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit sich ihm hät­te auf­drän­gen müs­sen. In sol­chen Fäl­len fehlt es an einer trag­fä­hi­gen Tat­sa­chen­grund­la­ge für die inne­re Über­zeu­gungs­bil­dung des Gerichts, auch wenn die dar­auf basie­ren­de recht­li­che Wür­di­gung als sol­che nicht zu bean­stan­den ist 2.

Das Ergeb­nis der gericht­li­chen Beweis­wür­di­gung selbst ist vom Revi­si­ons­ge­richt nur dar­auf­hin nach­zu­prü­fen, ob es gegen Logik (Denk­ge­set­ze) und Natur­ge­set­ze ver­stößt oder gedank­li­che Brü­che und Wider­sprü­che ent­hält 3.

Einen der­ar­ti­gen Ver­fah­rens­man­gel wird nicht auf­ge­zeigt, wenn die Beweis­wür­di­gung des Beru­fungs­ur­teils ledig­lich in der Art eines zulas­sungs­frei­en Rechts­mit­tels ange­grif­fen wird, indem der Wür­di­gung des Beru­fungs­ge­richts ledig­lich eine eige­ne, davon abwei­chen­de Wür­di­gung ent­ge­gen­hal­ten, aber kein Ver­stoß gegen § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO auf­ge­zeigt wird.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 24. Janu­ar 2018 – 2 B 38.17

  1. BVerwG, Beschlüs­se vom 13.02.2012 – 9 B 77.11, Buch­holz 310 § 108 Abs. 1 VwGO Nr. 73 Rn. 7; und vom 23.12 2015 – 2 B 40.14, Buch­holz 449 § 3 SG Nr. 82 Rn. 53 m.w.N.[]
  2. BVerwG, Urtei­le vom 02.02.1984 – 6 C 134.81, BVerw­GE 68, 338, 339; und vom 05.07.1994 – 9 C 158.94, BVerw­GE 96, 200, 208 f.; Beschlüs­se vom 18.11.2008 – 2 B 63.08, Buch­holz 235.1 § 17 BDG Nr. 1 Rn. 27; vom 31.10.2012 – 2 B 33.12, NVwZ-RR 2013, 115 Rn. 12; und vom 20.12 2013 – 2 B 35.13, Buch­holz 235.1 § 13 BDG Nr. 21 Rn.19[]
  3. stRspr, vgl. BVerwG, Urteil vom 03.05.2007 – 2 C 30.05, Buch­holz 310 § 108 Abs. 1 VwGO Nr. 50 Rn. 16 sowie Beschluss vom 23.09.2013 – 2 B 51.13 19[]